{"id":2676,"date":"2021-09-12T23:33:14","date_gmt":"2021-09-12T21:33:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=2676"},"modified":"2021-09-15T08:33:43","modified_gmt":"2021-09-15T06:33:43","slug":"verschenkter-abend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=2676","title":{"rendered":"Verschenkter Abend"},"content":{"rendered":"<p>Wie tief die Sonne des TV-Journalismus steht, war an den beiden Triell-Moderatoren Oliver K\u00f6hr und Maybrit Illner trefflich abzulesen. Beide hatten vorher \u00dcberraschungsmomente f\u00fcr den Abend angek\u00fcndigt. Dies gelang ihnen gl\u00e4nzend, weil sie sich \u00f6fter gegenseitig ins Wort fielen als die drei Herrschaften mit Kanzlerambitionen. So fand das eigentliche Duell irgendwie zwischen den Moderatoren von ARD und ZDF statt. Besonders nervig dieses \u201ePrima\u201c der Moderatorin Illner und ihr sich selbst \u00fcbersch\u00e4tzendes \u00dcberlegenheitslachen, welches man aus ihrem Talkformat kennt. Au\u00dferdem wirkten die Moderatoren v\u00f6llig unvorbereitet, was auch eine Leistung. Ein Armutszeugnis f\u00fcr den \u00f6ffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der Boulevard- und Privatsender RTL hat dieses Format beim ersten Anlauf zumindest von der Moderation seri\u00f6ser und besser \u00fcber die B\u00fchne gebracht. Das etwas blutleere Politikangebot des Abends wurde jedenfalls \u00fcber die gesamte Sendezeit von einem peinlichen Politikjournalismus der Marke K\u00f6hr\/Illner begleitet. Wobei Herr K\u00f6hr in Teilen sogar etwas aufgeregt wirkte. Der Mann ist \u00fcbrigens ARD-Chefredakteur.<\/p>\n<p>Im Angesicht der Weltlage und globaler Krisen wurde im Anfang von der Moderation angesto\u00dfen, \u00fcber Koalitionsmodelle, eine Nebenbeh\u00f6rde, Hans-Georg Maa\u00dfen und Boris Palmer geredet. Echte Sachthemen fielen nicht auf oder den Moderatoren ein. Ideen f\u00fcr die Zukunft, Themen von Interesse f\u00fcr die Menschen in diesem Land Fehlanzeige. Es dauerte 45 Minuten, bis die existenzielle Klimakrise es in die Sendung schaffte. Da sch\u00fcttelten sicher viele Zuschauer l\u00e4ngst den Kopf. Hier w\u00fcnschte man sich den pfiffigen Kinderreporter des ZDF statt dieses Duos, der unl\u00e4ngst mit einer Frage die dumpfe Deutscht\u00fcmelei des AfD-Parteivorsitzenden Chrupalla witzig blo\u00dfstellte. Jener Herr Chrupalla zog die Fahne f\u00fcr deutsches Lied- und Gedichtgut an Schulen hoch, kannte auf Nachfrage eines Kindes allerdings kein deutsches Gedicht. Der AfD Vorturner kennt kein Gedicht, die Moderatoren des Triell kein Ma\u00df. Sobald es n\u00e4mlich mal interessant wurde, wechselten sie sofort das Thema. H\u00e4tte nicht solch ein Format die Pflicht, den Zuschauern einen Begriff von der Dramatik der Klimakrise zu vermitteln und die Antworten der Politiker darauf einzutreiben? Nichts davon. Dagegen lustige Einlagen. Kein heutiges TV ohne Spa\u00dffaktor, den Titel f\u00fcr die lustigste Einlassung teilen sich Herr Laschet und Frau Illner. Maybrit Illner stellte fest \u201ewir sind immer noch bei den Lehren aus Corona\u201c, als gerade \u00fcber die Digitalisierung geredet wurde und Armin Laschet erz\u00e4hlte etwas von \u201eEntfesselungspaketen\u201c der CDU und FDP, als w\u00e4re er der neue Houdini. Was er meinte, ging in seinem Gerede unter.<\/p>\n<p>Das TV Duo Illner\/K\u00f6hr tat einiges f\u00fcr Armin Laschet. W\u00e4hrend man Annalena Baerbock nicht gestattete, das Thema Klima weiter auszuf\u00fchren, konnte der CDU Vorsitzende seine Attacken beliebig auff\u00e4llig verl\u00e4ngern. Stellte Baerbock Fragen, hie\u00df es vonseiten der Moderation \u201ewir machen weiter mit dem n\u00e4chsten Thema\u201c. Somit wurde auch jedwede Interaktion zwischen den drei Kanzleraspiranten im Keim erstickt. Wieder ein \u201ejournalistisches Meisterwerk\u201c. Ein echtes Meisterwerk lief zeitgleich auf Arte, der franz\u00f6sische Gangsterfilm \u201eVier im roten Kreis\u201c aus dem Jahr 1970 mit Yves Montand und Alain Delon unter der Regie von Jean-Pierre Melville. Ihn ausgelassen zu haben, stellte sich als Fehler heraus.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Moderatoren des Triell abschlie\u00dfend ein Gedicht von Wilhelm Busch:<\/p>\n<p><em>Wenn einer, der mit M\u00fche kaum<\/em><br \/>\n<em>Geklettert ist auf einen Baum,<\/em><br \/>\n<em>Schon meint, da\u00df er ein Vogel w\u00e4r,<\/em><br \/>\n<em>So irrt sich der.<\/em><\/p>\n<p>(Nat\u00fcrlich auch geeignet f\u00fcr Tino Chrupalla, falls Kinder ihn mal wieder nach einem Gedicht fragen.)<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>*Titelbild: Markus Winkler auf Pixabay<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie tief die Sonne des TV-Journalismus steht, war an den beiden Triell-Moderatoren Oliver K\u00f6hr und Maybrit Illner trefflich abzulesen. 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