{"id":4380,"date":"2021-11-19T14:38:30","date_gmt":"2021-11-19T13:38:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=4380"},"modified":"2021-11-21T03:05:12","modified_gmt":"2021-11-21T02:05:12","slug":"die-unverfrorenen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=4380","title":{"rendered":"Die Unverfrorenen"},"content":{"rendered":"<p><span data-offset-key=\"3qeui-0-0\">Worum es im Profifu\u00dfball <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-2\" data-entity-key=\"2\" data-offset-key=\"3qeui-1-0\"><span data-offset-key=\"3qeui-1-0\">geht, ist<\/span><\/span><span data-offset-key=\"3qeui-2-0\"> l\u00e4ngst offenkundig. Allerdings k\u00f6nnte das Titelbild einen falschen Eindruck vermitteln. Zeigt es doch eher die finanziellen M\u00f6glichkeiten derer, die ins Stadion gehen, Streaming-Dienste buchen oder vor den TV-Ger\u00e4ten f\u00fcr ihren Verein leben und ihr letztes Hemd geben, damit Fu\u00dfballvereine reich bleiben und kurzbehoste Million\u00e4re keine finanziellen Einbr\u00fcche erleiden. W\u00fcrde man ein Titelbild an diesen Fu\u00dfballmillion\u00e4ren orientieren, w\u00e4ren die Scheine von gr\u00f6\u00dferem Wert und gestapelt. Profifu\u00dfball zum Zwecke des Gelderwerbs ist mittlerweile eine Milliardenindustrie mit knallharten Wirtschaftsinteressen, die den Sport nur noch als Vehikel und die Fans als Alibi ben\u00f6tigt. Nat\u00fcrlich keine neue Erkenntnis. <\/span>Es ist unn\u00f6tig dagegen anzuschreiben, weil der Fu\u00dfball in seiner Brot und Spiele Profiversion akzeptierter Bestandteil der Gesellschaft. So weit, so gut. Doch in Pandemiezeiten ist eben nichts gut und manches nicht weit, sondern sehr nah. Nah ist, was der RKI-Chef Lothar Wieler warnend ins Land sprach: <em>\u201eEs herrscht eine Notlage in unserem Land. Wer das nicht sieht, der macht einen sehr gro\u00dfen Fehler. Wir werden wirklich ein sehr schlimmes Weihnachtsfest haben, wenn wir jetzt nicht gegensteuern.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Doch der Profifu\u00dfball nimmt f\u00fcr sich in Anspruch, auch an diesem Wochenende den Ligabetrieb vor Publikum in vollen Stadien auszutragen. Ohne R\u00fccksicht auf eine grassierende und gerade aus dem Ruder laufende Pandemie erlaubt man sich eine merkw\u00fcrdige Auslegung von Freiheit, die eher ein unversch\u00e4mtes Sonderrecht. Gern bringen Fu\u00dfballfunktion\u00e4re dann die M\u00e4r von der gesellschaftlichen Relevanz des Fu\u00dfballs unter die Leute, was in ihren K\u00f6pfen und Brieftaschen sowieso nur Profifu\u00dfball. Krankenschwestern, Notfallmediziner, \u00c4rzte und jeder Mitarbeiter eines Impfzentrums ist relevant f\u00fcr die Gesellschaft. Fu\u00dfballspieler dienen der Unterhaltung und dem puren Gelderwerb m\u00e4chtiger Unternehmungen. Gesellschaftlich relevant sind sie nicht. Laufen sie nicht auf, dreht sich die Welt weiter, werden Mediziner an ihrer Jobaus\u00fcbung gehindert, sterben Menschen. Man sollte diesen schamlosen Wichtigtuern des Fu\u00dfballs endlich einmal die Rote Karte der Gesellschaft zeigen und sie dahin zwingen, sich an Normen zu halten, die f\u00fcr andere B\u00fcrger auch gelten. Es gibt ungeschriebene Gesetze, zu denen geh\u00f6ren Vernunft, R\u00fccksichtnahme, Anstand und Solidarit\u00e4t. In der aktuellen Lage gute Eckpfeiler, um gemeinsam durch eine schwere Zeit zu kommen. N\u00f6tig daf\u00fcr Empathie. Was tun aber Liga-, Verbands- und Fu\u00dfballfunktion\u00e4re? Woche um Woche erscheint einer von ihnen, um uns wortreich die Notwendigkeit von Spielen und Ligabetrieb inklusive Fu\u00dfball vor Zuschauern unterzujubeln. An diesem Wochenende erscheint Thomas Hitzlsperger, ehemals Spieler und dann Fu\u00dfball-Funktion\u00e4r beim Bundesligisten VfB Stuttgart: Im Fu\u00dfballblatt \u201eKicker\u201c hei\u00dft es \u201eHitzlsperger warnt\u201c, da denkt man schon an Vernunft. Der gute Mann k\u00f6nnte ja vor Corona warnen und vor dem Nichtimpfen. Weit gefehlt, man soll den \u201eKicker\u201c nicht \u00fcbersch\u00e4tzen. Was Hitzlsperger sagt, ist von anderer \u201eQualit\u00e4t\u201c und gipfelt in Folgendem: <em>&#8222;Die Impfkampagne w\u00fcrde konterkariert, wenn Geimpfte und Genesene nicht ins Stadion d\u00fcrfen. Die neuerliche pauschale Reduzierung von Stadionkapazit\u00e4ten w\u00fcrde unsere wirtschaftliche Situation existenziell versch\u00e4rfen und w\u00e4re auch in Bezug auf die Pandemiebek\u00e4mpfung der falsche Weg&#8220;.<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_4385\" aria-describedby=\"caption-attachment-4385\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-4385\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Christian-Dorn-auf-Pixabay.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"574\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Christian-Dorn-auf-Pixabay.png 640w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Christian-Dorn-auf-Pixabay-300x269.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-4385\" class=\"wp-caption-text\">Sonderstellung und Unverfrorenheit des Profifu\u00dfballs basieren auf dem gro\u00dfen Geld. (Collage: Christian Dorn auf Pixabay)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Hitzlsperger ist offenbar im Nebenberuf Virologe, offenbart sich darin allerdings als Einfaltspinsel, um das Wort Dummkopf zu vermeiden. Anders l\u00e4sst sich <em>\u201eImpfkampagne konterkariert\u201c<\/em> und <em>\u201ein Bezug auf die Pandemiebek\u00e4mpfung der falsche Weg\u201c<\/em> nicht erkl\u00e4ren. Dann noch \u00fcber wirtschaftliche N\u00f6te jammern ist eine zus\u00e4tzliche Frechheit. Jenes Gewerbe schmei\u00dft seit Jahrzehnten unverbl\u00fcmt und \u00f6ffentlich mit Geld umher, zahlt \u00fcberh\u00f6hte Traumgeh\u00e4lter f\u00fcr jeden Balltreter, der sich finden l\u00e4sst. Der Transfermarkt ist ebenfalls ein Roulette des ganz gro\u00dfen Geldes. Aus diesem Universum jammert uns nun einer noch etwas vor. Erb\u00e4rmlich. Ein Sportlerherz muss aktuell f\u00fcr Kinder- und Jugendfu\u00dfball und viele engagierte Amateurvereine und deren Ehrenamtliche bluten. F\u00fcr den Profifu\u00dfball kann man dagegen nur noch Verachtung empfinden. Erlebt man den deutschen Profifu\u00dfball in seiner Selbstsucht, wird einem spei\u00fcbel. Es geht auch anders. Bei unseren niederl\u00e4ndischen Nachbarn waltet im Fu\u00dfball mehr Intelligenz und Gesp\u00fcr f\u00fcr die Situation, es gibt seit einigen Tagen wieder Spiele ohne Zuschauer. Alle ziehen dabei dem Ernst der Lage geschuldet angemessen und klaglos mit. In Deutschland r\u00fcstet man von solchen \u00dcberlegungen befreit auch in der Hauptstadt zum Fu\u00dfballspieltag vor Publikum. Das Ortsderby Union Berlin gegen Hertha steht ins Haus. Maske am Platz, kein Suff und 2G sollen das pure Vergn\u00fcgen bringen. Dazugeh\u00f6rig die obligaten wie gebetsm\u00fchlenartigen Appelle beider Klubs an die Fans, sich vorher unbedingt testen zu lassen. Wie Vernunft-Appelle bei Fu\u00dfballfans fruchten, wei\u00df jeder, der schon in einem Fu\u00dfballstadion ein Spiel verfolgte. Die rasant steigende Zahl von Neuinfektionen sollte doch ruckartig auch alle Fu\u00dfballverantwortlichen und Spieler hierzulande aufr\u00fctteln. Fehlanzeige. Volles Risiko und koste es das Leben. Zum Zwecke des Gelderwerbs l\u00e4sst sich vieles biegen und ausblenden. So geht es zu im deutschen Profifu\u00dfball.<\/p>\n<p>Der Deutschlandfunk benannte das Problem der Sonderstellung des Profifu\u00dfballs in der Pandemie sehr treffend schon im Februar 2021: <em>\u201eEs zeigt sich also einmal mehr. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr den Profifu\u00dfball geht nicht von den Fans, sondern von den Funktion\u00e4ren aus. Und es zeigt sich, dass es endlich mehr Politikerinnen und Politiker braucht, die sich trauen, deren Forderungen zu widersprechen. Und es braucht eine \u00d6ffentlichkeit, die sagt: Diesen Wahnsinn machen wir nicht mehr mit. Das schauen wir uns nicht mehr an.\u201c<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>*Titelbild: Dirk Schulz auf Pixabay<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Worum es im Profifu\u00dfball geht, ist l\u00e4ngst offenkundig. Allerdings k\u00f6nnte das Titelbild einen falschen Eindruck vermitteln. 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