{"id":5472,"date":"2021-12-27T16:10:58","date_gmt":"2021-12-27T15:10:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=5472"},"modified":"2021-12-30T00:26:16","modified_gmt":"2021-12-29T23:26:16","slug":"zeiten-sind-das","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=5472","title":{"rendered":"Zeiten sind das"},"content":{"rendered":"<p>Unser Bundespr\u00e4sident meint es in seinen Reden offensichtlich gut und ehrlich. Anderes soll ihm nicht unterstellt werden. <em>\u201eWir m\u00fcssen uns auch nach der Pandemie noch in die Augen schauen k\u00f6nnen. Und wir wollen auch nach der Pandemie noch miteinander leben.&#8220;<\/em> So sagte er die Tage in seiner Weihnachtsansprache 2021. In letzter Zeit ist verst\u00e4rkt die Rede vom sozialen Miteinander, beileibe nicht nur beim Bundespr\u00e4sidenten. Das viel beschworene Miteinander wird fast schon romantisiert. Dabei gab es dieses Miteinander schon vor der Pandemie nicht. Man denke nur an den tiefen Graben zwischen Arm und Reich, um nur den zentralen Kernkonflikt zu nennen. Au\u00dferdem, so man ehrlich zu sich selbst, kennt doch jeder von uns Menschen, mit denen man nichts zu tun haben wollte und will. Gr\u00fcnde daf\u00fcr gab und gibt es immer. Manchmal sogar zuhauf. Ob nun politisch, weltanschaulich, religi\u00f6s, kulturell oder weil die Chemie eben nicht stimmt. F\u00fcr gegenseitige Abneigungen l\u00e4sst sich immer etwas finden. Der Mensch ist halt ein kompliziertes Gebilde, zumal wenn er in der Masse daherkommt. Da wird es dann sogar oftmals brandgef\u00e4hrlich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5483\" aria-describedby=\"caption-attachment-5483\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5483\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/laboratory-g60221c634_640.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/laboratory-g60221c634_640.jpg 640w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/laboratory-g60221c634_640-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/laboratory-g60221c634_640-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5483\" class=\"wp-caption-text\">Angriffsziel von Querdenkern und Impfgegnern: Wissenschaft und Forschung (Foto: fernando zhiminaicela auf Pixabay)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Pandemie grassiert seit ca. zwei Jahren weltweit. In dieser Zeit findet unser aller Leben in einer heruntergefahrenen oder\/und ver\u00e4nderten Art statt. Zum Virus gesellte sich seit Beginn eine gesellschaftliche Gruppe, ob nun Querdenker oder Impfgegner genannt, fr\u00f6nt dabei bis heute ihrem Egoismus und mancherlei Wahnvorstellung und vielerlei Verschw\u00f6rungsmythen in aller \u00d6ffentlichkeit. Alles passiert mitten unter uns. Die Gesellschaft ist dieser verhaltensauff\u00e4lligen Minderheit in einer Art Geiselhaft ausgeliefert. Diese auf Krawall geb\u00fcrstete und laute, aber doch kleine Minderheit verhindert einen n\u00f6tigen Anstieg der Impfquote und damit die Eind\u00e4mmung der Pandemie. Jene Gruppe pfeift auf uns alle. Mitmenschen, Miteinander, Solidarit\u00e4t und Gesellschaft sind ihnen v\u00f6llig schnuppe. Will man also ein Miteinander mit denen, die Wissenschaft, Medizin und Fakten ignorieren und verleugnen, die den Rest von gesundem Menschenverstand, falls \u00fcberhaupt vorhanden, Tag um Tag schreiend und p\u00f6belnd ausblenden? Muss man sich mit Querdenkern und Radikalen, mit Verschw\u00f6rungstheoretikern, mit Menschen, welche fahrl\u00e4ssig Leben und Gesundheit von Kranken, Alten und Kindern gef\u00e4hrden und auf ein solidarisches Miteinander spucken, wirklich gemein machen? Ach was. Kein normaler Mensch wird sich in diesem Miteinander jemals wohlf\u00fchlen oder gar einrichten wollen. Anderes anzunehmen ist doch illusorisch. Idioten oder Fanatiker, die keinerlei Scham haben, sich mit Naziopfern, Widerstandsk\u00e4mpfern und KZ-H\u00e4ftlingen zu vergleichen und etwas von Corona-Diktatur schwafeln, begeben sich doch h\u00f6chstselbst ins gesellschaftliche Abseits. Dort treten sie dann sogar handfeste Diffamierungen, Rufmordkampagnen und Drohungen gegen Wissenschaftler, Mediziner und Krankenhauspersonal los. Solch obskure und radikale Zeitgenossen k\u00f6nnen weder jetzt noch in Zukunft Partner f\u00fcr ein Miteinander sein. In einem Land wird man mit ihnen leben m\u00fcssen, an einem Tisch mit ihnen eher nicht sitzen wollen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5484\" aria-describedby=\"caption-attachment-5484\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-5484\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Wilfried-Pohnke-auf-Pixabay.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"452\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Wilfried-Pohnke-auf-Pixabay.jpg 640w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/Wilfried-Pohnke-auf-Pixabay-300x212.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-5484\" class=\"wp-caption-text\">Gegen den Irrsinn. Eckpfeiler beim Weg aus der Pandemie: IMPFEN (Foto: Wilfried Pohnke auf Pixabay)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Warum sollte man in dieser angespannten und gef\u00e4hrlichen Lage f\u00fcr Gesundheit und Leben aller, den Predigern oder Mitl\u00e4ufern allgemeiner Verbl\u00f6dung und Verhetzung Verst\u00e4ndnis entgegenbringen? Weil jene auch die Titelseiten vom Organ der Niedertracht als Partner haben, sogar Pl\u00e4tze in Talkshows belegen, ihnen die AfD, ein abgestandener FDPler oder eine verkrachte Linke populistisch zu Munde gehen? Es wird gerne vom \u201ealle mitnehmen\u201c geredet. Wo soll diese Reise bitte hingehen, dieses mitnehmen enden? Im v\u00f6lligen Irrsinn der allgemeinen Anerkennung \u201edie Welt ist eine Scheibe\u201c? Soll sich der Verstand gegen\u00fcber dem Unverstand aus Gr\u00fcnden des Miteinanders zur\u00fccknehmen? Eine Frage muss gestellt werden: Wollen wir mit jenen, die sich mittlerweile zum br\u00fcllenden Mob auf der Stra\u00dfe zusammenrotten, weiter so verst\u00e4ndnisvoll umgehen, wie die Weimarer Republik mit dem braunen Mob umging? Die Antwort kann nur NEIN lauten. Entschlossenheit und deutliche Worte sind gefragt. Dummheit, Fanatismus, Wissenschaftsfeindlichkeit und Idiotie m\u00fcssen benannt und angeprangert, nicht mit Verst\u00e4ndnis bedacht oder weichgesp\u00fclt werden. Wo der Weimarer Versuch vom ewigen Verst\u00e4ndnis zum Ziele der vorgeblichen Einheit des Vaterlandes 1933 endete, ist hinl\u00e4nglich und grausig bekannt. Lassen wir es weiter an Entschlossenheit der solidarischen Mehrheit vermissen, k\u00f6nnen wir Kants Aufkl\u00e4rung aus R\u00fccksicht auf Schwurbler und deren Verschw\u00f6rungstheorien gleich in die Tonne treten, die Reise in finstere Mittelalterzeiten umgehend antreten. Stoppen wir den Wahnsinn also lieber gemeinsam und rechtzeitig, bevor er uns alle in den Abgrund zerrt und Bert Brecht Realit\u00e4t werden l\u00e4sst: <em>\u201eHinter der Trommel <span class=\"hiddenGrammarError\">her trotten<\/span>\u00a0die K\u00e4lber. Das Fell f\u00fcr die Trommel liefern sie selber.\u201c<\/em><\/p>\n<blockquote><p>Verniedlichung \u00f6ffnet das Tor zur H\u00f6lle der Barbarei. (Hans H\u00fctt; Journalist, Autor)<\/p><\/blockquote>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>*Titelbild: Collage Pixabay<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser Bundespr\u00e4sident meint es in seinen Reden offensichtlich gut und ehrlich. Anderes soll ihm nicht unterstellt werden. \u201eWir m\u00fcssen uns auch nach der Pandemie noch in die Augen schauen k\u00f6nnen. 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