{"id":8472,"date":"2022-03-19T21:00:47","date_gmt":"2022-03-19T20:00:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=8472"},"modified":"2022-03-28T13:47:41","modified_gmt":"2022-03-28T11:47:41","slug":"russland-und-seine-kriege","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=8472","title":{"rendered":"Russland und seine Kriege"},"content":{"rendered":"<p><em>\u201eRuhm hat eine Halbwertszeit von 15 Minuten. Schande lebt etwas l\u00e4nger.\u201c<\/em> So formulierte es als Bilanz eines Lebens der 2012 verstorbene ehemalige CBS Journalist Mike Wallace. Den Russen scheint diese Gratwanderung zwischen Ruhm und Schande langsam zu d\u00e4mmern. Hoffentlich lernen sie daraus und ziehen zum Wohl f\u00fcr uns alle die richtigen Schl\u00fcsse zur Umkehr. Im H\u00f6llenkreis von Ruhm und Schande hat sich auch die Kriegsgeschichte der russischen Nation \u00fcber Jahrhunderte oftmals abgespielt. Aktuell mit dem Angriff auf die Ukraine sind das Land und seine politische wie milit\u00e4rische Elite dabei der Schande wesentlich n\u00e4her als jedwedem Ruhm. Doch der Reihe nach. Russland, einige Jahrzehnte davon als Sowjetunion unterwegs, hat einst milit\u00e4rische Triumphe f\u00fcr die Freiheit und die Rettung der Menschheit errungen. Diejenigen \u00fcber Napoleon und die Nazis haben Geschichte geschrieben. (Wobei hier Napoleon, der Mann, welcher den Code civil in Frankreich einf\u00fchrte, ausdr\u00fccklich nicht mit Hitler, einem ruchlosen Kriegsverbrecher, V\u00f6lker- und Massenm\u00f6rder verglichen werden soll.) Der Sieg der Russen \u00fcber Napoleon gilt bis heute weltweit als Musterbeispiel von nationaler Tapferkeit und milit\u00e4rischer Gelassenheit. Der legend\u00e4re Marschall Kutusow zog sich mit den Truppen des klugen und weisen Zaren Alexander I. immer tiefer ins Landesinnere zur\u00fcck, dieses geordnete Weglaufen lie\u00df das milit\u00e4rische Genie Napoleon in die Falle tappen. Zwischendrin 1812 die Schlacht von Borodino, ein Gemetzel mit 80.000 Toten, in deren Anschluss Napoleon bald in Moskau einmarschierte. Ein Sieg der keiner war. Der Feldzug Napoleons und die heillose Flucht seiner Grande Arm\u00e9e hinterlie\u00df nicht nur die Niederlage Frankreichs, er bescherte der Welt als Nebenprodukt noch Kunstwerke von Rang. Lew Tolstoi schrieb den historischen Roman \u201eKrieg und Frieden\u201c, den viele Menschen wenigstens einmal im Leben lesen wollen. Pjotr Iljitsch Tschaikowsky komponierte die Ouvert\u00fcre \u201e1812\u201c, auf deren H\u00f6hepunkt sich Kanonendonner, Trompeten, Ch\u00f6re und Glockenspiel die Hand reichen. Mit dem Kanonenfeuer l\u00e4sst es sich in Konzerts\u00e4len unserer Zeit nicht mehr gut an, der Rest allerdings klingt bis heute imposant und bombastisch. (Wer Nachbarn \u00e4rgern oder nur aufschrecken will, der greife zu Sir Georg Solti mit dem Chicago Symphony Orchestra und deren Studioeinspielung von 1986.)<\/p>\n<p>Was sp\u00e4ter kam, war eine andere und grausigere Dimension von Krieg. Mit drei (3) Millionen Soldaten marschierte die Naziwehmacht der Deutschen am 22. Juni 1941 in die Sowjetunion ein, an ihrer Seite 600.000 Soldaten aus Italien, Rum\u00e4nien, Ungarn und der Slowakei. Die Front des \u201eUnternehmen Barbarossa\u201c erstreckte sich \u00fcber 2000 km von der Ostsee bis hin zum Schwarzen Meer. Drei deutsche Heeresgruppen sollten die Sowjetunion besiegen, das Land und die Menschen vernichten. Der Begriff Vernichtungskrieg war in der Welt und machte auch unter denen die Runde, die sp\u00e4ter gerne das M\u00e4rchen \u201ehaben wir nicht gewusst\u201c und \u201eanst\u00e4ndige Wehrmacht\u201c in den Mund nehmen. Die gr\u00f6\u00dfte Milit\u00e4rmaschinerie der Menschheitsgeschichte mit dem Hakenkreuz auf ihren Fahnen machte sich zum gr\u00f6\u00dften Krieg aller Zeiten auf. Unter ihren Stiefeln die Erde Russlands.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8480\" aria-describedby=\"caption-attachment-8480\" style=\"width: 700px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8480\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/oborona-brestskoj-kreposti-2.webp\" alt=\"\" width=\"700\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/oborona-brestskoj-kreposti-2.webp 700w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/oborona-brestskoj-kreposti-2-300x171.webp 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8480\" class=\"wp-caption-text\">2. Weltkrieg. \u201eVerteidiger der Brester Festung\u201d (Maler: Pjotr Kriwonogow)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Ausgang ist bekannt. Um Deutschland und Hitlers Horden zu besiegen zahlten die Russen den Preis von 24 Millionen Toter. Dieser Krieg im Osten ist vor allem mit einem Namen verbunden, Georgi Konstantinowitsch Schukow, Marschall der Sowjetunion und Sieger \u00fcber Hitler. Die Geschichte diese Krieges spiegelt sich in heroischen wie grausigen Orts- und Schlachtennamen. Stalingrad, Kursker Bogen, Moskau, Leningrad, Seelower H\u00f6hen und Berlin sind l\u00e4ngst gefl\u00fcgelte Worte. Auch hiervon legen Kunstwerke bis in unsere Zeit Zeugnis ab. Die 7. Sinfonie in C-Dur (\u201eLeningrad\u201c), <span class=\"hiddenSpellError\">op<\/span>. 60 von Dmitri Schostakowitsch und der gro\u00dfe Kriegsroman \u201eLeben und Schicksal\u201c von Wassili <span class=\"hiddenSpellError\">Grossman<\/span> seien genannt. Wann immer sie zu allen Zeiten ihre Heimat verteidigten, waren die Russen famos, Poltawa (1709), Borodino (1812), Chalchin Gol (1939) und Leningrad (1941-1944) sind daf\u00fcr heldenhafte Begriffe. Wo Russland oder die Sowjetunion sich der Aggression und Okkupation hingaben, steht im Gegenzug ein gro\u00dfes und oftmals fatales Scheitern zu Buche. Trotz der monumentalen Triumphe 1812 wie 1945 und einiger weniger dramatischer Siege im Laufe der Jahrhunderte, hatte Russland auch spektakul\u00e4re Niederlagen zu verzeichnen. Es k\u00f6nnen in der Historie durchaus Ableitungen zum kriegerischen Abenteuer gefunden werden, in welches Russland sich in der Ukraine gest\u00fcrzt hat.<\/p>\n<p>Die von Stalin betriebene Invasion Finnlands im November 1939 (\u201eWinterkrieg\u201c) endete zwar mit dem technischen Sieg der Russen, als die enorm tapferen Finnen schlie\u00dflich gegen die \u00dcbermacht kapitulierten. Doch in der Logik des Krieges wurde die m\u00e4chtige Rote Armee psychologisch besiegt, nachdem sie in vier Monaten fast 200.000 Mann, 1.100 Panzer und 684 Flugzeuge verloren hatte, w\u00e4hrend die finnische Armee unter dem klugen Befehl von General Gustaf Mannerheim, die \u00fcber keine Panzer verf\u00fcgte, nur 25.000 Mann und 61 Flugzeuge verlor. Es war eine blamable und entsetzliche Leistung einer Milit\u00e4rmaschinerie, die eine Million M\u00e4nner im Einsatz hatte und der nur 300.000 Finnen gegen\u00fcberstanden, von denen 80 Prozent Reservisten waren. Stalins Kriegsziel war h\u00f6chstwahrscheinlich die Besetzung des gesamten finnischen Staatsgebiets. So hatten die gro\u00dfen R\u00e4uber Hitler und Stalin es sich auch im \u201eRibbentrop-Molotow-Pakt\u201c vorgestellt. Der unerwartete und tapfere Widerstand der zahlenm\u00e4\u00dfig unterlegenen finnischen Streitkr\u00e4fte lie\u00df eine Einnahme des Landes durch die Rote Armee bald v\u00f6llig unwahrscheinlich erscheinen. Erst nach gro\u00dfangelegten Verst\u00e4rkungen konnten Stalins Truppen im Februar 1940 eine siegreiche Offensive beginnen und die finnische Front durchbrechen. Am 13. M\u00e4rz 1940 beendeten die Parteien den Krieg mit dem Friedensvertrag von Moskau. Finnland wurde nicht besetzt und bewahrte seine Unabh\u00e4ngigkeit, musste allerdings Territorien (Karelien) an die Sowjetunion abtreten. (<span data-offset-key=\"bd698-0-0\">Grausiger Nebeneffekt dieses Krieges: <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-6\" data-entity-key=\"6\" data-offset-key=\"bd698-1-0\"><span data-offset-key=\"bd698-1-0\">die<\/span><\/span><span data-offset-key=\"bd698-2-0\"> unzureichende milit\u00e4rische Leistung von Stalins Armee verleitete Hitler und seine Generalfeldmarsch\u00e4lle, die Russen als leichte Beute und den kommenden Feldzug gegen die Sowjetunion v\u00f6llig falsch einzusch\u00e4tzen.)<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_8483\" aria-describedby=\"caption-attachment-8483\" style=\"width: 770px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8483\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2941441-HSC00001-7.jpg\" alt=\"\" width=\"770\" height=\"962\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2941441-HSC00001-7.jpg 770w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2941441-HSC00001-7-240x300.jpg 240w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/2941441-HSC00001-7-768x960.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 770px) 100vw, 770px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8483\" class=\"wp-caption-text\">Hielt mit unterlegenen Kr\u00e4ften 1939 der Roten Armee stand: General Gustaf Mannerheim (Portr\u00e4t: Yuriy Matrosov)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Katastrophaler als das sp\u00e4tere Finnland-Abenteuer war die sowjetische Leistung in einem Krieg mit Polen im Jahr 1920. Er wurde durch Polens Invasion der Ukraine und die Besetzung Kiews im Fr\u00fchjahr 1920 ausgel\u00f6st. Der polnischen Offensive folgte ein sowjetischer Gegenangriff, der die Polen an die Grenze zur\u00fcckdr\u00e4ngte. \u00dcberm\u00fctig und in der Hoffnung, den Angriffsschwung nutzen zu k\u00f6nnen, um die kommunistische Revolution nach Westen zu tragen, befahl Lenin die Invasion Polens, ohne seinen milit\u00e4rischen Kopf Leo Trotzki zu befragen. Die Rote Armee st\u00fcrmte also feurig nach Westen, nur um vor Warschau gestoppt und dann sogar \u00fcber die urspr\u00fcngliche Grenze hinausgeschoben zu werden. Anders als der sp\u00e4tere \u201eWinterkrieg&#8220; gegen Finnland endete der polnische Krieg sowohl milit\u00e4risch als auch politisch mit einer vollst\u00e4ndigen Niederlage der Sowjets. Im Jahr 1905 fuhr das russische Zarenreich ebenfalls eine schlimme Niederlage ein. Als Russland in einem chinesischen Seehafen auftauchte, griff Japan es an. Russland antwortete, indem es eine Flotte den langen Weg von der Ostsee bis in den Fernen Osten schickte. Die Japaner versenkten diese Flotte schnell und erbarmungslos. Diese Niederlage (Seeschlacht bei <span class=\"hiddenSpellError\">Tsushima<\/span>), war die erste\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Kriegsschlappe<\/span>\u00a0seit sieben Jahrhunderten, die einer europ\u00e4ischen von einer asiatischen Nation zugef\u00fcgt wurde. Viele sahen darin einen Vorboten des Untergangs des zaristischen Russlands im folgenden Jahrzehnt und sollten recht behalten.<\/p>\n<p>Im Krimkrieg 1853 fiel Russland in das osmanische Gebiet im heutigen Moldawien und Rum\u00e4nien ein. Dieser Einmarsch endete mit dem Verlust aller russischen Eroberungen und dem Tod von 400.000 Soldaten sowie der vor\u00fcbergehenden Besetzung von russischem Territorium durch britische und franz\u00f6sische Truppen. Russland verfehlte in diesem ersten industriell gef\u00fchrten Krieg nicht nur seine milit\u00e4rischen und politischen Ziele. Die Armee des Zaren verlor ihren Ruf, der noch aus dem Sieg \u00fcber Napoleon stammte, die schlagkr\u00e4ftigste Streitmacht der Welt zu sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8495\" aria-describedby=\"caption-attachment-8495\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8495\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Panorama_Sewastopol.jpg\" alt=\"\" width=\"800\" height=\"467\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Panorama_Sewastopol.jpg 800w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Panorama_Sewastopol-300x175.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/Panorama_Sewastopol-768x448.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8495\" class=\"wp-caption-text\">Industriell gef\u00fchrter \u201emoderner\u201c Krieg. (Gem\u00e4lde: Auszug aus dem Sewastopol-Panorama.)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Nun schauten wir Schritt f\u00fcr Schritt immer weiter der milit\u00e4rischen Historie hinterher. Deswegen blicken wir sehr bewusst noch einmal in die Neuzeit und sind damit in Afghanistan. Als die Sowjetunion 1989 den Abzug aus dem 1979 besetzten Land vollendete, war ein Desaster zu bilanzieren, welches in der Folge nicht unwesentlich zur blitzschnellen Aufl\u00f6sung des Sowjetimperiums beitrug. Die Furcht vor Moskaus angeblicher milit\u00e4rischer Macht war im Bewusstsein vieler Menschen zerbr\u00f6selt. Politisch eine Katastrophe und milit\u00e4risch \u00e4hnlich blamabel wie der dortige Krieg der USA plus deren NATO-Feigenblatt, gef\u00fchrt zwischen 2001 und 2021. Im Gegensatz zum amerikanischen R\u00fcckzug im vergangenen Jahr spiegelte das sowjetische Scheitern in Afghanistan auch den wirtschaftlichen Bankrott und sozialen Verfall der gesamten Sowjetunion und ihrer Satelliten. Es war eine der Sterbeglocken im Niedergang des verendenden Sowjet-Imperiums.<\/p>\n<p>Offensichtlich sind die eben geschilderten Ereignisse nicht mehr warnend pr\u00e4sent im Kopf der russischen F\u00fchrung. Sonst w\u00e4ren diese der schlimmen Versuchung des milit\u00e4rischen Abenteuers Ukraine nicht erlegen. Wie Lenin Polen, st\u00fcrmte Wladimir Putin arrogant die Ukraine, ohne intensive R\u00fccksprache mit seinen Milit\u00e4rs zu halten. Er t\u00e4uschte sich selber vor, seine Truppen seien in der Ukraine willkommen, nur um dort auf eine nationalistische Wut und Gegenwehr zu sto\u00dfen, auf die er \u00fcberhaupt nicht vorbereitet war. So wie Stalin, als dieser \u00fcber Finnland herfiel, vers\u00e4umte es Putin, die Kampff\u00e4higkeit und Bereitschaft seiner Gegner zu ber\u00fccksichtigen. Wie Breschnew, als der Afghanistan angriff, lie\u00df Putin die enormen wirtschaftlichen Schw\u00e4chen seines Landes v\u00f6llig au\u00dfer Acht. Und genau wie der d\u00fcmmliche Nikolai II, als der Japan angriff, sch\u00e4tzte Putin die F\u00e4higkeiten seiner Milit\u00e4rs falsch ein. Und wie Nikolai I., als dieser die T\u00fcrkei angriff, vers\u00e4umte Putin es, die m\u00f6glichen Reaktionen der Au\u00dfenwelt und der anderen Nationen richtig zu analysieren.<\/p>\n<p>Inwieweit sich die Ukrainer auf diesen Krieg vorbereitet haben, ist unklar. Nach dem Fehlen von ausreichend Luftschutzbunkern zu urteilen, hatten sie m\u00f6glicherweise \u00fcberhaupt keine vorgefasste Abwehrstrategie. Dennoch, egal wann und wie diese pl\u00f6tzlich erwuchs, gibt es jetzt eine ungef\u00e4hre Strategie und es ist diejenige, die Russland gegen Napoleon eingesetzt hat. Napoleon erwartete, der russischen Armee in einer \u00fcberschaubaren Frontalkollision der Art zu begegnen, auf die er seine Armee spezialisiert und eingestellt hatte. Die Russen unter Kutusow vermieden jedoch einen solchen Zusammensto\u00df und zogen Napoleon und seine Truppen stattdessen tief in ihr Hinterland. Dadurch \u00fcberstrapazierten sie die logistischen M\u00f6glichkeiten der Franzosen und bek\u00e4mpften die Grande Arm\u00e9e st\u00e4ndig mit Partisanen-Angriffen. Die Ukrainer haben Panzerschlachten und Luftk\u00e4mpfe vermieden, auf die sich die Russen offensichtlich vorbereitet hatten und lagen damit richtig. Putins Gener\u00e4le, Offiziere und Truppen haben dagegen kein Rezept f\u00fcr diesen Krieg gefunden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8506\" aria-describedby=\"caption-attachment-8506\" style=\"width: 678px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8506\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/NSbZN.png\" alt=\"\" width=\"678\" height=\"594\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/NSbZN.png 678w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/NSbZN-300x263.png 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 678px) 100vw, 678px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8506\" class=\"wp-caption-text\">Grab des unbekannten Soldaten in Kiew. Mahnmal f\u00fcr die Helden des 2. Weltkrieges. (Eingeweiht 1957.)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Putin trat die tiefe Erkenntnis mit F\u00fc\u00dfen, dass Russlands gro\u00dfe milit\u00e4rische Siege immer errungen wurden, wenn es galt, Eindringlinge auf dem Boden von \u201eM\u00fctterchen Russland\u201c abzuwehren. Wobei dem Land, egal ob es als Russland oder als Sowjetunion k\u00e4mpfte, in jenen K\u00e4mpfen und Kriegen noch weltweit Sympathien zuwuchsen. Der Feldzug in der Ukraine erzeugt das totale Gegenteil, macht Moskaus Regierung und Russland, nat\u00fcrlich vor allem Putin pers\u00f6nlich zu einem internationalen Paria. Aktuell verst\u00e4rkt sich jedenfalls t\u00e4glich der Eindruck, dass Wladimir Putin wie die Zaren von 1853 und 1905, wie Lenin im Jahr 1920, wie Stalin im Jahr 1939 und wie Breschnew im Jahr 1979 eine f\u00fcrchterliche Option w\u00e4hlte, welche in einer fatalen Niederlage m\u00fcnden kann. Unabh\u00e4ngig davon, wie dieser Krieg endet, die Ukraine verf\u00fcgt \u00fcber ausreichend Patriotismus und sehr viel Fl\u00e4che. F\u00fcr das nicht mehr ganz so m\u00e4chtige Russland ist der Brocken Ukraine schon jetzt zu gro\u00df zum Verdauen. Putins Politik k\u00f6nnte daran milit\u00e4risch und politisch ersticken, Russland ins Wanken kommen. L\u00e4ngst fern ab von jeder Chance auf Triumph oder Sympathie m\u00fcsste und sollte diese sich abzeichnende Aussicht Wladimir Putin langsam d\u00e4mmern. Daraus die richtigen Schlussfolgerungen ziehen, liegt einzig beim russischen Pr\u00e4sidenten. Wie weit dieser dazu \u00fcberhaupt noch in der Lage und Willens, es l\u00e4sst sich schwer sagen. Die Antwort wird jedenfalls die Gegenwart wie die n\u00e4here Zukunft in Europa wesentlich mitbestimmen und uns alle direkt oder indirekt \u00fcber viele Jahre betreffen.<\/p>\n<p><em><span style=\"font-size: 10pt;\">*Titelbild: \u201ePeter Bagration in der Schlacht von Borodino\u201c (Maler: Yurievich Averyanov)<\/span><\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eRuhm hat eine Halbwertszeit von 15 Minuten. Schande lebt etwas l\u00e4nger.\u201c So formulierte es als Bilanz eines Lebens der 2012 verstorbene ehemalige CBS Journalist Mike Wallace. 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