{"id":1057,"date":"2021-06-30T11:34:46","date_gmt":"2021-06-30T09:34:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=1057"},"modified":"2021-07-03T08:01:34","modified_gmt":"2021-07-03T06:01:34","slug":"ab-und-der-plagiatsjaeger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=1057","title":{"rendered":"AB und der Plagiatsj\u00e4ger"},"content":{"rendered":"<p>Annalena Baerbock und die Gr\u00fcnen haben es nicht leicht. Doch die N\u00f6te sind selbstverschuldet. Sie glaubten tats\u00e4chlich an die Erz\u00e4hlung der gr\u00fcnen Republik und tappten in eine bew\u00e4hrte wie plumpe Falle. Das Meinungsbild der Hauptstadtjournalisten f\u00fcr ein Spiegelbild der Gesellschaft zu halten ist ein Kardinalfehler, den vor allem Politiker machen, deren Lebenswirklichkeit nur noch von der Berliner Politikblase bestimmt wird. Die DNA der Bundesrepublik als CDU Staat haben die Gr\u00fcnen bis heute nicht begriffen. Die CDU lebt und definiert sich ausschlie\u00dflich von den H\u00e4nden an der Macht und hat dies in den Jahrzehnten der Bundesrepublik eindrucksvoll bewiesen. Der Adenauerstaat lebt bis heute, die 68er hin oder her. Der CDU wirklich die Macht entrei\u00dfen gelang eigentlich nur der Troika Willy Brandt, Helmut Schmidt und Herbert Wehner f\u00fcr ein gutes Jahrzehnt. Die Regierung Schr\u00f6der\/Fischer war sp\u00e4ter eher ein Betriebsunfall und machte neoliberale CDU-Politik durch die kalte K\u00fcche.<\/p>\n<p>Das 2021 Wahlkampfmanagement der Gr\u00fcnen ist in der Analyse gescheitert und schon am Start \u00fcberfordert. Es wird im Herbst wieder nur zum Kellner und nicht zum Koch reichen. Dennoch kann man mit dem zweiten Platz und einer eventuellen Regierungsbeteiligung am Hofe von Armin Laschet rechnen. Die SPD w\u00fcrde im Sommer Silvester und Weihnacht feiern, st\u00e4nde ihr so etwas in Aussicht. Insofern stehen die Gr\u00fcnen auch nicht vor dem Weltuntergang, den Medien ihnen jetzt heraufbeschw\u00f6ren. Jene Medien, die den Gr\u00fcnen vor Wochen erz\u00e4hlten \u201eihr baut die Neue Welt\u201c. Man kann Annalena Baerbock f\u00fcr die falsche Wahl als Spitzenkandidatin (Kanzlerkandidatin) halten. Sie ist es wohl auch. Niemand sollte sich jedoch einreden lassen, mit Robert Habeck w\u00e4re die Partei besser aus der Er\u00f6ffnung gekommen. Wie seine Kollegin h\u00e4tte man auch ihn von der Starteuphorie geschleudert und danach ausgewrungen. Die medialen Rufer \u201eBaerbock-jetzt\u201c werden auch diese Rechnung noch \u00f6ffentlich aufmachen und demn\u00e4chst verk\u00fcnden, \u201eHabeck w\u00e4re besser gewesen\u201c. Dabei nat\u00fcrlich nicht an ihr eigenes Gegenteil-Geschw\u00e4tz erinnern. So l\u00e4uft der Hase, den die Gr\u00fcnen in latenter Selbstberauschung nicht sehen wollen. Wie spielend sich Annalena Baerbock in eine Defensivrolle dr\u00e4ngeln lie\u00df und \u00fcber jeden Stock springt, der ihr hingehalten zeugt jedenfalls von einer politischen Leichtgewichtigkeit dieser Kandidatin. Allerdings ist dies l\u00e4sslich. Es sind viele Leichtmatrosen im politischen Gesch\u00e4ft unterwegs und sitzen auf Spitzenposten. Schwergewichte sind l\u00e4ngst ausgestorben.<\/p>\n<p>Politiker haben in Wahlkampfzeiten den Hang zu B\u00fcchern, die sie uns auftischen. Annalena Baerbock erf\u00fcllt ganz brav auch dieses Klischee. Es allein gedacht und geschrieben zu haben wird ihr umgehend abgesprochen. Es ergeht ihr damit und mit einigem anderen wie Martin Schulz. Dem haben Journalisten das fehlende Abitur vorgehalten. Allen voran einer, der seinen Lebenstraum \u201eChefredakteur Spiegel\u201c nie erf\u00fcllt bekam und diesen Karriereschmerz \u00fcber andere goss. Schulz, der \u00e4u\u00dferst belesen und in mehreren Sprachen perfekt bewandert hatte solcher Art Herablassung nichts entgegenzusetzen. Man k\u00f6nnte in dem Zusammenhang erneut auf den Verkehrsminister Scheuer verweisen, der ja Abitur hat. Sollte dessen Unf\u00e4higkeit im Abitur begr\u00fcndet liegen, m\u00fcsste man dieses vielleicht f\u00fcr Deutschland komplett abschaffen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1061\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/95676f431d5f30e40f62ca4fc84e07f238e92eda-00-00.jpeg\" alt=\"\" width=\"368\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/95676f431d5f30e40f62ca4fc84e07f238e92eda-00-00.jpeg 368w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/06\/95676f431d5f30e40f62ca4fc84e07f238e92eda-00-00-184x300.jpeg 184w\" sizes=\"auto, (max-width: 368px) 100vw, 368px\" \/><\/p>\n<p>Baerbock wird nun von einem selbst ernannten \u201ePlagiatsj\u00e4ger\u201c verfolgt, einem Herrn aus Salzburg. Nichts gegen Salzburg, wo immerhin Mozart geboren. Der Plagiatsj\u00e4ger sagt \u00fcber sich \u201eIch habe mich in das Thema Baerbock verbissen.\u201c Vor Kameras und in Interviewformaten, beides von ihm gesucht und geliebt, macht er m\u00e4chtig auf dicke Hose und nimmt mit denunziatorischem Furor die gr\u00fcne Spitzenfrau ins Visier. Ihr Buch tr\u00e4gt angeblich fremde und abgeschriebene Gedanken auf den Seiten. Die mit diesem Vorwurf einhergehende Selbstherrlichkeit dieses Herrn bietet eine wunderbare Charakterstudie. Dabei umweht diesen J\u00e4ger ein Hauch Joseph McCarthy und Roy Cohn. Wir sollten hierzulande solchen Anf\u00e4ngen wehren. Der Plagiatsj\u00e4ger gibt in der \u201eSache Baerbock\u201c nat\u00fcrlich Interviews und adelt sich selbst zum Herrn \u00fcber die reine Lehre. Eine Art Tom\u00e1s de Torquemada der Neuzeit. Der zog noch umst\u00e4ndlich mit Holz und Feuer durch die Lande und lie\u00df Menschen auf Scheiterhaufen verbrennen. Heute reichen das Internet, die Talkshow und selbstverst\u00e4ndlich als Vorspeise ein Interview. Die Sache mit dem Abschreiben ist so alt wie die Menschheit. Es g\u00e4be die Dreigroschenoper nicht, w\u00e4re Brecht nicht so ein gerissener Plagiator und pfiffiger Ideendieb gewesen. Wer in der \u00d6ffentlichkeit agiert und von sich sagen kann \u201ealle Worte meines Lebens sind mein\u201c, der werfe den ersten Stein. So etwas ficht einen Plagiatsj\u00e4ger selbstredend nicht an. Er muss jagen und dies medienwirksam in Wahlkampfzeiten. Die Medien hat er an seiner Seite und bekommt dankbare \u00dcberschriften: \u201ePlagiatsj\u00e4ger erhebt Vorw\u00fcrfe gegen Baerbock\u201c. Die Frage, was ihn eigentlich qualifiziert, bekommt er \u00fcbrigens nie gestellt. Welch gefundenes Fressen sich da im Trog bereiten l\u00e4sst, \u00fcberlagert alles.<\/p>\n<p>\u00dcbrigens ist Frau Baerbock in guter Gesellschaft. Auch der weltweit geachtete Virologe Christian Drosten ist ins Visier dieses Plagiatsj\u00e4gers geraten. Ein Schelm, der Arges dabei denkt. Man sollte die Dinge dennoch beim Namen nennen. Ein mediengeiler und selbstherrlicher M\u00f6chtegernaufkl\u00e4rer spielt Sittenw\u00e4chter und bekommt f\u00fcr sein verschrobenes Ego und seine \u201eRecherchen\u201c eine B\u00fchne bereitet. Auf dieser B\u00fchne wird nach der Bundestagswahl das Licht der Scheinwerfer deutlich abnehmen. F\u00fcr die Gr\u00fcnen und Frau Baerbock allerdings zu sp\u00e4t. Die raufen dann l\u00e4ngst mit Armin Laschet am Kabinettstisch um Windr\u00e4der und vegane Schnitzel. Aber eben als Kellner und nicht als Koch. Ob am Regierungstisch dann eine Vizekanzlerin Baerbock oder ein Vizekanzler Habeck sitzt, ist die vielleicht letzte halbspannende Frage eines lauen Wahlkampfes. Dieser Kampf um W\u00e4hler ist schon jetzt auf Nebenkriegsschaupl\u00e4tzen der pers\u00f6nlichen Ebene zu verorten und blendet die wichtigen Gesellschafts- und Zukunftsthemen einfach mehr und mehr aus.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Annalena Baerbock und die Gr\u00fcnen haben es nicht leicht. Doch die N\u00f6te sind selbstverschuldet. Sie glaubten tats\u00e4chlich an die Erz\u00e4hlung der gr\u00fcnen Republik und tappten in eine bew\u00e4hrte wie plumpe Falle. 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