{"id":6166,"date":"2022-01-30T13:08:33","date_gmt":"2022-01-30T12:08:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=6166"},"modified":"2022-02-03T12:55:24","modified_gmt":"2022-02-03T11:55:24","slug":"der-unbekannte-herr-bebel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=6166","title":{"rendered":"Der unbekannte Herr Bebel"},"content":{"rendered":"<p>In einem Gespr\u00e4ch zwischen dem immer gut vorbereiteten und seinen Beruf seri\u00f6s aus\u00fcbenden Spiegelredakteur Markus Feldenkirchen, seines Zeichens Fan von Borussia M\u00f6nchengladbach und einem stets netten SPD-Vorsitzenden und Bayern M\u00fcnchen Fan Lars Klingbeil, kommt es irgendwann zu einer bunten Frage. Es werden Bilder eingeblendet, Klingbeil m\u00f6ge bitte sagen, was er mit diesen Menschen gemein hat, was sie ihm bedeuten. Erstes Foto August Bebel, die Ikone der Arbeiterbewegung, der \u201eArbeiterkaiser\u201c, K\u00e4mpfer gegen das Sozialistengesetz, Urvater der deutschen Sozialdemokratie. Der Bismarck der Proletarier. Klingbeil schaut und antwortet auf die Frage <em>\u201eKennen Sie diesen Mann?\u201c<\/em> ziemlich z\u00fcgig:<\/p>\n<blockquote><p>Nee, wei\u00df ich jetzt nicht. Ich kenne ihn wahrscheinlich. Kann ihn jetzt aber aufgrund dieses Fotos nicht identifizieren.<\/p><\/blockquote>\n<p><span data-offset-key=\"1fiqu-0-0\">August Bebels Bild h\u00e4ngt sogar im Willy-Brandt-Haus. Immerhin war er von 1892 bis 1913, was Klingbeil <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-63\" data-entity-key=\"63\" data-offset-key=\"1fiqu-1-0\"><span data-offset-key=\"1fiqu-1-0\">heute ist, <\/span><\/span><span data-offset-key=\"1fiqu-2-0\">n\u00e4mlich SPD<\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-63\" data-entity-key=\"63\" data-offset-key=\"1fiqu-3-0\"><span data-offset-key=\"1fiqu-3-0\">-Vorsitzender.<\/span><\/span><span data-offset-key=\"1fiqu-4-0\"> Bebels Portr\u00e4t zierte auch das Bundeskanzleramt zu Bonn, hing dort im B\u00fcro des Kanzlers, solange Helmut Schmidt dort arbeitete. Es wurde umgehend von Helmut Kohl abgeh\u00e4ngt und durch ein Bildnis von Konrad Adenauer ersetzt. Die konservative Weltordnung sozusagen wieder ins rechte Bild ger\u00fcckt. <\/span>Viele h\u00e4tten bei der Frage nach August Bebels Portr\u00e4t passen k\u00f6nnen, aber bitte nicht ein SPD-Vorsitzender. (Zumal die wenigen \u00fcberlieferten Bilder\/Fotos von Bebel l\u00e4ngst fester Bestandteil des kollektiven Geistes der Arbeiterbewegung und der SPD-Geschichte.) Es sind solche unscheinbar wirkenden Petitessen, die den Verfall der SPD stets neu zeichnen. Egal was die Genossen \u00fcber einen eingebildeten Wahlsieg (26,4 %) im Herbst 2021 so fabulieren, der jener \u201eSiegerin\u201c SPD \u00fcbrigens gerade durch das eingegangene Ampelb\u00fcndnis flott zerbr\u00f6selt. Dieses macht in der Tagespolitik nur die FDP in gro\u00dfen Teilen und die Gr\u00fcnen in Versatzst\u00fccken zum nachtr\u00e4glichen Sieger. Denkt man an die SPD und schaut auf ihr heutiges Agieren und ihr F\u00fchrungspersonal, muss man eben immer wieder Tucholsky mitdenken und seine ber\u00fchmte Feststellung im Angesicht des netten Lars Klingbeil nochmals in Erinnerung rufen:<\/p>\n<blockquote><p>Hier k\u00f6nnen Familien Kaffee kochen oder so etwas.<\/p><\/blockquote>\n<p>Ob der amtierende SPD-Vorsitzende \u00fcberhaupt wei\u00df, wer Kurt Tucholsky war, ist nicht \u00fcbermittelt.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">(Man kann sich das komplette Interview\/Gespr\u00e4ch auf der Spiegel-Website \u00fcbrigens ansehen. Daf\u00fcr muss man vorher aber mindestens einen schrecklichen Werbefilm ertragen, der einem im modernen Medienzeitalter eben untergejubelt wird.)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Gespr\u00e4ch zwischen dem immer gut vorbereiteten und seinen Beruf seri\u00f6s aus\u00fcbenden Spiegelredakteur Markus Feldenkirchen, seines Zeichens Fan von Borussia M\u00f6nchengladbach und einem stets netten SPD-Vorsitzenden und Bayern M\u00fcnchen Fan Lars Klingbeil,<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":6167,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[231],"tags":[3008,766,3006,1881,3005,3007,86,21,1931,184,3009],"class_list":["post-6166","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interessantes","tag-bebel","tag-erinnerung","tag-familien","tag-feldenkirchen","tag-kaffee","tag-klingbeil","tag-schmidt","tag-spd","tag-spiegel","tag-tucholsky","tag-vorsitzenden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6166","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=6166"}],"version-history":[{"count":16,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6166\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":6186,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/6166\/revisions\/6186"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/6167"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=6166"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=6166"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=6166"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}