{"id":8112,"date":"2022-03-14T00:44:28","date_gmt":"2022-03-13T23:44:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=8112"},"modified":"2022-03-22T09:51:24","modified_gmt":"2022-03-22T08:51:24","slug":"handlanger-sektierer-und-wahlkaempfer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=8112","title":{"rendered":"Handlanger, Sektierer und Wahlk\u00e4mpfer"},"content":{"rendered":"<p>Der Beitrag h\u00e4tte auch \u201eDie Ahnungslosen\u201c, \u201eDie Versager\u201c, \u201eN\u00fctzliche Idioten\u201c oder \u201eDas Grauen\u201c hei\u00dfen k\u00f6nnen. \u201eHandlanger\u201c passt allerdings ganz gut. Um solche geht es hier in weiten Teilen. Jene Handlanger neoliberaler Politik, die sich dem Neoliberalismus eigentlich in den Weg stellen sollten. Manchmal t\u00e4uschen sie sogar den Eindruck vor, als t\u00e4ten sie es auch. Nat\u00fcrlich immer nur so weit der eigene Nutzen und Horizont reichen. Also unzureichend und harmlos. Weil W\u00e4hler daf\u00fcr ein Gesp\u00fcr haben, k\u00f6nnen vor allem vermeintliche Linke an der Wahlurne kaum noch Erfolge erzielen. <span class=\"hiddenGrammarError\">Damit<\/span> sind wir schon angekommen bei den gro\u00dfen Versagern unserer Zeit, jenen europ\u00e4ischen Linken, die um sich selbst kreisen. Deren blamables Scheitern soll am Beispiel von Frankreichs aktuell anstehenden Pr\u00e4sidentschaftswahlen und den darin agierenden Linkspolitikern veranschaulicht werden. Dort treten 12 Kandidaten in der ersten Runde am 10. April 2022 an. So kein Kandidat die 50 % \u00fcberspringt, gibt es eine Stichwahl der beiden <span class=\"hiddenSpellError\">stimmst\u00e4rksten<\/span>\u00a0Bewerber am 24. April 2022.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8121\" aria-describedby=\"caption-attachment-8121\" style=\"width: 583px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8121\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/prsidetielle.jpg\" alt=\"\" width=\"583\" height=\"518\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/prsidetielle.jpg 583w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/prsidetielle-300x267.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 583px) 100vw, 583px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8121\" class=\"wp-caption-text\">Frankreich w\u00e4hlt. Qual oder Wahl?<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Ausgangslage einfach. Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron tritt wieder an. Der Mann hat au\u00dfenpolitisch Gewicht, ist kein US-Anh\u00e4ngsel und macht im Job durchaus gute Figur. Im Land herrschen nach wie vor eine beachtliche Diskussionskultur und au\u00dferdem Formen von Streitkultur, die ohne demagogische\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Sudelbl\u00e4tter<\/span> auskommen, wie sie in Deutschland oder England mit Volksaufhetzung Kasse machen. Wohltuendes Gesellschaftsklima. Darauf haben Pr\u00e4sidenten, mit Ausnahme des schrecklichen Sarkozy immer geachtet. Frankreich verf\u00fcgt auch unter diesem Pr\u00e4sidenten \u00fcber eine funktionierende Polizei und eine schlagkr\u00e4ftige Armee, die mit einsatzf\u00e4higen Atomwaffen ausgestattet. Dieser Faktor St\u00e4rke geh\u00f6rt durchaus zum Selbstverst\u00e4ndnis und zur Eigenst\u00e4ndigkeit der Grande Nation. Nach innen f\u00e4hrt Macron einen neoliberalen Kurs der Machart Schr\u00f6der\/Blair, der auf murrenden Widerstand innerhalb der franz\u00f6sischen Bev\u00f6lkerung trifft und in den Gelbwesten seinen st\u00e4rksten Ausdruck fand. (Franzosen sind weder Deutsche noch Briten und k\u00e4mpfen seit jeher mit wesentlich mehr Courage f\u00fcr ihre sozialen Interessen.) Die Gelbwesten formierten sich, weil im Land keine politische Partei gegen Macrons Politik wirklich mit Einsatz k\u00e4mpfte. Das Volk wies daher diesen Pr\u00e4sidenten in seine Schranken, nicht seine politischen Gegner. Sozialisten (Frankreichs Sozialdemokraten), die in den letzten zwei Jahrzehnten merkw\u00fcrdigerweise immer dabei, wenn das gew\u00f6hnliche Volk im Stich gelassen wurde, Gr\u00fcne und Kommunisten hatten mit sich und ihrem jeweiligen Sektierertum reichlich Selbstbesch\u00e4ftigung. Da bleibt eben keine Zeit, sich noch um Land und Menschen zu k\u00fcmmern. Emmanuel Macron dagegen macht, wozu er sich berufen f\u00fchlt. Er versucht umzusetzen, was er gelernt und wof\u00fcr er steht. Bevor er Politiker und dann in einem kometenhaften Aufstieg Pr\u00e4sident der Republik wurde, war er Teil der neoliberalen Denkfabrik \u201eInstitut Montaigne\u201c. Sein Geld verdiente er als Investmentbanker bei der Bankholding Rothschild &amp; Co. Ein reicher und elit\u00e4rer Franzose der Oberschicht, der als eingefleischter Neoliberaler eben neoliberale Politik macht. Dar\u00fcber m\u00fcsste sich das Erstaunen nun wirklich in Grenzen halten.<\/p>\n<p>Viele Franzosen haben ihren Pr\u00e4sidenten wegen seiner Sozial-, Finanz- und Wirtschaftspolitik \u00fcber und sehen dennoch keine Alternative, der sie folgen k\u00f6nnen oder wollen. Gl\u00fcck f\u00fcr Macron, welches er zu nutzen wei\u00df und ein Dilemma f\u00fcr die Franzosen. Somit wird Emmanuel Macron sicher und ohne Probleme in die Stichwahl gelangen. S\u00e4mtliche Umfragen best\u00e4tigen dies. Sein derzeitiger Wert liegt zwischen 26 und 30 Prozent. Mit gro\u00dfem Vorsprung auf dem ersten Platz vor allen anderen Mitbewerbern um den Einzug in das Finale. Der Pr\u00e4sident ist eine sichere Bank f\u00fcr den ersten Wahlgang. An Statur gewann dieser Pr\u00e4sident, als er wie kein anderer Politiker in Europa den Irrsinn der Impfgegner anprangerte und diesen \u00f6ffentlich drohte. Auch seine klare Ansage, die T\u00fcr Richtung Wladimir Putin und Moskau offenzuhalten, brachte ihm im eigenen Land Punkte und Sympathien ein. Weil Frankreichs politische Lager tief gespalten, ist Macron nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die Stichwahl haushoher Favorit. Die Begeisterung der Franzosen dar\u00fcber h\u00e4lt sich allerdings in Grenzen und korrespondiert mit deren zunehmender Entt\u00e4uschung \u00fcber ihre politische Klasse.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8123\" aria-describedby=\"caption-attachment-8123\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8123\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/EMa-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/EMa-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/EMa-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/EMa-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/EMa.png 1437w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8123\" class=\"wp-caption-text\">Pr\u00e4sident Macron. Sicher in der Stichwahl und mit besten Aussichten. (Bild: Screenshot TV2)<\/figcaption><\/figure>\n<p><span data-offset-key=\"b4lkj-0-0\">Der Blick wandert nun zu den Macron-Herausforderern im franz\u00f6sischen Politiklager, also zwangsl\u00e4ufig auch zu den Linken, doch zuerst blicken wir kurz in das rechte politische Lager. Es sei noch erw\u00e4hnt, das konturlose Gerede von der \u201eMitte\u201c, welche angeblich einzig wahlentscheidend ist, pflegen die Franzosen eher nicht. Im deutschen Politik- und Medienbetrieb ist diese \u201eMitte\u201c dagegen eine heilige Kuh, die dazu dient, politische Standpunkte zu verw\u00e4ssern. Franzosen sind politisch eher im Universum erkennbarer rechter und linker Lager und an den Fronten der Unterscheidbarkeit heimisch. Diese Lager liefern sich harte Auseinandersetzungen, aber sie verteufeln sich nicht. <\/span>So werben z. B. Macron wie Le Pen gleicherma\u00dfen und ganz selbstverst\u00e4ndlich um die Reste des einst m\u00e4chtigen Stimmblocks der franz\u00f6sischen Kommunisten. Marine Le Pen r\u00fcckte inzwischen vom rechten Rand in die breitere konservative Ecke. Dabei will und muss sie dennoch eine K\u00fcmmerin f\u00fcr die Restbest\u00e4nde der alten Arbeiterklasse sein. Ansonsten kann sie nicht gewinnen. Deswegen wird sie nun von einem rechtsradikalen Journalisten bedr\u00e4ngt, \u00c9ric Zemmour. Dieser ist mit der deutschen AfD vergleichbar und \u00e4hnlich perfide. Le Pen hat dennoch auf der rechten Seite die besten Chancen f\u00fcr die Stichwahl, liegt aktuell bei 18 Prozent, Zemmour kommt auf 13 Prozent. Val\u00e9rie P\u00e9cresse, die Kandidaten der alten Machteliten der Republikaner, hinkt den beiden mit 12 Prozent hinterher. Es wird also auf der rechten Seite wieder auf Marine Le Pen hinauslaufen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8131\" aria-describedby=\"caption-attachment-8131\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8131\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNltmM9WQAcJIfC-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNltmM9WQAcJIfC-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNltmM9WQAcJIfC-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNltmM9WQAcJIfC-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNltmM9WQAcJIfC-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNltmM9WQAcJIfC-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNltmM9WQAcJIfC-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8131\" class=\"wp-caption-text\">Marine Le Pen. Erneut beste Chancen f\u00fcr die Macron-Herausforderung. (Foto: Twitter Le Pen)<\/figcaption><\/figure>\n<p><span data-offset-key=\"cdpnd-0-0\">Und die linke <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-36\" data-entity-key=\"36\" data-offset-key=\"cdpnd-1-0\"><span data-offset-key=\"cdpnd-1-0\">Wackelfront<\/span><\/span><span data-offset-key=\"cdpnd-2-0\">? Da gibt es einen progressiven Kandidaten, einen alten <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-38\" data-entity-key=\"38\" data-offset-key=\"cdpnd-3-0\"><span data-offset-key=\"cdpnd-3-0\">Linken mit<\/span><\/span><span data-offset-key=\"cdpnd-4-0\"> neuen Erkenntnissen und der richtigen Aufarbeitung eigener und gesellschaftlicher Fehler. Von 2000 bis 2002 Bildungsminister in Frankreich und seit vielen Jahren eine Art \u201eEin-Mann-Opposition\u201c im Parlament gegen die Regierungsmehrheit von zwei Ministerpr\u00e4sidenten der Macron-\u00c4ra und deren Politik. <\/span>Dieser Jean-Luc\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>, Jahrgang 1951, Mitgr\u00fcnder und geistiger Kopf von \u201eLa\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">France<\/span>\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">insoumise<\/span>\u201c (\u201eUnbeugsames Frankreich\u201c), bek\u00e4mpft den Neoliberalismus, hinterfragt EU und NATO im Lichte Frankreichs und ist der wohl rhetorisch brillanteste Politiker seines Landes. Sein Intellekt verleitet ihn an manchen Tagen zu einer gewissen Besserwisserei und Dogmatik, vor allem zur aufbrausenden Ungeduld, sobald ihm politische Dummk\u00f6pfe entgegentreten. Nie weicht er einer Redeschlacht aus, ob im Parlament, auf der Stra\u00dfe oder vor TV-Kameras. Vor einigen Wochen traf <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>\u00a0auf\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Zemmour<\/span>\u00a0und zerlegte die Argumente und Parolen des rechtsradikalen Vorturners, als filetierte er einen Fisch. Die Zuschauer hatten das Gef\u00fchl, Danton sei aus dem Grab gestiegen, solchen Furor legte\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>\u00a0in diese Auseinandersetzung.\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Zemmour<\/span>\u00a0konnte sich nur noch hinter ein maskenhaftes Dauergrinsen und einen Wall von Phrasen in Deckung bringen.\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span> ist ein Volkstribun alter Pr\u00e4gung, der die Sorgen und N\u00f6te einfacher Franzosen kennt und aufnimmt, nicht nur die Oberschicht vertritt. Dabei gibt er denen seine Stimmgewalt, die l\u00e4ngst nicht mehr geh\u00f6rt werden.<\/p>\n<p>Hinter\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>\u00a0k\u00f6nnte sich Frankreichs Linke sammeln. Sie m\u00fcsste es, so sie noch einen Funken gemeinsamen Verstand. Dieser alte Haudegen\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span> kommt bestens bei der Jugend an, er erreicht die Ausgeschlossenen und k\u00e4mpft unbeirrbar f\u00fcr ein soziales Frankreich der B\u00fcrger. \u201eFreiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u201c, diese Kernwerte der Franz\u00f6sischen Revolution sind f\u00fcr ihn nicht verhandelbar. Pr\u00e4sident Macron versucht diesem au\u00dfergew\u00f6hnlichen Debattierer stetig aus dem Weg zu gehen. In allen Umfragen liegt <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon <\/span>weit vor den anderen angeblich linken Politikern, die s\u00e4mtlich chancenlos, aber Stimmen von <span class=\"hiddenSpellError\">ihm<\/span>\u00a0abziehen und somit der Linken in Frankreich schaden. Nur\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span> bewegt sich im zweistelligen Bereich bei 12 Prozent. Aber wir sind am Hof der Linken, da tickt die Welt nie rational, doch stets eitel und ichbezogen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8148\" aria-describedby=\"caption-attachment-8148\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8148\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNqv27vXIBAkbYg-1024x682.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNqv27vXIBAkbYg-1024x682.jpg 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNqv27vXIBAkbYg-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNqv27vXIBAkbYg-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNqv27vXIBAkbYg-600x400.jpg 600w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNqv27vXIBAkbYg.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8148\" class=\"wp-caption-text\">Jean-Luc M\u00e9lenchon. Einzige Chance der Linken auf die Stichwahl. (Foto: M\u00e9lenchon Twitter)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ausgerechnet drei linke Politiker w\u00e4ren hauptverantwortlich, wenn h\u00f6chstwahrscheinlich wieder ein rechter Politiker den neoliberalen Macron herausfordert und die franz\u00f6sische Linke in der Stichwahl nicht mehr dabei. Deren pers\u00f6nlicher Ehrgeiz \u00fcberstrahlt alles und nimmt eine kommende Wahlschlappe billigend in Kauf. Yannick Jadot, Fabien Roussel und Anne Hidalgo sind auf Angebote von M\u00e9lenchon zu einem Wahlb\u00fcndnis nicht eingegangen, weil sie darin ihren pers\u00f6nlichen Ehrgeiz nicht zufriedengestellt sahen. Der Gr\u00fcne Yannick <span class=\"hiddenSpellError\">Jadot<\/span> hat einen Umfragewert von 6 Prozent und ist mit den deutschen Gr\u00fcnen und sogar deren Opportunismus vergleichbar. Allerdings ist er aktuell nicht so martialisch und militaristisch unterwegs wie diese. <span class=\"hiddenSpellError\">Jadot<\/span> ist eine langj\u00e4hrige Galionsfigur der franz\u00f6sischen Gr\u00fcnen, der vor allem Umwelt- und Gesundheitsthemen auf seine Fahnen geschrieben hat. \u00c4hnlich <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>\u00a0wird es wohl\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Jadots<\/span>\u00a0letzter Anlauf auf das Pr\u00e4sidentenamt sein.\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Jadot<\/span> hat ein linkes B\u00fcndnis nie v\u00f6llig ausgeschlossen, aber auch nichts daf\u00fcr getan. Er steht im Verdacht, am Wahlabend seine 6 Prozent als gr\u00fcnes Zeichen feiern zu wollen, um dann eine abgenutzte Rede von der linken Zukunft Frankreichs zu halten. Darin hat er allerdings Konkurrenz von der merkw\u00fcrdigsten Kandidatin in diesem Wahlkampf, die mit ihren Auftritten mehr die Satire bedient, statt W\u00e4hler zu gewinnen.<\/p>\n<p><span data-offset-key=\"f4703-0-0\">Die Rede ist von der Pariser B\u00fcrgermeisterin Anne Hidalgo. Ihres Zeichen Kandidatin der Sozialisten (Sozialdemokraten) und mit peinlichen 2 Prozent abgeschlagen im Umfragekeller. Kein Angebot f\u00fcr das Wahlvolk, keine Inhalte, keine Vorstellungen von der Zukunft, ist sie beseelt, den Franzosen st\u00e4ndig Jean-Luc <\/span><span id=\"decorator-ignored-entity-id-67\" data-entity-key=\"67\" data-offset-key=\"f4703-1-0\"><span data-offset-key=\"f4703-1-0\">M\u00e9lenchon<\/span><\/span><span data-offset-key=\"f4703-2-0\"> auszureden, ein linkes B\u00fcndnis zu verhindern. Was an sich als Offenbarungseid einer angeblichen Linken schon reicht. <\/span>Nicht so bei Frau Hidalgo, die tats\u00e4chlich noch einen draufsetzt. Erz\u00e4hlt sie doch jetzt schon in aller \u00d6ffentlichkeit vom notwendigen Neuaufbau der Linken nach der Wahl und sieht dabei allen Ernstes sich selbst in einer wichtigen Rolle. Solche Zukunftspl\u00e4ne wirken in einer Art skurril, als h\u00e4tten die Offiziere der Titanic nach der feindseligen Begegnung mit dem Eisberg dar\u00fcber gestritten, wer am Meeresboden neuer Kapit\u00e4n auf dem gesunkenen Dampfer wird, w\u00e4hrend das Eiswasser des Atlantiks bereits ihre Kn\u00f6chel umsp\u00fclte. Den Wahlkampf scheint Frau Hidalgo jedenfalls au\u00dferhalb der Bek\u00e4mpfung von Jean-Luc <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>\u00a0v\u00f6llig aus den Augen verloren. Bei solchem Personalangebot wundert es keinen Beobachter, dass die ehemaligen W\u00e4hler der Sozialisten l\u00e4ngst der Anh\u00e4ngerschaft von Marine Le Pen zuzurechnen sind.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8139\" aria-describedby=\"caption-attachment-8139\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8139\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Hidalgo--1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Hidalgo--1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Hidalgo--300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Hidalgo--768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Hidalgo-.png 1269w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8139\" class=\"wp-caption-text\">Anne Hidalgo. Auf dem Weg zwischen Blamage und politischer Witzfigur. (Foto: Screenshot TV1)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Von einer l\u00e4cherlichen zu einer bemerkenswerten Kandidatur. Fabien\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Roussel<\/span>\u00a0geht f\u00fcr die Kommunisten an den Start und ist die bisherige \u00dcberraschung des Wahlkampfes. Seine 5 Prozent in Umfragen gelten als Achtungserfolg. Sogar die FAZ, die konservativ-b\u00fcrgerliche Zeitung aus\u00a0<span class=\"hiddenGrammarError\">unseren Landen<\/span>, besch\u00e4ftigte sich mit\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Roussel<\/span>. Nicht etwa herabsetzend und mit feindlich gespitzter Feder, sondern mit einem gewissen Wohlwollen, welches man Linken und gar den Roten ansonsten nicht entgegenbringt. Die FAZ lobte Fabien <span class=\"hiddenSpellError\">Roussel<\/span> allerdings vor allem, weil dieser f\u00fcr Atomkraft, Autos und Fleischverzehr eintritt. So schlicht sind also eingefleischte rechte Herzen bei uns zu begeistern. Sogar durch einen Kommunisten. Wer h\u00e4tte das gedacht! \u00c4hnlich wie <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>\u00a0ist\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Roussel<\/span> ein b\u00fcrgernaher Kandidat und kennt die Alltagssorgen der Franzosen aus erster Hand. Im Unterschied zu Anne Hidalgo hat er auch ein Gef\u00fchl f\u00fcr die Unterschicht und versucht diese mit Argumenten wieder von Marine Le Pen und \u00c9ric Zemmour zur\u00fcckzugewinnen. Darin ist <span class=\"hiddenSpellError\">Roussel<\/span> durchaus auf den Pfaden von <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon unterwegs<\/span>. Warum es nicht zu einem B\u00fcndnis zwischen den in vielen Feldern \u00fcbereinstimmenden\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Roussel<\/span>\u00a0und\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span> gekommen ist, in welchem sicher auch <span class=\"hiddenSpellError\">Jadots<\/span> Vorstellungen Platz gefunden h\u00e4tten, verwundert viele Franzosen, die dar\u00fcber mittlerweile nur mit den Schultern zucken.<\/p>\n<p>Sogar\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">S\u00e9gol\u00e8ne<\/span>\u00a0Royal, ehemalige Pr\u00e4sidentschaftskandidatin der Sozialisten, die 2007 Nicolas Sarkozy in der Stichwahl unterlag, empfahl der franz\u00f6sischen Linken, sich hinter\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>\u00a0zu sammeln, da dieser die besten Chancen. Dies ist bemerkenswert, weil Royal und\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>\u00a0nicht unbedingt die besten Freunde, weder politisch noch menschlich. Mit den 5 Prozent von\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Roussel<\/span>, den 6 Prozent von\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Jadot<\/span>\u00a0und den 2 Prozent von Frau Hidalgo sowie seinem eigenen Anteil k\u00e4me\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span> sicher in die Stichwahl. Er w\u00fcrde diese wohl nicht gewinnen, aber Frankreich h\u00e4tte wieder ein linkes Lebenszeichen. Es w\u00e4re mehr als das Angebot einer alternativlosen Macron-Abstimmung f\u00fcr die W\u00e4hler, die diese notgedrungen beisteuern. Damit z\u00e4hneknirschend ein weiter so gegen viele ihrer eigenen Interessen manifestieren, nur weil es erneut gilt, Marine Le Pen zu verhindern. Die Chefin von \u201eRassemblement National\u201c (\u201eNationale Versammlung\u201c) tingelt unerm\u00fcdlich durchs Land und vor allem dessen Problemregionen und hat f\u00fcr viele Franzosen ihren Schrecken l\u00e4ngst verloren. Somit wurde sie neben M\u00e9lenchon zu einer Gegenspielerin von Macron. Sie aber noch mit besseren Chancen auf die Stichwahl als M\u00e9lenchon. Linke Kandidaten scheinen sich der Situation einfach nicht bewusst, sehen weder ihre Verantwortung noch sich ergebende Chancen. Jener nach de Gaulle wohl folgenreichste Politiker Frankreichs der F\u00fcnften Republik, Fran\u00e7ois Mitterrand, wusste noch um die Notwendigkeit eines starken linken B\u00fcndnisses und schmiedete klug und gerissen seine Sozialisten mit den Kommunisten zusammen, um 1981 Pr\u00e4sident zu werden. Lang ist es her. Sozialisten wie Kommunisten heute nur noch politische Leichtgewichte. Das aktuelle linke Spitzenpersonal hat nat\u00fcrlich aus der Geschichte nichts gelernt, wird sich auf Einzelschlachtfeldern in die Niederlage f\u00fcgen und danach zur Tagesordnung \u00fcbergehen. F\u00fcr viele Franzosen werden Gegenwart und Zukunft auch wegen des Kollektivversagens linker Politiker sozial k\u00e4lter und immer ungewisser.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8145\" aria-describedby=\"caption-attachment-8145\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8145\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNkR90uXoAgdBtF-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNkR90uXoAgdBtF-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNkR90uXoAgdBtF-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNkR90uXoAgdBtF-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNkR90uXoAgdBtF-1536x864.jpg 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNkR90uXoAgdBtF.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8145\" class=\"wp-caption-text\">Pr\u00e4sident und Kandidaten. Frankreichs W\u00e4hler erwarten den Wahlkampf und die TV-Debatten mit ged\u00e4mpfter Erwartung. (Werbeplakat TV1)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nun stehen in Frankreich die Kandidatenduelle in den Medien und besonders im TV an. Erwartet werden sie allerdings von der Bev\u00f6lkerung trotz gro\u00dfem PR-Rummel mit wenig Enthusiasmus. Das Sektierertum der politischen Linken nimmt dem Wahlkampf schon vor dem Urnengang ein St\u00fcck weit die Option einer m\u00f6glichen Ver\u00e4nderung. Alle haben das Gef\u00fchl, man wisse sowieso, wie es ausgeht und h\u00e4tte genau zu diesem Ausgang eben keinerlei Alternativen. So etwas frustriert jede W\u00e4hlerschaft. Emmanuel Macron, darin ganz Pr\u00e4sident, verk\u00fcndete schon, er w\u00fcrde an der TV-Diskussion aus Anlass des ersten Wahlganges nicht teilnehmen, es wie de Gaulle und Mitterrand halten. Die Schuhe, die er sich da anzieht, zeugen zumindest von gesundem Selbstvertrauen. Seine Umfragewerte, die auch durch den Ukrainekonflikt f\u00fcr die erste Wahlrunde schon Richtung 30 Prozent fliegen, geben diesem\u00a0 Selbstvertrauen Nahrung. In unseren Zeiten kann immer eine Menge Unvorhergesehenes in die Politik wie die Gesellschaft platzen, auch in Frankreich. Eines wird allerdings nicht eintreten, dass der amtierende Pr\u00e4sident sich mit einer geschlossenen Linken auseinandersetzen muss. Darauf ist und bleibt tragisch Verlass.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>*Titelbild: Twitter-TV2<\/em><\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Beitrag h\u00e4tte auch \u201eDie Ahnungslosen\u201c, \u201eDie Versager\u201c, \u201eN\u00fctzliche Idioten\u201c oder \u201eDas Grauen\u201c hei\u00dfen k\u00f6nnen. \u201eHandlanger\u201c passt allerdings ganz gut. Um solche geht es hier in weiten Teilen. 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