{"id":18945,"date":"2022-10-29T10:00:51","date_gmt":"2022-10-29T08:00:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=18945"},"modified":"2022-11-02T14:42:23","modified_gmt":"2022-11-02T13:42:23","slug":"im-westen-zu-viel-neues","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=18945","title":{"rendered":"Im Westen zu viel Neues"},"content":{"rendered":"<p>Die Netflix-Produktion \u201eIm Westen nichts Neues\u201c ist ein Antikriegsfilm im Hollywood-Format, der versucht, die Seh- und Denkgewohnheiten eines heutigen Publikums zu bedienen. Daran ist nichts verwerflich, jede Zeit und Generation braucht eigene, vielleicht auch neue Bilder. Wer den Roman von Erich Maria Remarque kennt und eine Neuverfilmung erwartet, der ist sicher irritiert, verst\u00f6rt oder nur entt\u00e4uscht. Zu viel Neues kann sich gerade bei einem Meisterwerk ins Gegenteil kehren. Rezensionen und Kritiker in vielen Medien haben dies zu Recht angemerkt, um dann doch ins Vergleichen zu verfallen. Warum aber Vergleiche ziehen, wo die Basis f\u00fcr solche Vergleiche \u00fcberhaupt nicht gegeben? Dennoch verdient der aktuelle Film eine Chance. So Menschen Remarques Roman kennen oder nicht und diesem \u00fcber einen Film n\u00e4her kommen m\u00f6chten, ist nach wie vor die US-Produktion \u201eIm Westen nichts Neues\u201c von 1930 des Regisseurs Lewis Milestone zu empfehlen. Eine stimmige und geniale Verfilmung, die dem Autor und Roman gerecht wird, mit einer dem Buch entlehnten Schlussszene, die zum Eindr\u00fccklichsten geh\u00f6rt, was je verfilmt. <span data-offset-key=\"cn89a-0-0\">Das f\u00fcr die Zeit typische schwarz-wei\u00df Filmmaterial aus den <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-8\" data-entity-key=\"8\" data-offset-key=\"cn89a-1-0\"><span data-offset-key=\"cn89a-1-0\">Drei\u00dfigerjahren verst\u00e4rkt<\/span><\/span><span data-offset-key=\"cn89a-2-0\"> noch die Trostlosigkeit des grauen Front-, Mord- und Gasalltags in den Sch\u00fctzengr\u00e4ben des 1. Weltkrieges. Absolut <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-10\" data-entity-key=\"10\" data-offset-key=\"cn89a-3-0\"><span data-offset-key=\"cn89a-3-0\">empfehlenswert<\/span><\/span><span data-offset-key=\"cn89a-4-0\">. Herausragend der Hauptdarsteller Lew Ayres als Gymnasiast und Soldat Paul B\u00e4umer. Ein zeitloses Meisterwerk von Bestand und f\u00fcr unsere Gegenwart bestens geeignet.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_18962\" aria-describedby=\"caption-attachment-18962\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18962\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/iwesten-e1667131550999.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/iwesten-e1667131550999.png 640w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/iwesten-e1667131550999-300x169.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18962\" class=\"wp-caption-text\">Die graue Masse tritt an zum sinnlosen Verrecken. (Screenshot: \u201eIm Westen nichts Neues\u201c, USA, 1930)<\/figcaption><\/figure>\n<p><span data-offset-key=\"cn89a-1-0\">Wohl kein Meisterwerk f\u00fcr die Ewigkeit, obwohl f\u00fcr den Oscar nominiert, aber dennoch ebenfalls empfehlenswert gerade f\u00fcr unsere Zeit auch die aktuell laufende Netflix-Produktion unter dem Titel \u201eIm Westen nichts Neues\u201c. Der Titel des Films t\u00e4uscht etwas vor, was er dann nicht liefert, das gilt auch f\u00fcr die Namen der Protagonisten, die dem Roman von Remarque entstammen. Filmtitel und Rollennamen machen noch keine Remarque-Verfilmung. Machen wir uns nichts vor, der Name Remarque und der seinem Roman entnommene Filmtitel sind nat\u00fcrlich aus heutzutage so oft im Fokus stehender Marketingsicht das richtige Vorgehen. F\u00fcr Aufmerksamkeit und Werbung wird dadurch bestens gesorgt. Wie man an den Medienreaktionen erleben kann, ist dieses Vorgehen aufgegangen. Mag sich mancher dabei auch eher wie mit einer Mogelpackung f\u00fchlen, wenn er den Roman im Kopf hat oder diesen ann\u00e4hernd erwartet und das Ergebnis dann sieht. Dennoch sollte bitte niemand den ersten Stein werfen. Der Film ist f\u00fcr sich genommen eine Anklage gegen den Irrsinn des Krieges. Das allein spricht schon f\u00fcr ihn. Falsches Etikett hin oder her. Auch cineastische Feinheiten und Beurteilungsma\u00dfst\u00e4be k\u00f6nnen dabei ruhig einmal au\u00dfer Acht gelassen werden. Manchmal gibt es, zumal in Fragen von Krieg und Frieden wie Leben und Tod, eben andere Ma\u00dfst\u00e4be. Sogar in der Welt von Leinwand und Bildschirm.<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_18969\" aria-describedby=\"caption-attachment-18969\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-18969\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/schlacht-e1667132938770.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/schlacht-e1667132938770.png 640w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/10\/schlacht-e1667132938770-300x169.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-18969\" class=\"wp-caption-text\">Das Elend der Schlachtfelder. (Screenshot: \u201eIm Westen nichts Neues\u201c, Netflix, 2022)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dieser Film von Regisseur Edward Berger ist ein ordentlicher Streifen, der nichts verbr\u00e4mt oder verkl\u00e4rt, uns vor Augen f\u00fchrt, was Krieg ganz konkret f\u00fcr jene bedeutet, die in dessen Schlachten ziehen m\u00fcssen. Dreck, Elend, Verderben und Tod. Nichts anderes. Denkt man dar\u00fcber nach, kommt man schnell zur Klarheit. Jene, die Kriege ausbaden m\u00fcssen, sind zu allen Zeiten Kanonenfutter f\u00fcr Interessen, die sie oftmals nicht einmal kennen. H\u00fcben wie dr\u00fcben liegen meistens in einfacher Soldatenuniform nicht Feinde, sondern auch nur V\u00e4ter, S\u00f6hne, Br\u00fcder, M\u00e4nner, sogar Kinder und l\u00e4ngst in der Neuzeit auch Frauen, die gemeinsam zu einer anonymen Masse degradiert wurden. Allesamt von Menschen befehligt und in solche Konflikte getrieben, welche weit ab der Front die gro\u00dfe Geste und das heuchlerische Wort pflegen und in Parolen pathetisch unters Volk bringen. Wenn Bergers Film nur das Nachdenken der Menschen \u00fcber Krieg und dessen Ursachen sch\u00e4rft, die Gr\u00e4uel des T\u00f6tens vor Augen f\u00fchrt, ist er schon ein Gewinn. Als solcher darf, sollte und kann er gesehen werden.<\/p>\n<p>Das Schlusswort hierzu geht an den Schriftsteller und Pazifisten Erich Maria Remarque, welcher auf GERADEZU regelm\u00e4\u00dfig und aus \u00dcberzeugung wie \u00dcbereinstimmung zitiert wird, weil man seine Aussage gar nicht oft genug wiederholen kann:<\/p>\n<blockquote><p>Dass man gegen den Krieg ist, fand ich ganz selbstverst\u00e4ndlich. Dazu braucht man gar kein Programm. Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg. Bis ich herausfand, dass es welche gibt, die daf\u00fcr sind. Besonders die, die nicht hineingehen m\u00fcssen.<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>*Titelbild: Screenshot aus \u201eIm Westen nichts Neues\u201c, Netflix, 2022.<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Netflix-Produktion \u201eIm Westen nichts Neues\u201c ist ein Antikriegsfilm im Hollywood-Format, der versucht, die Seh- und Denkgewohnheiten eines heutigen Publikums zu bedienen. 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