{"id":10051,"date":"2022-04-19T00:28:57","date_gmt":"2022-04-18T22:28:57","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=10051"},"modified":"2022-04-20T12:06:09","modified_gmt":"2022-04-20T10:06:09","slug":"frankreichs-linke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=10051","title":{"rendered":"Frankreichs Linke"},"content":{"rendered":"<p>Eine Mehrheit der Franzosen m\u00f6chte nicht Marine Le Pen als Pr\u00e4sidentin. Eine Mehrheit der Franzosen m\u00f6chte allerdings auch die Politik von Emmanuel Macron eher heute als morgen loswerden. Diese Rechnung geht nicht auf. Von dem Dilemma die ganze W\u00e4hlerschaft betroffen. Davon ebenfalls erfasst die Anh\u00e4nger, Unterst\u00fctzer und W\u00e4hler des im ersten Wahlgang knapp unterlegenen einzigen echten linken Kandidaten, Jean-Luc M\u00e9lenchon. Dieser war in den letzten f\u00fcnf Jahren der vehementeste und aktivste Kritiker der neoliberalen Politik des Pr\u00e4sidenten Macron und von dessen Regierung. Die einzig wahrnehmbare Alternative zum <span class=\"hiddenSpellError\">Macronismus und Hoffnung auf eine Abkehr von diesem<\/span>. Aus dem politischen Lager von M\u00e9lenchon nun ein Zeichen Richtung zweiter Wahlgang. Die eingeschriebenen Unterst\u00fctzer der Pr\u00e4sidentschaftskandidatur von Jean-Luc M\u00e9lenchon, die Keimzelle der heutigen Volksunion, dem neuen Gravitationszentrum der franz\u00f6sischen Linken, wurden um ihr Meinungsbild (Vorschlag Wahlverhalten) f\u00fcr die zweite Runde der Pr\u00e4sidentenwahl zwischen Marine Le Pen und Emmanuel Macron gebeten. Organisiert wurde die Befragung von La <span class=\"hiddenSpellError\">France<\/span>\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">insoumise<\/span>, der Sammlungsbewegung von Jean-Luc M\u00e9lenchon und eben dieser Volksunion (L&#8217;Union populaire), die seine Kandidatur getragen hat. Von 310.000 stimmberechtigten Unterst\u00fctzern haben sich an dieser Konsultation 215.292 Personen beteiligt. Hier das Ergebnisse:<\/p>\n<ul>\n<li>Leeren Stimmzettel oder ung\u00fcltige Stimme abgeben: 81.051, d. h. 37,65 %.<\/li>\n<li>Stimme f\u00fcr Macron: 71.899, d.h. 33,40%.<\/li>\n<li>Wahlenthaltung: 62.342, bzw. 28,96%.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Option Marine Le Pen w\u00e4hlen wurde nicht angeboten, da M\u00e9lenchon die Wahl von Le Pen kategorisch ausgeschlossen hat. (Auch unter Linken wurde diese Auslassung durchaus kontrovers diskutiert.) Jean-Luc M\u00e9lenchon gab dar\u00fcber hinaus keine Stellungnahme ab, eine Macron-Empfehlung ist von ihm nicht zu erwarten. Er ging die Tage nach seiner Niederlage lieber zur geistigen Auffrischung in ein Kunstmuseum, um die bittere Niederlage zu verkraften, den kr\u00e4ftezehrenden Wahlkampf hinter sich zu lassen. Kein Kandidat sprach zu mehr Menschen, absolvierte mehr Veranstaltungen in ganz Frankreich als M\u00e9lenchon. Im Museum stie\u00df er umgehend auf Anh\u00e4nger, darunter wieder junge Menschen, f\u00fcr die er im Wahlkampf ein Magnet und mit seinem Programm die gro\u00dfe (letzte) politische Hoffnung war:<\/p>\n<figure id=\"attachment_10060\" aria-describedby=\"caption-attachment-10060\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10060\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/jlm-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/jlm-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/jlm-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/jlm-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/jlm-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/jlm-2048x1536.jpg 2048w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10060\" class=\"wp-caption-text\">M\u00e9lenchon bleibt f\u00fcr viele Franzosen der einzige K\u00e4mpfer gegen den Neoliberalismus. (Twitter: M\u00e9lenchon)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auf eine Pr\u00e4sidentschaftswahl folgt in Frankreich zeitnah eine Wahl zur Nationalversammlung. Dort k\u00f6nnte die L&#8217;Union populaire durchaus eine Mehrheit erringen und dem alten oder der neuen Pr\u00e4sidentin in einigen Bereichen durchaus in den Arm fallen. Eine letzte Hoffnung sehr vieler Franzosen, die entsetzt \u00fcber die aktuelle Alternativlosigkeit. Der Wahl zwischen einer neoliberalen Nationalistin und einem neoliberalen Globalisten ist f\u00fcr sehr viele \u00e4u\u00dferst frustrierend. Das Wort Pest oder Cholera macht l\u00e4ngst die Runde bei den W\u00e4hlern. Macron oder Le Pen k\u00f6nnen beide im zweiten Wahlgang nur siegen, wenn sie W\u00e4hler aus dem M\u00e9lenchon Lager dazugewinnen.<\/p>\n<p>Die Aussichten der Volksunion sind in naher Zukunft, also in Sachen Wahl zur Nationalversammlung, nicht so \u00fcbel. Viele Menschen wollen eine Gegenmacht zu Le Pen oder zu Macron. Allerdings gibt es weiter die gro\u00dfe Unbekannte, den Trupp von Macron und Le Pens Helfern im ersten Wahlgang, der aus den Kandidaten der Sozialisten, Kommunisten und Gr\u00fcnen bestand, die den Einzug des linken Kandidaten M\u00e9lenchon in die zweite Runde erfolgreich torpedierten. Eine erforderliche Einigung dieser drei Parteien mit der Volksunion f\u00fcr ein Wahlb\u00fcndnis steht schon deshalb eher neblig in den Sternen. Die Vorzeichen daf\u00fcr von skurriler Natur. Olivier Faure, Erster Sekret\u00e4r der Sozialisten, deren peinliche Kandidatin Anne Hidalgo (1,7 %) nur M\u00e9lenchon bek\u00e4mpfte, aber nicht Macron und Le Pen, sagte dieser Tage allen Ernstes: <em>\u201eWir m\u00fcssen den Groll \u00fcberwinden, der existiert.\u201c <\/em>Die Franzosen, die f\u00fcnf weitere Jahre Neoliberalismus f\u00fcr ihr Land sehen und dieses verhindern wollten, werden wohl viel vergessen, sicher nicht ihren Groll gegen die Spalter der Linken um Hidalgo, Jadot und Roussel. Was sich vor allem die Sozialisten und Gr\u00fcnen als eine Art F\u00fcnfter Kolonne f\u00fcr Macron\/Le Pen geleistet haben, hat das linke Lager in Frankreich tief gespalten. Heilung aktuell schwer vorstellbar. <span data-offset-key=\"d0qhg-0-0\">Den Vogel dabei abgeschossen Yannick <\/span><span id=\"decorator-ignored-entity-id-58\" data-entity-key=\"58\" data-offset-key=\"d0qhg-1-0\"><span data-offset-key=\"d0qhg-1-0\">Jadot<\/span><\/span><span data-offset-key=\"d0qhg-2-0\">, Frankreichs Vorzeigegr\u00fcner, der am Abend des ersten Wahlganges in Kenntnis seines desastr\u00f6sen Ergebnisses (4,6 %) t\u00f6nte: <em>\u201eHeute Abend rufe ich in Verantwortung die W\u00e4hler auf, die extreme Rechte zu besiegen, indem sie am 24. April f\u00fcr Emmanuel Macron stimmen.\u201c<\/em> Dass vor allem seine aussichtslose Kandidatur der extremen Rechten in den zweiten Wahlgang half, war ihm schon wenige Minuten nach der Wahl v\u00f6llig entfallen. Die geschmeidige Wandelbarkeit von Gr\u00fcnen ist uns hierzulande ja durchaus auch gel\u00e4ufig. Welche Art B\u00fcndnis l\u00e4sst sich mit solchen Kantonisten ohne Groll schlie\u00dfen?<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_10067\" aria-describedby=\"caption-attachment-10067\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-10067\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/yj-1-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/yj-1-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/yj-1-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/yj-1-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/yj-1-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/yj-1.png 1553w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-10067\" class=\"wp-caption-text\">Gr\u00fcner Yannick Jadot. Bester Wahlhelfer f\u00fcr Macron und Le Pen. (Foto: Screenshot BFMTV)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Richtung der n\u00fctzlichen Idioten des Neoliberalismus sagte der renommierte Wirtschaftswissenschaftler der Pariser Sorbonne, Thomas Porcher: <em>\u201eIch stelle fest, dass M\u00e9lenchon in weniger als einer Woche von der Gefahr f\u00fcr die Republik, der als Freund von Diktatoren geschm\u00e4ht wurde, pl\u00f6tzlich zu einem potenziellen Verb\u00fcndeten geworden ist.\u201c<\/em> Den Gr\u00fcnen, den Kommunisten und Sozialisten ist v\u00f6llig klar, ohne <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span> und dessen Volksunion mit ihren enorm engagierten Jugendlichen, ist eine Mehrheit in der Nationalversammlung nicht zu erringen. Geschichte wiederholt sich, so lehrte es Karl Marx, grunds\u00e4tzlich als Farce. Die ins Unbedeutende gerutschten Hidalgo, <span class=\"hiddenSpellError\">Jadot<\/span>\u00a0und\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Roussel<\/span> brauchen jetzt genau denjenigen, dem sie im Wahlkampf einen politischen Dolch in den R\u00fccken stie\u00dfen f\u00fcr ihr eigenes \u00dcberleben. Welch Ironie! Le Pen und Macron dagegen brauchen weniger den Politiker <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon, sie brauchen <\/span>am kommenden Sonntag vor allem seine W\u00e4hler.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>*Titelbild: Twitter Adrien Quatennens<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine Mehrheit der Franzosen m\u00f6chte nicht Marine Le Pen als Pr\u00e4sidentin. Eine Mehrheit der Franzosen m\u00f6chte allerdings auch die Politik von Emmanuel Macron eher heute als morgen loswerden. 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