{"id":1255,"date":"2021-07-17T16:32:34","date_gmt":"2021-07-17T14:32:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=1255"},"modified":"2021-08-11T19:33:47","modified_gmt":"2021-08-11T17:33:47","slug":"martha-argerich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=1255","title":{"rendered":"Martha Argerich"},"content":{"rendered":"<p><strong>Auf nach Wien<\/strong><\/p>\n<p>Als die 1941 in Buenos Aires geborene Martha Argerich Mitte der f\u00fcnfziger Jahre nach Wien kam, war sie schon ein Versprechen am Klavier. Der argentinische Staat besorgte den Eltern eine Anstellung in der Wiener Botschaft des Landes. Einzig aus einem Grund. In Wien lebte Friedrich Gulda, der geh\u00f6rte zu den wenigen Titanen des damals noch bewohnten Pianisten-Olymp. Einer der Auserw\u00e4hlten, der das Wort \u201ebester Pianist der Welt\u201c auf sich ziehen konnte. Es gab im 20. Jahrhundert fast eine Hundertschaft von Spitzenpianisten. Aber f\u00fcr den Olymp dieser Kunst waren nur ganz wenige bestimmt. Sie waren in ihrem Musizieren au\u00dfergew\u00f6hnlich. Jeder von ihnen einmalig auf seine sehr pers\u00f6nliche Art, brachte das Klavierspiel in eine andere Dimension. Auf den 88 Tasten waren sie Genies, daneben eher ziemliche Chaoten. Diese Edlen der Klavierwelt waren Arthur Rubinstein, Vladimir Horowitz, Emil Giles, Svjatoslav Richter, Arturo Benedetti Michelangeli, Glenn Gould und Wilhelm Kempff, s\u00e4mtlich mit einer weltweiten Fangemeinde. Alle sind sie schon sehr lange nicht mehr auf dieser Welt. Sie hoben das Klavierspiel im 20. Jahrhundert auf eine Stufe, die heute, abgesehen vom famosen Daniil Trifonov, von niemandem mehr erreicht wird. Waren der Deutsche Kempff, die Russen Gilels und Richter neben dem Klavier eher normale Zeitgenossen, konnte man dies \u00fcber die anderen Herren nicht sagen. \u00dcber Gulda, Rubinstein, Horowitz, Gould und Michelangeli lie\u00dfe sich ein mehrb\u00e4ndiges Buch der Exzentrik und Skurrilit\u00e4t schreiben.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1307\" aria-describedby=\"caption-attachment-1307\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1307\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-430-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-430-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-430-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-430-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-430.png 1290w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1307\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Konzertmitschnitt. Arthur Rubinstein im Jahr 1973.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Ein Einschub sei an dieser Stelle gestattet:<\/strong> <em>K\u00fcnstler sind keine Rennpferde oder Leichtathleten, die zuerst durchs Ziel m\u00fcssen. Der beste Pianist (Pianistin) der Welt ist in der Musik kaum zu k\u00fcren. Es geht in der Spitze auch immer um Sympathien und Geschm\u00e4cker. Nat\u00fcrlich ist man dabei dann oft subjektiv und nicht immer objektiv. Der eine mag die makellose Studioaufnahme und andere ziehen riskante Livemitschnitte vor, die l\u00e4ngst authentischer, ehrlicher und lebendiger wirken. Wo manch Pianist jede Note als Heiligtum ansieht, ist dem Kollegen die Interpretation und Spontanit\u00e4t wichtiger. Als Sviatoslav Richter 1960 in den USA deb\u00fctierte, dort gleich in der Carnegie Hall, sah er auch seine Mutter nach vielen Jahren erstmals wieder. Eine Nervosit\u00e4t machte sich breit, die er nicht v\u00f6llig unter Kontrolle bekam. Die von ihm stets tadellos gespielte Appassionata gelang ihm dennoch in einem solchen Rausch, dass am Ende im 3. Satz im Eifer und in v\u00f6lliger Raserei einige Noten unter den Teppich fielen. Der Gesamteindruck des heimlichen Mitschnittes und der Eindruck derer, die dabei waren, ist der einer Jahrhundertaufnahme. Und keiner hat spontanes Musizieren so gesch\u00e4tzt wie Beethoven, der wohl seine begeisterte Zustimmung umgehend erteilt h\u00e4tte. Und Arthur Rubinstein antwortete auf die ewige Konkurrenzfrage, wer nun der beste Klaviervirtuose der Welt sei, er oder Horowitz: \u201eEr ist der bessere Pianist, ich aber der bessere Musiker.\u201c Eine sch\u00f6ne und diplomatische Antwort. Viele der ganz gro\u00dfen Tastenvirtuosen lie\u00dfen sich nie in einen Wettkampf hineintreiben. Argerich verehrte immer Horowitz, Rubinstein und Gulda, Rubinstein verehrte Argerich und Gilels. Dieser Giles wiederum war ein Fan von Rubinstein. Richter und Gilels sagten \u201eer ist besser als ich\u201c \u00fcber den jeweils anderen. Kempff mochten sie alle, weil er jeden Kollegen neidlos sch\u00e4tzte, der etwas konnte. Gould war begeistert von Rubinsteins Risikobereitschaft und Improvisationskunst. Horowitz mochte Richters Spiel. Nur Arturo Benedetti Michelangeli hielt sich selbst f\u00fcr das Nonplusultra der Klavierkunst. Jeder der Genannten hat \u00fcber den Tod hinaus bis heute eine weltweite und treue Fangemeinde, die oft wie Fu\u00dfballfans miteinander streiten. Warum auch nicht.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_1266\" aria-describedby=\"caption-attachment-1266\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1266\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-421-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-421-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-421-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-421-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-421-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-421.png 1618w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1266\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot aus ARTE-Doku \u00fcber Vladimir Horowitz. Argerich schw\u00e4rmt \u00fcber den Kollegen.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Richtung Klavierhimmel<\/strong><\/p>\n<p>In die exklusive Klavierwelt jener Herren machte sich nun unbemerkt das M\u00e4dchen Martha auf. Niemand ahnte etwas. Mutter Argerich bettelte vorstellig beim Genie Gulda und bezahlte Klavierunterricht. So fing es an. Oder auch nicht. Nach der ersten Unterrichtsstunde stellte Gulda fest: \u201eDie war tats\u00e4chlich ein Wunderkind. Es war ein ganz seltsamer Unterricht, weil das M\u00e4del ja alles konnte. Ich hab\u2019 nicht gewusst, was ich ihr beibringen soll. Beim gr\u00f6\u00dften Talent, das mir je untergekommen ist, Geld zu verlangen: Ich h\u00e4tte es nicht fertig gebracht.\u201c So fing es an und h\u00f6rte nie wieder auf. Eine Legende nahm ihren Lauf. Anderthalb Jahre arbeiteten Gulda und Argerich miteinander. Gulda, der au\u00dfergew\u00f6hnliche Mozart- und Beethovenspezialist, machte sie mit seinen Vorlieben vertraut. Argerich spielte sp\u00e4ter Mozart wie Beethoven in ihrem Konzertleben nicht so h\u00e4ufig wie Gulda. Wenn sie aber Beethovens 1. Klavierkonzert in C-Dur und Mozarts Klavierkonzert Nr. 20 in D-Moll spielte, war sie darin triumphal. Vor allem das Beethovenkonzert Nr. 1 wurde ihr wie seine Nr. 2 zum lebenslangen Begleiter. Das 5. Klavierkonzert op. 73 in Es-Dur von Beethoven m\u00fcsste ihr wie auf den Leib geschrieben sein, sie fasste es dennoch nie an. Irgendwo hat sie es angeblich einmal gespielt, dann nie wieder. Nichts Genaues wei\u00df man nicht. Vielleicht Ehrfurcht vor dem Lehrer und Freund Gulda? Der war gerade mit diesem Konzert eine Art ungekr\u00f6nter K\u00f6nig.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1262\" aria-describedby=\"caption-attachment-1262\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1262\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-420-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-420-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-420-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-420-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-420.png 1368w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1262\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Konzertmitschnitt: Gulda spielt 1966 Beethovens 5. Klavierkonzert mit den Wiener Philharmonikern unter George Szell.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Lotterleben?<\/strong><\/p>\n<p>Guldas geniale Interpretation s\u00e4mtlicher Beethoven-Sonaten k\u00f6nnte sie ebenfalls geschreckt haben, sie r\u00fchrte da kaum etwas an. Die Welt h\u00e4tte gern die Appassionata von ihr geh\u00f6rt. Aber wenn Martha nicht wollte, dann wollte sie nicht. Die Waldsteinsonate bot sie. Und wie! Wo Legionen von Pianisten sich schleppend \u00fcber die Runden bringen, donnert sie im Tempo von Gulda los und spielt begeisternd wie richtig. Man kann sich vorstellen, wie Friedrich Gulda sich dar\u00fcber diebisch freute. Selbst er hatte in Sachen Martha Zweifel. Als er sie besser kannte, n\u00f6rgelte er \u00f6ffentlich \u00fcber ihr \u201eLotterleben\u201c. Bis mittags im Bett, dann literweise schwarzen Kaffee und Zigaretten auf Kette, f\u00fcr Gulda ein Beleg die Weltkarriere und das wirkliche Klavierspiel zu verpassen. Gulda fand seine beste Sch\u00fclerin sogar \u201eneurotisch, willensschwach, verw\u00f6hnt&#8220;. So etwas von einem Mann, der nackt und mit Blockfl\u00f6te auf die B\u00fchne trat, um ins Publikum zu rufen \u201eich bin auch ein Idiot\u201c. Gulda irrte in Sachen Martha. Wenn die Dame mit dem Lotterleben ins Aufnahmestudio ging, hatte sie den Kaffee auf dem Klavier, die Zigarette im Mund und bot den staunenden Tontechnikern drei Varianten eines St\u00fcckes in atemberaubender Qualit\u00e4t und einem Durchgang. Bei Argerich musste niemand etwas schneiden oder einen Take st\u00fcckeln, um eine perfekte Aufnahme zu bekommen. Wenn sie am Fl\u00fcgel sa\u00df, kam alles wie von selbst. Das ph\u00e4nomenale Ged\u00e4chtnis konnte sogar auf eine Partitur verzichten. Nach der Zeit mit Gulda begann Argerichs Laufbahn, fr\u00fch gekr\u00f6nt mit einem triumphalen Sieg 1957 in einem bedeutenden Klavierwettbewerb. Mit Gulda blieb sie sein Leben lang befreundet. Sp\u00e4ter tauschten sich die beiden eher dar\u00fcber aus, wer gerade ein Verh\u00e4ltnis und mit wem ins Bett ging. Tratsch belebte den Wiener wie die Argentinierin. \u00dcber Musik unterhielt man sich weniger, man improvisierte lieber ein bisschen vierh\u00e4ndig an einem oder zwei Fl\u00fcgeln.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1263\" aria-describedby=\"caption-attachment-1263\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1263\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-412-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-412-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-412-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-412-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-412.png 1435w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1263\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Doku \u201eMartha Argerich und Charles Dutoit\u201c. Martha 1972.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wo die Liebe hinf\u00e4llt<\/strong><\/p>\n<p>Mit 20 heiratete sie dann einen Komponisten und bekam ihr erstes Kind, was 1960\/61 allerdings die beginnende Karriere knickte. Das Piano wurde zweitrangig, doch die Familie f\u00fchrte eher zu einer Lebenskrise als zur inneren Ruhe und Gl\u00fcck. Echter Gabe und Berufung entkommt man nicht. Fluch und Segen von Genies. Die Ehe endete 1964, es folgten noch zwei davon im Lauf der n\u00e4chsten Jahrzehnte mit dem Dirigenten Charles Dutoit und dem Pianisten Stephen Kovacevich. Jede Ehe brachte Martha Argerich eine Tochter in ihr Leben. Mit den drei T\u00f6chtern wie den verflossenen Gatten pflegt sie bis heute beste Verh\u00e4ltnisse. Die Frau, die es mit der Liebe auf ewig nicht so hatte, ist eine Meisterin f\u00fcr lebenslange Freundschaften. Als sie in den 90er-Jahren an Krebs erkrankte, brach der Pianist Stephen Kovacevich, dritter Ex-Ehemann aus den 70er-Jahren, umgehend seine eigene Welttournee ab und flog direkt zur OP von Martha in die USA. In der Gemengelage vielf\u00e4ltiger Beziehungen ging auch irgendwann das Verm\u00f6gen aus gigantischen Gagen fl\u00f6ten. In ihrem Haus in Br\u00fcssel hatte sie auf mehreren Etagen unterschiedliche Fl\u00fcgel zu stehen, so etwas geht ins Geld. Martha musste, um das Loch zu stopfen, viel touren und das merkte man ihrem Spiel dann doch irgendwann an. Wobei ein bekannter Kollege konsterniert meinte: \u201eWenn sie schlecht spielt, ist sie immer noch besser als ich an meinen guten Tagen.\u201c Das Tal ist l\u00e4ngst durchschritten, Argerich hat die Krise \u00fcberstanden und ihre Welt ist wieder auf dem Marthagleis.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1267\" aria-describedby=\"caption-attachment-1267\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1267\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-414-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-414-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-414-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-414-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-414-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-414.png 1603w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1267\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Doku \u201eBloody Daughter\u201c. Argerich mit Exmann Stephen Kovacevich beim Italiener.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Unaufhaltsam<\/strong><\/p>\n<p>Nach der ersten Scheidung startet Argerich am Fl\u00fcgel unaufhaltsam durch. 1965 wieder ein Wettbewerbssieg, diesmal beim internationalen Chopin-Wettbewerb. Damit Weltruhm und nun die Stra\u00dfe Richtung Piano-Olymp. Was dann kam, grenzt bei Betrachtung immer wieder neu an ein Wunder. Sie spielte, was sie spielte, sofort wie von einem anderen Stern. Tschaikowskys Klavierkonzert Nr. 3 wurde zu ihrem Paradepferd, darin sogar den Wahnsinnsaufnahmen des jungen Horowitz \u00fcberlegen, auf einer Stufe mit Emil Gilels. Schumanns Klavierkonzert machte den Eindruck, als w\u00e4re es f\u00fcr sie geschrieben. Zu einem Hochamt der Komplexit\u00e4t machte sie Ravels Klavierkonzert. Das Konzert Nr. 3 von Rachmaninow, ein H\u00f6llenritt f\u00fcr jeden Pianisten und deshalb nur von sehr wenigen gespielt, bew\u00e4ltigt sie nicht, sie \u00fcberf\u00e4llt es und macht keine Gefangenen. Eine Jahrhundertleistung. Hier auch Gilels und Horowitz ebenb\u00fcrtig. Dabei noch den Beweis angetreten, die im dritten Satz ben\u00f6tigte Muskelkraft spielend aufzubieten. Eine angebliche M\u00e4nnerdom\u00e4ne wurde von ihr pulverisiert. Jedenfalls hatten die Herren im Olymp von nun an weiblichen Besuch und taten sich schwer mit dem Einschlag der Ebenb\u00fcrtigen und in Teilen auch \u00fcberlegenen Martha Argerich. Einige Kritiker wollten nur Klavierg\u00f6tter in ihren K\u00f6pfen haben, lie\u00dfen sich schwer ein mit dieser G\u00f6ttin, machten dann Dinge neben dem Klavier aus, mit der sie die Argentinierin herabsetzten. Die Namen diese r\u00fcckw\u00e4rtsgewandten Dummk\u00f6pfe kennt heute kein Mensch mehr, jenen von Martha Argerich die Welt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1270\" aria-describedby=\"caption-attachment-1270\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1270\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-415-1-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-415-1-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-415-1-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-415-1-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-415-1-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-415-1.png 1589w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1270\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Konzertmitschnitt. Argerich bereit f\u00fcr Rachmaninow 3)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Lampenfieber<\/strong><\/p>\n<p>Argerich spielte au\u00dferdem Klavierkonzerte von Prokofiev, Shostakovich und Bartok, nat\u00fcrlich von Chopin und Liszt. In Begleitung eines Orchesters nebst Dirigenten konnte sie sich etwas gesch\u00fctzt vor dem Rachen von B\u00fchne und Publikum f\u00fchlen und ihrem K\u00f6nnen ungehemmten Lauf lassen. Zum Pianisten geh\u00f6ren aber Soloauftritte. Die Angst vor diesen rafft gerade den Gro\u00dfen der Klavierzunft die Nerven weg. Zu hohe Anspr\u00fcche an sich selbst lassen Versagens\u00e4ngste aufkommen und Lampenfieber eintreten, wo mittelm\u00e4\u00dfige Tastenhauer kraftstrotzend auf die B\u00fchne h\u00fcpfen, um ihre Unzul\u00e4nglichkeiten der Welt feilzubieten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1258\" aria-describedby=\"caption-attachment-1258\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1258\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/MA-Titelbild-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/MA-Titelbild-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/MA-Titelbild-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/MA-Titelbild-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/MA-Titelbild-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/MA-Titelbild.png 1637w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1258\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Konzertmitschnitt. Argerich am Fl\u00fcgel. Ihr Ort zwischen Himmel und H\u00f6lle.)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Argerich war mit dieser Panik nicht allein. Horowitz betrat aus Furcht ganze 12 Jahre kein Konzertpodium, sa\u00df lieber streitend mit der Gattin Wanda auf dem New Yorker Sofa und wartete t\u00e4glich auf den Flieger aus Paris, der seine frische Seezunge an Bord. Glenn Gould fl\u00fcchte 1964 v\u00f6llig aus der \u00d6ffentlichkeit, ging die letzten 18 Jahre seines Lebens nur noch ins Tonstudio. Dort h\u00e4tte er den Technikern am liebsten frei gegeben, um allein zu sein. Arturo Benedetti Michelangeli, von seinen Fans nur ABM gerufen, verzog bei betreten der B\u00fchne ein so blasiertes und sauert\u00f6pfisches Gesicht der \u00dcbellaunigkeit, dass dem Publikum mulmig wurde. Manchmal lie\u00df er einen Tag vor Konzerten den Fl\u00fcgel komplett auseinandernehmen, weil er etwas St\u00f6rendes h\u00f6rte. Wenn niemand etwas fand, reiste er einfach ab. Konzert geplatzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1271\" aria-describedby=\"caption-attachment-1271\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1271\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-401-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-401-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-401-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-401-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-401-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-401.png 1554w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1271\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot aus Doku \u201eBloody Daughter\u201c. Die beruhigende Zigarette.)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Martha Argerichs Tochter St\u00e9phanie drehte 2012 den Dokumentarfilm \u201eBloody Daughter\u201c \u00fcber ihre Beziehung zur Mutter. Darin eine beklemmende Szene, wie Martha Argerich in der Garderobe immer unsicherer und nerv\u00f6ser, \u00fcbellauniger wird. Der Weg \u00fcber die Hinterb\u00fchne zum B\u00fchneneingang nur wenige Meter, die ihr mit jedem Schritt zur Qual. Dabei murmelt sie jeden b\u00f6se an, der leichtfertig des Weges. Eine ver\u00e4ngstigte Mitarbeiterin des Hauses legt ihr sanft die Hand auf den R\u00fccken, um ein Weglaufen zu verhindern. Argerich schimpft derweil \u00fcber sich selbst, sie k\u00f6nne nicht spielen, h\u00e4tte wohl Fieber und \u00fcberhaupt sei sie nicht gut genug f\u00fcr einen Klavierabend. Dann T\u00fcr auf und Argerich raus, die ber\u00fchmte Verbeugung vor dem Publikum. Die Haare treffen nicht mehr ganz den Boden, die Frau z\u00e4hlt da bereits 71 Jahre. Der Begr\u00fc\u00dfungsapplaus wird eher als st\u00f6rend empfunden, schnell auf den Klavierhocker und los. Die ersten Takte schon absolut makellos, ihr Friede kehrt ein und es wird nat\u00fcrlich wieder meisterhaft. Wer etwas \u00fcber Lampenfieber lernen m\u00f6chte, der sollte in den Film schauen. Wer so etwas nicht versteht und als All\u00fcren einer Diva abtut, ist f\u00fcr Kunst wahrscheinlich verloren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1293\" aria-describedby=\"caption-attachment-1293\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1293\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-427-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-427-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-427-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-427-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-427-1536x863.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-427.png 1539w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1293\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot aus Doku \u201eBloody Daughter\u201c. Nervosit\u00e4t setzt ein.)<\/figcaption><\/figure>\n<p>In dem Film gibt es auch eine Szene aus Warschau. Argerich spielt im Konzerthaus Chopins 1. Klavierkonzert. W\u00e4hrend einer Probenpause geht sie aus dem Saal, \u00fcberquert die Stra\u00dfe, erwirbt in irgendeinem Lokal einen Espresso und l\u00e4uft mit der Tasse in der Hand wieder ins Konzerthaus zur\u00fcck. Heute hat jeder mittelm\u00e4\u00dfige K\u00fcnstler l\u00e4ngst Cateringlisten, die er gef\u00e4lligst erf\u00fcllt haben m\u00f6chte, sonst reist er gar nicht an. Manchen muss sogar der Stuhl unter den Hintern geschoben werden. Die letzte lebende Legende der klassischen Musik marschiert derweil allein zur Caf\u00e9-Bar. So viel zum Thema All\u00fcren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1273\" aria-describedby=\"caption-attachment-1273\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1273\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-422-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-422-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-422-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-422-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-422.png 1535w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1273\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot aus Doku \u201eBloody Daughter\u201c. Weltstar ohne Stargehabe.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Unter dem Dach Freundschaft<\/strong><\/p>\n<p>Dem panischen Lampenfieber versuchte Argerich mit vielen Finten zu entfliehen. Nie unterschrieb sie einen Vertrag, nie lie\u00df sie sich binden, so war \u201eFlucht\u201c immer m\u00f6glich. F\u00fcr Veranstalter und Publikum ein Horror. So Martha sich mit einem Orchester und einem Dirigenten auf der B\u00fchne verbinden konnte, lie\u00df sich die Furcht einfangen, die Soloabende zehrten weiter an ihren Nerven. Irgendwann trat sie allein nicht mehr auf. Wenn kein Orchester, dann holte sie sich befreundete Geiger, Cellisten oder andere Pianisten f\u00fcr Duos, Trios, Quartette oder vierh\u00e4ndiges Klavierspiel hinzu. Alle kamen, sobald Martha rief. So ging sie dem Alleinauftritt aus dem Weg.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1275\" aria-describedby=\"caption-attachment-1275\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1275\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-423-1024x575.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"359\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-423-1024x575.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-423-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-423-768x431.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-423.png 1289w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1275\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Konzertmitschnitt. Mozart vierh\u00e4ndig mit Jewgenij Kissin)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zuschreibungen wie Wirbelwind, L\u00f6win oder Tigerin waren bei Martha Argerich an der Tagesordnung. Sie konnte allen Granden der Klavierkunst das Wasser reichen. An guten Tagen machte sie sich Orchester und Publikum zu Untertanen. Wenn sie fr\u00fcher Konzerts\u00e4le betrat, sa\u00dfen im Orchester fast nur graue M\u00e4nner, kaum eine Frau. Sie muss sich allein gef\u00fchlt haben. Heute ist dies anders. Ihr Anteil daran nicht gering. Der Ausklang dieser Laufbahn ist noch nicht in Sicht. Energiegeladen zieht Martha Argerich weiter ihre Kreise \u00fcber die Konzertpodien der Welt. Arthur Rubinstein gab sein letztes Konzert in London im Alter von 89 Jahren. Wackelig und halb blind war sein Klavierspiel immer noch ein Ereignis. Martha Argerich kannte ihn, geh\u00f6rte zum Freundeskreis bis zu dessen Lebensende. <span data-offset-key=\"f5kkv-0-0\">Rubinstein war ih<\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-2\" data-entity-key=\"2\" data-offset-key=\"f5kkv-1-0\"><span data-offset-key=\"f5kkv-1-0\">r C<\/span><\/span><span data-offset-key=\"f5kkv-2-0\">hopin-Spiel zu schnell. Sie antwortete darauf: \u201eIch wei\u00df. Ich kann aber nicht anders.\u201c Er bewunderte sie dennoch uneingeschr\u00e4nkt von gleich zu gleich.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_1279\" aria-describedby=\"caption-attachment-1279\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1279\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-379-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-379-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-379-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-379-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-379-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-379.png 1541w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1279\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Konzertmitschnitt. Argerich bei der Arbeit.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Chapeau der Musikwelt<\/strong><\/p>\n<p>Sehr fr\u00fch schon liefen Orchester und Musiker zu Argerich \u00fcber. Bis zum heutigen Tag hat sich daran nichts ge\u00e4ndert. Kaum beginnt sie, staunten selbst alte Hasen \u00fcber dieses Spiel und verga\u00dfen dar\u00fcber fast den eigenen Einsatz. Wenn Martha Argerich sich auf die B\u00fchne gequ\u00e4lt hatte, war sie auch bereit. Durch die federnde Verbeugung Richtung Publikum in jungen Jahren schlugen ihre pechschwarzen Haare auf den B\u00fchnenboden, dann ans Klavier, Blick zum Dirigenten und los. Nach dem letzten Takt raste das Publikum und waren auch Orchester und sogar Dirigenten aus dem H\u00e4uschen. Nie hat wohl ein K\u00fcnstler mehr Applaus und Anerkennung von Kollegen, Musikern und Dirigenten erhalten als Martha Argerich. Oftmals spielt sie nach einem Orchesterkonzert noch ein, zwei Zugaben. Bachs Rondo und Capriccio aus der Partita Nr. 2 oder Scarlattis Sonate K.141. Man muss dabei nur in die Gesichter der auf der B\u00fchne noch anwesenden Musiker schauen. Verehrung pur. (Wer sich \u00fcbrigens die insgesamt nur 8 Minuten f\u00fcr diese genannten Zugaben aus seiner Lebenszeit nimmt, wird das Genie Argerich erkennen. Wer nicht, dem ist dann auf diesem Gebiet nicht mehr zu helfen.) Ein Kritiker meinte einst, nie zuvor h\u00e4tte jemand mit so fesselnder Kraft Klavier gespielt wie Martha Argerich. Da ist was dran. Ihre m\u00fchelose Technik und Unmittelbarkeit bringt Lebendigkeit in alle St\u00fccke die ihr unter die Finger kommen. Hierf\u00fcr sollte jeder Mensch einmal im Leben Argerich spielen h\u00f6ren, auch sehen. YouTube hilft da bei fehlender Konzertkarte \u00e4u\u00dferst umfangreich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1276\" aria-describedby=\"caption-attachment-1276\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1276\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-353-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-353-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-353-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-353-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-353.png 1512w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1276\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Konzertmitschnitt. Allein mit Bach.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Zeitlos<\/strong><\/p>\n<p>Martha Argerich wurde im Juni 2021 in der Tat 80 Jahre, wobei alt einem dabei nicht \u00fcber die Tastatur geht. Lange schon lebt sie im Pianisten-Olymp ziemlich allein, nur wenige haben noch die F\u00e4higkeit, dort anzuklopfen. Martha hat ihre wahren Mitbewerber allesamt \u00fcberlebt und ist nun seit \u00fcber 60 Jahren Gast auf den Konzertpodien dieser Welt. Dabei wirkt sie v\u00f6llig zeitlos. Die K\u00fcnstlerin mit der L\u00f6wenm\u00e4hne tut nach wie vor, was sie immer tat, sie spielt und spielt und spielt. Komplimente und Ovationen pflastern ihren Weg. Was kann man dieser charismatischen Musikerin und Pianistin f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Kompliment machen als jene Worte, die der legend\u00e4re Geiger und Musikerkollege Itzhak Perlman 2016 f\u00fcr die Ewigkeit sprach: \u201eLiebe Martha, ich bin gl\u00fccklich zu deinen Lebzeiten zu leben, damit ich deine Musikalit\u00e4t erleben kann, deine Brillanz und deine Poesie. Vielen Dank, dass es dich gibt.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_1280\" aria-describedby=\"caption-attachment-1280\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1280\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-350-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-350-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-350-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-350-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-350-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-350.png 1621w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1280\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot Konzertmitschnitt. Verdienter Applaus.)<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Martha Argerich erleben, h\u00f6ren und sehen (Empfehlungen)<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1316\" aria-describedby=\"caption-attachment-1316\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1316\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-369-1-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-369-1-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-369-1-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-369-1-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-369-1-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-369-1.png 1629w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1316\" class=\"wp-caption-text\">(Die H\u00e4nde von Martha Argerich.)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einige Anregungen, die sich allesamt auf YouTube finden lassen. H\u00f6ren und sehen, einfach genie\u00dfen. Vielleicht ja der Beginn einer Argerich-Leidenschaft:<\/p>\n<ul>\n<li>Johann Sebastian Bach: Piano Partita No. 2 (Rondo und Capriccio)<\/li>\n<li>Robert Schumann: Kinderszenen (VII. Tr\u00e4umerei)<\/li>\n<li>Scarlatti: Sonata K 141<\/li>\n<li>Beethoven: Klaviersonate Op. 53 \u201eWaldstein&#8220;<\/li>\n<li>Mozart: Sonate KV 521 f\u00fcr 4 H\u00e4nde (Argerich mit Kissin)<\/li>\n<li>Bach: Konzert f\u00fcr 4 Klaviere BWV 1065 (Argerich, Pletnev, Levine, Kissin)<\/li>\n<li>Rachmaninoff: \u00a0Klavierkonzert Nr. 3 (3. Satz) unter dem Dirigenten Riccardo Chailly<\/li>\n<li>Tchaikovsky: \u00a0Klavierkonzert Nr. 1 (3. Satz) unter dem Dirigenten Charles Dutoit<\/li>\n<li>Robert Schumann: Klavierkonzert unter dem Dirigenten Riccardo Chailly<\/li>\n<li>Beethoven: Klavierkonzert Nr. 1 (3. Satz) unter dem Dirigenten G\u00e1bor Tak\u00e1cs-Nagy<\/li>\n<li>Mozart: Klavierkonzert Nr. 20, K. 466 unter dem Dirigenten Christian Arming<\/li>\n<li>Ravel: Klavierkonzert (2. Satz) unter dem Dirigenten Emmanuel Krivine<\/li>\n<li>Beethoven: Klavierkonzert Nr. 2 (3. Satz) unter dem Dirigenten Claudio Abbado<\/li>\n<\/ul>\n<p><span data-offset-key=\"f3pj3-0-0\"><strong>Highlight:<\/strong> Wie Martha Argerich <\/span><span data-offset-key=\"f3pj3-2-0\">den 3. Satz im 3. Klavierkonzert von Prokofjew und den 3. Satz in Prokofjews Klaviersonate Nr. 7 spielt, sollte man nicht nur <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-4\" data-entity-key=\"4\" data-offset-key=\"f3pj3-3-0\"><span data-offset-key=\"f3pj3-3-0\">h\u00f6ren, sondern<\/span><\/span><span data-offset-key=\"f3pj3-4-0\"> unbedingt auch sehen. Schauen Sie auf die H\u00e4nde! Wie geht das? Staunen in Fassungslosigkeit! Eigentlich m\u00fcsste man vor Verehrung <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-7\" data-entity-key=\"7\" data-offset-key=\"f3pj3-5-0\"><span data-offset-key=\"f3pj3-5-0\">niederknien&#8230;<\/span><\/span><\/p>\n<p>Dokumentarfilm: <strong>\u201eArgerich \u2013 Bloody Daughter\u201c<\/strong> (Regie und Drehbuch: St\u00e9phanie Argerich; Schweiz-Frankreich 2012, 95 Minuten). Einer gro\u00dfen K\u00fcnstlerin mehr als nur \u00fcber die Schulter geschaut und absolut empfehlenswert. Ein gro\u00dfartiges Portr\u00e4t ohne Weihrauch, ehrlich, konsequent und liebevoll.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1288\" aria-describedby=\"caption-attachment-1288\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-1288\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-425-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-425-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-425-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-425-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-425-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/07\/Screenshot-425.png 1552w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1288\" class=\"wp-caption-text\">(Screenshot aus Doku \u201eBloody Daughter\u201c. Weiter unterwegs. Immer, weiter, weiter, weiter&#8230;)<\/figcaption><\/figure>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auf nach Wien Als die 1941 in Buenos Aires geborene Martha Argerich Mitte der f\u00fcnfziger Jahre nach Wien kam, war sie schon ein Versprechen am Klavier. 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