{"id":2436,"date":"2021-09-05T10:08:38","date_gmt":"2021-09-05T08:08:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=2436"},"modified":"2021-09-08T18:39:06","modified_gmt":"2021-09-08T16:39:06","slug":"frauenpower","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=2436","title":{"rendered":"Frauenpower"},"content":{"rendered":"<p>Schaut man sich das m\u00e4nnliche Personal der deutschen Politikblase an, bricht nicht gerade Grundvertrauen aus. Man muss dagegen attestieren, es sind Frauen, die auf dem politischen Parkett eine kluge und umsichtige Rolle spielen. Die politischen Gesch\u00e4fte im Guten wie im Schlechten verstehen und beherrschen diese Damen wesentlich besser als die meisten Herren der Politikzunft. Frauen betreiben Politik ohne das dr\u00f6hnende Get\u00f6se ihrer m\u00e4nnlichen Kollegen. Beispiel daf\u00fcr Angela Merkel, die nie die Gro\u00dfmannssucht eines Gerhard Schr\u00f6der an den Tag legte oder gar mit dem Mantel der Geschichte hantierte, wie es ihr einstiger Ziehvater Helmut Kohl in seiner Ma\u00dflosigkeit so gerne tat. Wo es um Durchsetzungsverm\u00f6gen geht, steht die aktuelle Kanzlerin ihren beiden Vorg\u00e4ngern allerdings in nichts nach. Nur hat Merkel eben alles mit weniger Theaterdonner \u00fcber ihre B\u00fchne gebracht. Die an ihrem H\u00e4rtegrad zerschellten Zwerge und M\u00f6chtegernriesen f\u00fcllen B\u00fccher, einer landete im Alter von 65 Jahren im Zukunftsteam von Armin Laschet. Auch die rheinland-pf\u00e4lzische Ministerpr\u00e4sidentin Malu Dreyer, v\u00f6llig anders gestrickt als Merkel, betreibt Politik mit einer wohltuenden Sachlichkeit und sogar mit Stil und Niveau, der vielen ihrer Ministerpr\u00e4sidentenkollegen in Deutschland v\u00f6llig abgeht. Von Merkel und Dreyer hat sich offenbar Manuela Schwesig, die Ministerpr\u00e4sidentin von Mecklenburg-Vorpommern, eine Menge angenommen und mit Erfolg umgesetzt. Unangefochten \u201eherrschen\u201c diese Frauen unaufgeregt in ihrem jeweiligen Verantwortungs- und Machtbereich. Merkel genie\u00dft zum Ende ihrer \u00c4ra die h\u00f6chsten Zustimmungswerte aller aktiven Politiker in Deutschland, schl\u00e4gt damit im direkten Vergleich die m\u00f6glichen und unm\u00f6glichen Nachfolgekandidaten deutlich.<\/p>\n<p>Wo Licht ist, ist auch Schatten. Goethes Diktum gilt auch f\u00fcr Frauen in der Politik. Warum sollte es diesen ausgerechnet dort besser ergehen als M\u00e4nnern? Deshalb ein Blick auf politische Damen, die f\u00fcr k\u00fcnftige Aussichten weniger Erbauung verhei\u00dfen. An Merkel, Dreyer und Schwesig haben diese sich jedenfalls ganz offenkundig nicht orientiert. Annalena Baerbock ist dabei in einer Art Zwischenwelt. Sie und die Gr\u00fcnen m\u00fcssen bis zum Tag nach der Bundestagswahl mit der Tatsache leben, dass in dem Fall ein besseres Alternativangebot verf\u00fcgbar war. Der Co-Vorsitzende der Gr\u00fcnen, Robert Habeck, w\u00e4re f\u00fcr das Endergebnis die kl\u00fcgere Wahl gewesen. Nicht weil er ein Kerl, sondern weil er Wahlkampf offensichtlich professionell und locker gleicherma\u00dfen kann, dabei inhaltlich sattelfest wirkt und in der direkten Auseinandersetzung gegen\u00fcber Mitbewerbern Wirkungstreffer erzielt und sich durchzusetzen wei\u00df. Da liegt, mit Verlaub, Annalena Baerbock hinter ihm. Wegen des Status Frau und einer dazugeh\u00f6rigen Medienkampagne innerparteilich zu siegen entspricht dem Lauf der Zeit, ist f\u00fcr den Nahkampf und Schmutz des Wahlkampfes in diesem Fall zu wenig. Der klassische Pyrrhussieg. Zumal, wenn man noch pers\u00f6nliche Angriffsfl\u00e4chen mitbringt, denen man im Vorfeld zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und bei Aufdeckung dieser noch eine grottenschlechte Verteidigung an den Tag legt. Geschenkt. Die Kandidatin ist nun im Rennen und noch immer ist anzunehmen, die Gr\u00fcnen und Annalena Baerbock werden das beste Ergebnis einholen, welches diese Partei bei einer Bundestagswahl je erzielte. Dennoch war da wohl mehr drin. Vielleicht rettet am Ende die Entscheidung der Gr\u00fcnen f\u00fcr Baerbock und gegen Habeck der Union das Kanzleramt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2439\" aria-describedby=\"caption-attachment-2439\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2439\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Screenshot-607-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Screenshot-607-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Screenshot-607-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Screenshot-607-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Screenshot-607-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/Screenshot-607.png 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2439\" class=\"wp-caption-text\">Schaden zu h\u00e4ufige Talkshowbesuche der Urteilskraft? (Screenshot ZDF\/Lanz-Talk)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Sarah Wagenknecht kann Marx, Hegel, Goethe auswendig, hat das Kapital auch wirklich gelesen und in weiten Teilen offensichtlich begriffen. So etwas n\u00f6tigt Respekt ab, der ihr oft bezeugt, wie auch kritischer Geist und klare Analysen dieser Politikerin oftmals zur Ehre gereichten, was ihr auch bei GERADEZU schon positiv angerechnet wurde. Glanzvoll erscheint sie vor allem im Vergleich mit zwergigen Sektierern ihrer eigenen Partei und am Pult des Deutschen Bundestages. Mittlerweile redet und talkt sie allerdings Impfgegnern mit leichter Hand zu Munde. \u00d6ffentlich gibt sie S\u00e4tze wie eine Querdenkerin ab und twittert den Begriff \u201eBlockwart\u201c in einem Zusammenhang, den sie lieber vermeiden sollte, weil historisch t\u00f6richt, falsch und gef\u00e4hrlich. Da ist sie dann sprachlich knietief in dem journalistischen Abgrund, dem ihr Gatte als Kolumnist auch diente. So etwas k\u00f6nnte also bei Sarah Wagenknecht ebenfalls von Kolumnen kommen, die sie dienend im rechten politischen Spektrum zum Besten gibt. Traurig. Schade um das vergeudete Potenzial dieser Vollblutpolitikerin, deren Intelligenz offenbar zum Selbstschutz vor eigenen Torheiten nicht f\u00e4hig.<\/p>\n<p>Mit Intelligenz haben die \u00c4u\u00dferungen von Dorothee B\u00e4r, der seit 2018 amtierenden Digital-Beauftragten im Kanzleramt, selten zu tun. Aber enorm viel mit Selbstschutz und Ablenkung. Bei Amtsantritt fabulierte diese \u00fcber ein \u201eLufttaxi\u201c und lieferte dann vor allem hei\u00dfe Luft. Im Ergebnis jener Arbeit hat Deutschland ein blamables und in vielen Bereichen nicht funktionierendes Funknetz. Wer je zwischen Mecklenburg und Th\u00fcringen ein Handygespr\u00e4ch f\u00fchrte, der wei\u00df, was gemeint. Dennoch ist Dorothee B\u00e4r jetzt im Zukunftsteam von Armin Laschet gelandet. Warum wei\u00df kein Mensch. Aber sie bleibt auf \u201eLufttaxi-Niveau\u201c und posaunte den Medien entgegen: \u201eWir wollen dem Staat ein Update verpassen\u201c und \u201eeinen digitalen Turbo z\u00fcnden\u201c. Jene Turbo-Z\u00fcnderin, die Armin Laschet da an seine Seite holte, verk\u00fcndete unl\u00e4ngst in einer Talkshow noch, sie w\u00fcrde diesen Laschet in ihrem Wahlkreis nicht plakatieren. Tolles Team. Manche Zukunft wird eben auf Sand gebaut. Als der Publizist Roger Willemsen 2014 den Deutschen Bundestag beobachtete und die dabei gewonnenen Einblicke in Buchform (\u201eDas hohe Haus\u201c) ver\u00f6ffentlichte, entstand auch eine bemerkenswerte\u00a0 Charakterzeichnung von Dorothee B\u00e4r, die hier noch einmal in Erinnerung gerufen werden soll: <em>\u201eIch habe in anderen Reden geh\u00f6rt, wie diese Rednerin als \u201abegabt\u2018 bezeichnet wurde. Was ich sehe, ist eine junge Frau mit Verw\u00f6hnungsschaden und faszinierender Attit\u00fcde, forsch bis zur Herablassung, substanzschwach, daf\u00fcr selbstverliebt und mit einer strohfeuerartigen W\u00e4rme, die sie in jedem Beitrag irgendjemanden danken l\u00e4sst. (&#8230;) Dieser Typus ist neu: Die ganze Aufmerksamkeit der Rednerin ist auf Vermittlung gerichtet und diese entsprechend effekthascherisch.\u201c<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_2452\" aria-describedby=\"caption-attachment-2452\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-2452\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/das-hohe-haus-089119600-658x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"996\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/das-hohe-haus-089119600-658x1024.jpg 658w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/das-hohe-haus-089119600-193x300.jpg 193w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/das-hohe-haus-089119600-768x1195.jpg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/das-hohe-haus-089119600.jpg 811w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2452\" class=\"wp-caption-text\">Zeitlos. Erhellende und empfehlenswerte Lekt\u00fcre vor Wahlentscheidungen (ISBN: \u200e978-3100921093)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Berlin darf nat\u00fcrlich nicht fehlen. Hier baut jemand nicht auf Sand, sondern eher auf Immobilienbesitzer, Vermieter, die Oberschicht mit SUV und eine FDP\/CDU-Klientel. Die Rede ist von der SPD-B\u00fcrgermeisterkandidatin, der zur\u00fcckgetretenen Bundesministerin Franziska Giffey. Diese kam unlauter zu einem Doktortitel, hat dabei dumm und dilettantisch abgeschrieben und will nun Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr die Hauptstadt setzen. Ihre Chancen stehen daf\u00fcr sogar recht gut. Interessanterweise ist Giffey jetzt politisch auf einem Kurs, der nicht mehr viel mit der SPD zu tun, eher dem reaktion\u00e4ren und neoliberalen Geschreibsel der Bl\u00e4tter entspricht, die ihr wegen der zusammengezimmerten Doktorarbeit besonders inquisitorisch nachsetzten. Seit Giffey deren Parolen und Ansichten hell durchschimmern l\u00e4sst, hat sie an dieser Front pl\u00f6tzlich Ruhe. In Berlin sind Blendwerk und Mogelei seit den Achtzigerjahren Teil des Lebens und der Politik. Insofern w\u00e4re Frau Giffey eine optimale B\u00fcrgermeisterin f\u00fcr alles, was an und in dieser Stadt verkorkst, und das ist, wie man t\u00e4glich erleben und besichtigen kann, eine ganze Menge. Na dann Prost.<\/p>\n<p>Trotz solcher Ausschl\u00e4ge sieht es f\u00fcr die Zukunft bei den Frauen weiterhin besser aus als bei den M\u00e4nnern. Luisa Neubauer, Fridays for Future Aktivistin und Gr\u00fcne macht in ihren Auftritten einen sachkundigen wie engagierten Eindruck, k\u00f6nnte durchaus einen neuen Politiktypus darstellen, der auch W\u00e4hler anzieht. Im Kontrast dazu der Vorsitzende der Jungen Union, Tilman Kuban. R\u00fcckw\u00e4rtsgewandt im peinlichen Hemd billiger Parolen und reaktion\u00e4rer Floskeln einer 50er-Jahre-Denkweise, schwadroniert er im aktuellen Wahlkampf \u00fcber \u201eBrandstifter\u201c, womit er Teile der SPD und die Linken meint und zeigt, wes Geistes Kind er ist. Gestalten, die sich wie politische Rotzl\u00f6ffel geb\u00e4ren, dabei ihre Wortwahl nicht mehr im Griff haben, sind eine be\u00e4ngstigende Zeiterscheinung, die uns allesamt mit Sorge erf\u00fcllen sollte, egal welchem politischen Lager man sich zurechnet. Mit solcher Armseligkeit wird eine Luisa Neubauer dann wohl wenig Schwierigkeiten haben, so man sich auf dem politischen Parkett begegnet. Dann steht es auch im neuen Spiel wieder 1:0 f\u00fcr die Frauen.<\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: 10pt;\">*Titelbild: Angela Merkel (Zeichnung von dianakuehn30010 auf Pixabay)<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schaut man sich das m\u00e4nnliche Personal der deutschen Politikblase an, bricht nicht gerade Grundvertrauen aus. 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