{"id":8722,"date":"2022-03-26T14:38:23","date_gmt":"2022-03-26T13:38:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=8722"},"modified":"2022-04-01T14:00:17","modified_gmt":"2022-04-01T12:00:17","slug":"wochenendsplitter-vi","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=8722","title":{"rendered":"Wochenendsplitter VI"},"content":{"rendered":"<p><span data-offset-key=\"34uph-0-0\">Man entkommt ihm nicht. Wladimir Putin bestimmt die Themenlage, ob nun der von ihm befohlene Einmarsch in die Ukraine, der stottert und stolpert, die Gr\u00f6\u00dfe von Konferenztischen oder die Suche westlicher Medien nach seinem Verteidigungsminister und Judokumpel. Sein Krieg, der sich vor Ort an der Front und in vielen Teilen der Welt mehr und mehr gegen den Verursacher und M\u00f6chtegernfeldherrn im Kreml wendet, ist in aller Munde. Wie auch anders? Kaum jemand, der nicht seinen t\u00e4glichen Senf dazu loswerden will. Im Kreml sa\u00dfen nie Milit\u00e4rexperten, eher Dilettanten, daf\u00fcr aber einige geniale Feldherren in der Roten Armee nach Tradition eines <\/span>Suworow oder Kutusow. <span data-offset-key=\"34uph-0-0\">Man denke nur an Marschall Schukow <\/span><span data-offset-key=\"34uph-2-0\">oder Armeegeneral Watutin. D<\/span>as russische Offizierskorps ist wohl auch nicht mehr, was es einmal war, man scheitert Tag um Tag mit dem, was einmal Offensive genannt wurde. Der aktive Widerstand der Ukraine koppelt sich mit dem offenbaren Unverm\u00f6gen der russischen Seite. Putin muss immer \u00f6fter, so er noch einen Nerv f\u00fcr rationale Gedankeng\u00e4nge hat, der legend\u00e4re Satz von Clausewitz durch den Kopf geistern, der auf den GERADEZU-Seiten schon oft zum Zuge kam: <em>\u201eNichts ist schwerer als der R\u00fcckzug aus einer unhaltbaren Position.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Wie s\u00e4he allerdings ein R\u00fcckzug f\u00fcr Putin aus? Pers\u00f6nliche Konsequenzen, damit ein anderer Pr\u00e4sident oder General dann einen oder mehrere Schritte zur\u00fcckgehen k\u00f6nnte? Schwer vorstellbar. Gibt es gar das Eingest\u00e4ndnis des Scheiterns? Eher unwahrscheinlich. Es k\u00f6nnte am Ende eher ein Verhandlungskompromiss mit einem wackeligen Burgfrieden herauskommen. Die Welt h\u00e4tte auf Jahrzehnte einen schwelenden Konflikt und ein arg empfindliches Pulverfass zus\u00e4tzlich. Darauf scheint es hinauszulaufen. Putin k\u00f6nnte damit durchaus den Halt verlieren, demn\u00e4chst sogar ein Chruschtschow-Schicksal erleben. F\u00fcr immer auf die Datscha geschickt von den eigenen Kumpanen. Bis sich etwas in irgendeine Richtung kl\u00e4rt, wird aktuell jedenfalls noch viel gestorben und gemordet werden, Leid \u00fcber Menschen kommen. So sieht die Fratze des Krieges eben immer aus. Spekulieren wir nicht weiter und richten den Blick auf ein anderes Thema, dem der Umwelt, des Klimas und der Erhaltung unserer Lebensgrundlagen. Offensichtlich \u00e4hnlich aus dem Medieninteresse gerutscht wie die Pandemie und Corona. War da etwas?<\/p>\n<figure id=\"attachment_8761\" aria-describedby=\"caption-attachment-8761\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8761\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOxc4MZXoAEY6FR-1024x576.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOxc4MZXoAEY6FR-1024x576.jpg 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOxc4MZXoAEY6FR-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOxc4MZXoAEY6FR-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOxc4MZXoAEY6FR.jpg 1448w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8761\" class=\"wp-caption-text\">Fridays for Future. (Foto: Twitter Luisa Neubauer)<\/figcaption><\/figure>\n<p><span data-offset-key=\"9l3ip-0-0\">Der zehnte Klimastreik von Fridays for Future ging jedenfalls eindrucksvoll \u00fcber die B\u00fchne. So stark der Auftritt eines Teils der Jugend in deutschen Gro\u00dfst\u00e4dten, so aussichtslos wohl leider deren Unterfangen. Man k\u00f6nnte sie fast als sonderbare Schw\u00e4rmer abtun im Angesicht von Realpolitik und den darin agierenden Weichenstellern aus Wirtschaft, Medien und Politik. L\u00e4ngst haben neoliberale Kr\u00e4fte und Eliten die Gefahren gebannt, die dem Kapitalismus durch Fridays for Future perspektivisch drohten, sich nach au\u00dfen geschmeidiger gegeben, um bei passender Gelegenheit die Signale wieder auf \u201eweiter so\u201c zu stellen. Pandemie und Putin lieferten die daf\u00fcr n\u00f6tigen Vorlagen. Die g\u00e4ngige Ausrede von der notwendigen <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-242\" data-entity-key=\"242\" data-offset-key=\"9l3ip-1-0\"><span data-offset-key=\"9l3ip-1-0\">Realpolitik nach<\/span><\/span><span data-offset-key=\"9l3ip-2-0\"> dem Motto \u201eWir w\u00fcrden ja gerne, aber wir k\u00f6nnen <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-244\" data-entity-key=\"244\" data-offset-key=\"9l3ip-3-0\"><span data-offset-key=\"9l3ip-3-0\">nicht, weil&#8230;<\/span><\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-244\" data-entity-key=\"244\" data-offset-key=\"9l3ip-5-0\"><span data-offset-key=\"9l3ip-5-0\">\u201c,<\/span><\/span><span data-offset-key=\"9l3ip-6-0\"> funktioniert zu allen Zeiten und in jeder Ge<\/span><span class=\"pad__overflow\"><span data-offset-key=\"9l3ip-7-0\">neration. <\/span><\/span><\/p>\n<p><span class=\"pad__overflow\"><span data-offset-key=\"9l3ip-7-0\">Luisa Neubauer, deutsche Mitorganisatorin von Fridays for Future, stellt zwar noch die richtigen Fragen und zieht kluge Schl\u00fcsse, das Echo darauf wird aber geringer. Konzernmedien haben l\u00e4ngst beschlossen, anderes tun zu wollen. Deren Formel hei\u00dft dann, es gibt wichtigere Dinge und bedeutendere Probleme. Wenn Gro\u00dfm\u00e4chte und Globalstrategen die Welt neu ordnen, sind Klima und Planet noch f\u00fcr formelhafte Parolen in Wahlk\u00e4mpfen gut, damit dann aber genug. Der Teil der Jugend, welcher engagiert, wird sich gen\u00fcgen m\u00fcssen oder beim Tanz auf dem Vulkan mitmachen, vielleicht resigniert zur Seite treten. Jener Teil der Jugend, der eher Gefallen an schnellen Autos und den daf\u00fcr n\u00f6tigen Autobahnen hat, ist schon f\u00fcr die gute Sache verloren und v\u00f6llig anders unterwegs als die demonstrierenden Altersgenossen. Dieser Teil folgt einfach der Wachstumsl\u00fcge und macht damit seinen Frieden. Der eigene Wohlstand oder was man daf\u00fcr h\u00e4lt und vorgegaukelt bekommt, ist eben wichtiger als Klima und Umwelt. Muss einem nicht gefallen, sollte man aber akzeptieren. So sind viele junge Menschen geworden, weil Vorg\u00e4ngergenerationen es ihnen so verblendend vorgelebt. Daher w\u00e4hlt dieser Teil der Jugendlichen wohl auch die FDP und findet sich in dem neoliberalen M\u00e4rchen von Teilhabe und Realpolitik wieder. Diese FDP, eindrucksvolle wie verheerende Taktgeberin in der Regierungskoalition k\u00fcmmert sich einen feuchten Kehricht um Umweltfragen oder gar das Klima und wird nicht umsonst von einem passionierten Porsche-Fahrer angef\u00fchrt. So schlicht sortiert sich manchmal die Welt. Genau jene Welt, die unsere Jugend in wichtigen \u00dcberlebensfragen so offensichtlich spaltet. Das Erwachen des Teils der eher nach Luxus haschenden Seite wird auch noch kommen. Wie immer in solchen F\u00e4llen zu sp\u00e4t. Als Trost wenigstens mit einem dicken Auto in der Garage.<\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_8730\" aria-describedby=\"caption-attachment-8730\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-8730\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOsi2_wXsAAauDu-1024x690.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"431\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOsi2_wXsAAauDu-1024x690.jpg 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOsi2_wXsAAauDu-300x202.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOsi2_wXsAAauDu-768x517.jpg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FOsi2_wXsAAauDu.jpg 1280w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8730\" class=\"wp-caption-text\">Eindrucksvoll. Vergebens. Fridays for Future am 25.03.2022 in Berlin. Respekt. (Foto: Twitter Luisa Neubauer)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Eine Partei, die sich gerne bei Fridays for Future bedient, betreibt gerade Realpolitik und hat andere Probleme, eben Wichtigeres zu tun. Nein, nicht die FDP, aber \u00e4hnlich schlimm. Die FDP mit Sonnenblume, manchen von uns auch als \u201eDie Gr\u00fcnen\u201c bekannt. Die schon erw\u00e4hnte Luisa Neubauer brachte in einem Interview der taz die gr\u00fcne Realpolitik auf einen \u00f6ffentlich sichtbaren Punkt: <em>\u201eWenn man \u2013 wie Wirtschaftsminister Robert Habeck \u2013 von Putins Gas wegwill und daf\u00fcr nach Katar reisen muss, steht man vor einer Systemfrage. Hier wie da finanzieren wir die Gegner der Demokratie und erh\u00f6hen das Risiko eines Klimakollapses. Um sich davon zu befreien, muss man die gro\u00dfen Hebel umsetzen und die Systeme \u2013 Energie, Mobilit\u00e4t, Landwirtschaft und so weiter \u2013 humanisieren, demokratisieren und dekarbonisieren.\u201c<\/em> Die Klimaaktivistin mag hierin richtig liegen, allerdings wird so etwas heutzutage ungern geh\u00f6rt, vom aktuellen Pathos um den Ukrainekrieg allenthalben \u00fcbert\u00f6nt. Im genannten Interview kommt sie au\u00dferdem noch zu der Erkenntnis, dass zur L\u00f6sung weltweiter Krisen auch die Systemfrage anzugehen ist, was ihr sicher im neoliberalen, also im Lager der realen Macht, keinerlei Freundschaften einbringt. Die junge Vork\u00e4mpferin von Fridays for Future ist jedenfalls weiter als viele der br\u00e4sigen Wohlstandsb\u00fcrger und Wachstumsgl\u00e4ubigen, hat erkannt, wie gef\u00e4hrlich richtig der Milliard\u00e4r Warren Buffett mit seiner zynischen Wahrheit lag, als er von dem aus seiner Sicht gr\u00f6\u00dften Krieg auf diesem Planeten sprach, dem der Reichen gegen die Armen, den seine Klasse der Reichen gewinnen wird. Wenn Jugendliche f\u00fcr diese Widernat\u00fcrlichkeiten noch ein Empfinden haben, liegt vielleicht doch ein kleines St\u00fcck Hoffnung in der Luft. Sonderbare Schw\u00e4rmer hin oder her. Jedenfalls sollte man diesem engagierten Teil der Jugend mit Respekt begegnen und ihnen dankbar sein.<\/p>\n<p>Noch realpolitischer als Robert Habeck, dessen Verbeugung vor einem gro\u00dfgewachsenen Ministerkollegen der katarischen Despotie ein bisschen an Diederich He\u00dfling erinnerte, zieht momentan Annalena Baerbock ihre Kreise. Von den Medien als eine gloriose Mischung aus Jeanne d\u2019Arc und \u201eMarschall Vorw\u00e4rts\u201c stilisiert, feiert man sie auf H\u00f6hen von Gustav Stresemann und Willy Brandt. Die sie da gerade so feiern, haben ihr noch vor wenigen Monaten jedwede Kompetenz f\u00fcr Politik abgesprochen, sie als Politikerin und Mensch diffamiert, dabei ihre Kanzlerkandidatur vom ersten Tag an mit Freuden und Herablassung torpediert. Nun jubeln sie. Ob Annalena Baerbock das Prinzip ihres neuen medialen Fanklubs kennt? Wer mit denen den Fahrstuhl nach oben nimmt, wird von diesen auch wieder nach unten gefahren. In Sachen ihrer Kanzlerkandidatur wurde das Fallbeispiel exzellent vorgef\u00fchrt. Hoffentlich erinnert sie sich noch an ihre Talfahrten, wenn sie in den k\u00fcnstlich herbeigeschriebenen H\u00f6hen unterwegs. Von Missstimmung aktuell nat\u00fcrlich keine Spur. Eher von h\u00f6heren Weihen. Das Medienorgan, welches mit Furor die Kanzlerkandidatin Baerbock jagte, wird diese, da sollte man dann nicht \u00fcberrascht sein, bestimmt f\u00fcr den Friedensnobelpreis vorschlagen. Unter dem machen die so etwas nicht. Auf der Nobelpreisplakette scheint der Name Wolodymyr Selenskyj schon eingraviert. Doch\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Sadat<\/span>\u00a0und\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Begin<\/span> haben sich das Ding auch geteilt. Nicht nur die beiden, wenn man zur\u00fcckdenkt. Woran unsere Au\u00dfenministerin auf keinen Fall mehr denken wird, ist ihre Wahlkampfforderung eines Boykotts der Fu\u00dfball-WM in Katar. Sie wollte dieser undemokratischen \u00d6l-Diktatur den Veranstaltungstriumph nicht g\u00f6nnen. Damit lag sie richtig und aufseiten des Anstandes. L\u00e4ngst vergessen. Die Betonung bei \u00d6l-Diktatur liegt eben auf \u00d6l und man muss nun noch Gas dazu tun. Der Rest erkl\u00e4rt sich von selbst. Realpolitik.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8736\" aria-describedby=\"caption-attachment-8736\" style=\"width: 864px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8736\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/thumbs_b_c_efaa305a58461c90fe50f82cde1c478c.jpg\" alt=\"\" width=\"864\" height=\"486\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/thumbs_b_c_efaa305a58461c90fe50f82cde1c478c.jpg 864w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/thumbs_b_c_efaa305a58461c90fe50f82cde1c478c-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/thumbs_b_c_efaa305a58461c90fe50f82cde1c478c-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 864px) 100vw, 864px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8736\" class=\"wp-caption-text\">N\u00e4chster Friedensnobelpreis an Wolodymyr Selenskyj und Annalena Baerbock? (Foto: Nobelpreisplakette)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Katar hat mit Putins Ukraine-Einmarsch den Blankoscheck der Reinwaschung f\u00fcr seine erkaufte WM gezogen, was man so Sechser im Lotto nennt. Wer will einem arabischen Energielieferanten Menschenrechtsverletzungen, tote Wanderarbeiter und die Diktatur vorhalten. Da darf man nun wirklich nicht kleinlich sein. Nebensieger dieser Tage auch ein schlimmer Lump des Weltsports, FIFA-Pr\u00e4sident Gianni Infantino. Kumpanei und Gaunerei mit dem Regime der Kataris haben sich gelohnt und ausgezahlt, vor allem f\u00fcr ihn. Seinen Wohnsitz verlegte er bereits nach Katar. Er hat nicht nur von der deutschen Au\u00dfenministerin keine Tr\u00fcbung seiner fr\u00f6hlichen WM-Vorfreude zu bef\u00fcrchten, auch die Fu\u00dfballwelt ist handzahm wie eh und je. Gut in Deutschland zu beobachten, wo Sportmedien tun, was sie immer taten, als n\u00fctzliche Idioten das Event Fu\u00dfball zu vermarkten und sich daf\u00fcr noch aktuelle und ehemalige Kurzbehoste des Gesch\u00e4ftes Fu\u00dfball als rhetorische Tanzb\u00e4ren an die Seite zu holen. Friede, Freude, Eierkuchen lautet die Devise. Da Menschenrechte keine Funktion auf der Playstation oder Thema in Tattoo-Studios, darf man Fu\u00dfballern das fehlende Wissen \u00fcber selbige nicht \u00fcbel nehmen. Von ihren Kumpeln aus den Sportredaktionen werden sie damit nat\u00fcrlich ebenfalls nicht behelligt. Der Ball bleibt so rund wie manche K\u00f6pfe hohl. In wenigen Lebensbereichen stimmt die Aussage \u201eErst kommt das Fressen, dann kommt die Moral&#8220; so nachhaltig wie im Brot und Spiele Universum Profifu\u00dfball.<\/p>\n<p>Es gibt in der l\u00e4ngst ausschlie\u00dflich vom Kommerz getriebenen Sportwelt, worin der Fu\u00dfball gewichtig, dennoch erstaunliche Ausnahmen. Der Formel 1 Pilot Lewis Hamilton, f\u00fcr die Marke Mercedes unterwegs und durch Autofahren so reich wie die Spitzenverdiener im Fu\u00dfball, machte schon beim Thema Rassismus den Mund sehr deutlich und vernehmlich auf. Darin echt engagiert und nicht so PR-peinlich wie die deutsche Bierhoff-Nationalmannschaft der Kurzbehosten. Der vielfache Multimillion\u00e4r Lewis Hamilton soll hier nicht ins Heldische verkl\u00e4rt werden. Er ist zentraler Teil des kreisenden PS-Zirkus, dem er sich nicht entzieht. Doch er \u00e4u\u00dfert darin wenigstens eigenst\u00e4ndig und nicht gelenkt oder gesteuert klare Meinungen, die weit \u00fcber die \u00fcblichen Belanglosigkeiten der Sportwelt hinausgehen. Schon eine ganze Menge in der oberfl\u00e4chlichen Welt des Kommerzsportes. So sagte er dieser Tage vor dem Formel 1 Event in Saudi-Arabien in aller \u00d6ffentlichkeit, dass er sich dort gerade wegen der Menschenrechtsverletzungen nicht wohlf\u00fchle. Von den Machern der Formel 1 oder Hamiltons Rennstall Mercedes war so etwas nicht zu vernehmen. Was sind schon die im laufenden Jahr bisher vollstreckten 108 Hinrichtungen in Saudi-Arabien gegen die Aussicht, das dicke Gesch\u00e4ft zu machen. Da darf man nun wirklich nicht so pingelig sein. Lewis Hamilton war es jedenfalls doch zu eklig und er machte aus seinem Herzen keine M\u00f6rdergrube, wof\u00fcr er Respekt verdient, zumal im Vergleich mit anderen Million\u00e4ren diverser Sportarten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8743\" aria-describedby=\"caption-attachment-8743\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8743\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/barbed-wire-g5fef55828_640.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/barbed-wire-g5fef55828_640.jpg 640w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/barbed-wire-g5fef55828_640-300x188.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8743\" class=\"wp-caption-text\">Menschenrechte. Kein Thema f\u00fcr Sportreporter und Kurzbehoste. (Collage: kalhh auf Pixabay)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Million\u00e4re und Milliard\u00e4re auch in Frankreichs Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf ein Thema. Keine Sportler, sondern jene von McKinsey &amp; Company, dem weltweit agierenden Beratungs- und Strategieunternehmen. Eine menschenverachtende Pr\u00e4torianergarde des Neoliberalismus mit einer \u00fcberschaubaren Angebotspalette an skrupellosen Ratschl\u00e4gen aus der Mottenkiste des Manchesterkapitalismus, die allerdings immer wieder gern geh\u00f6rt und genommen werden. Deren Grundpfeiler sind Sozialabbau, niedrige L\u00f6hne, Entlassungen, K\u00fcrzung von Sozialleistungen, keine Gesundheitsf\u00fcrsorge oder Bildung f\u00fcr die sozial schw\u00e4cheren Erdenb\u00fcrger sowie latente wirtschaftliche Daumenschrauben f\u00fcr Arme und die Unterschicht. Die Formel \u201eGeld ist alles, der Mensch ist nichts\u201c k\u00f6nnte gut als Motto zu dieser globalen Heuschrecke passen. F\u00fcr so etwas wird man nicht etwa weltweit ge\u00e4chtet und \u00fcber die Grenzen gejagt, sondern von Staaten engagiert und mit Steuergeldern gestopft. Manche B\u00fcrger in den neuen Bundesl\u00e4ndern werden sich wahrscheinlich noch mit Grauen an die scharfe Axt Treuhand erinnern und deren fatale Seitenbegleitung durch das Fallbeil McKinsey.<\/p>\n<p>Seit einigen Wochen trauen die Franzosen ihren Augen und Ohren nicht. Der franz\u00f6sische Staat hat \u00fcber die Regierung von Emmanuel Macron mindestens eine Milliarde Euro pro Jahr an Beratungsunternehmen gezahlt, um dessen Politik zu formulieren und angebliche Reformen zu entwickeln. Man wei\u00df sp\u00e4testens seit Schr\u00f6der in Deutschland und Blair in Gro\u00dfbritannien, was der eher harmlose Begriff Reformen bedeutet und welche fatale Auswirkungen diese auf das soziale Gef\u00fcge haben. Zu gro\u00dfen Teilen wurde dieses Geld der Regierung, also Steuergelder der franz\u00f6sischen B\u00fcrger, f\u00fcr McKinsey ausgegeben. Jenes Unternehmen McKinsey, welches den kleinen Leuten weltweit das Existenzminimum wegquatschen will, gerne Niedriglohnsektoren propagiert, also moderne Sklaverei, zahlt \u00fcbrigens in Frankreich keinen Cent Steuern, geschweige Euro. Der Mann, der die Unterzeichnung jenes Paktes zwischen McKinsey und der Regierung Frankreichs einget\u00fctet hat, ist kein Geringerer als Karim Tadjeddine, ein guter Bekannter, manche sagen sogar Freund von Pr\u00e4sident Macron. Neoliberale unter sich. Ein Twitter-Nutzer hat es auf einem franz\u00f6sischen Nachrichtenportal frustriert in folgende Worte gekleidet: <em>\u201eVerstehen wir alles \u00fcber diesen Staatsskandal, diese Misswirtschaft im Dienst von Freunden? Es m\u00fcsste zum Sturz der Regierung f\u00fchren, wenn wir in einer Demokratie leben w\u00fcrden.\u201c Nun w<\/em>ollen wir hier nicht mit dem erhobenen Finger nach Frankreich zeigen. Die Franzosen k\u00f6nnen die Dinge au\u00dferdem bald selbst regeln. Sofern sie \u00fcberhaupt wollen. Im April stehen Pr\u00e4sidentschaftswahlen an. Wir werden das Ergebnis sicher mitbekommen. Rechtes und linkes Lager sind vor dem ersten Wahlgang (10. April 2022) jeweils tief gespalten und in Grabenk\u00e4mpfe verwickelt. Daher liegt der neoliberale Amtsinhaber und Favorit Emmanuel Macron weiterhin in allen Umfragen sehr deutlich vorn. Die Kumpanei mit McKinsey schl\u00e4gt sich bisher nicht gegen ihn nieder. Doch der Unmut ist vernehmbar.<\/p>\n<figure id=\"attachment_8748\" aria-describedby=\"caption-attachment-8748\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-8748\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/short-feeler-insect-ga1bbf3eea_640.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"466\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/short-feeler-insect-ga1bbf3eea_640.jpg 640w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/short-feeler-insect-ga1bbf3eea_640-300x218.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-8748\" class=\"wp-caption-text\">Heuschrecken oder McKinsey. Verderben pflastert ihren Weg. (Montage: Alexas Fotos auf Pixabay)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein Buchtipp soll diesen Wochenendsplitter abschie\u00dfen. Sogar der irgendwie von Putin animiert. Haben wir mit ihm begonnen, enden wir eben auch mit ihm. Was hoffentlich kein Menetekel. Geraten wird zu einem alten Kultbuch. Da Putin unl\u00e4ngst mit dem Atomkn\u00fcppel drohte und \u00fcber Atombomben waberte<span class=\"hiddenGrammarError\">\u00a0&#8211;\u00a0<\/span>inzwischen wabern viele in Osteuropa mit<span class=\"hiddenGrammarError\">\u00a0&#8211;\u00a0<\/span>dabei nicht etwa unsichere Kernkraftwerke, sondern Atomwaffen meinte, soll ein pl\u00f6tzlich wieder sehr zeitgem\u00e4\u00dfes Buch aus dem Jahr 1956 empfohlen werden. \u201eHeller als tausend Sonnen\u201c wurde in Wiederauflage 2020 im Rowohlt Verlag ver\u00f6ffentlicht und ist auf dem Buchmarkt erh\u00e4ltlich. Der Journalist und Autor Robert Jungk, sp\u00e4ter \u201eZukunftsforscher\u201c genannt, schrieb das Buch 1956 als Warnung vor der Zerst\u00f6rung der Erde durch den nuklearen Wahnsinn, der gerade durch Schaffung von Atom- und Wasserstoffbomben Fahrt aufnahm. Die Abw\u00fcrfe \u00fcber Hiroshima und Nagasaki waren erst ein Jahrzehnt vergangen. Jungk <span data-offset-key=\"3ciq6-1-0\">beschreibt die Geschichte der Nuklearwaffen und ihrer Auswirkungen auf unser aller Leben und Zukunft am Beispiel ihrer Erschaffer, der genialen Physiker, die zu V\u00e4tern der Atombombe wurden. Jene also, \u00fcber die der geistige und organisatorische Kopf des Manhattan-Projektes (Der Bau der ersten Atombombe in den USA zwischen 1942 und 1945.) der amerikanische Atomphysiker und Leiter des Projektes Robert Oppenheimer einmal sagte <em>\u201eWir haben das Werk des Teufels getan.\u201c<\/em> Immer noch ein spannendes und kluges Buch, welches nur leicht angestaubt wirkt und dennoch teuflisch aktuell daherkommt. Ein Vorwort von Robert Habeck diente der Neuauflage offenbar als PR-Ma\u00dfnahme zum Zwecke des Verkaufs und wird sogar auf dem Cover gepriesen. Warum nicht, wenn es einer guten Sache dient. N\u00f6tig oder von Belang ist dieses Vorwort nicht. Das Buch spricht und steht weiterhin beachtlich f\u00fcr sich selbst.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-8754\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/9783498001797-667x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"983\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/9783498001797-667x1024.jpg 667w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/9783498001797-195x300.jpg 195w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/9783498001797-768x1180.jpg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/9783498001797-1000x1536.jpg 1000w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/9783498001797-1333x2048.jpg 1333w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/9783498001797.jpg 1600w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>*Titelbild: Hebi B. auf Pixabay<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Man entkommt ihm nicht. Wladimir Putin bestimmt die Themenlage, ob nun der von ihm befohlene Einmarsch in die Ukraine, der stottert und stolpert, die Gr\u00f6\u00dfe von Konferenztischen oder die Suche westlicher Medien nach<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":2960,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[231],"tags":[1661,217,485,1263,3379,347,915,2206,2362,32,3376,551,3367,3088,463,3380,893,1681,3381,2404,710,3372,3374,10,3378,3377,691,2543,3373,3368,128,1981,1609,809,1914,3370,1537,3030,3371,418,964,3382,2163,3059,1316,1777,3369,3375],"class_list":["post-8722","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-interessantes","tag-april","tag-blick","tag-buch","tag-cent","tag-company","tag-corona","tag-deutschland","tag-energie","tag-fahrer","tag-fdp","tag-formel","tag-frankreich","tag-future","tag-garage","tag-gruene","tag-heuschrecken","tag-interview","tag-jugend","tag-jungk","tag-katar","tag-klima","tag-krisen","tag-lump","tag-mann","tag-mckinsey","tag-mercedes","tag-milliardaere","tag-millionaere","tag-mobilitaet","tag-neubauer","tag-pandemie","tag-porsche","tag-position","tag-punkt","tag-putin","tag-realpolitik","tag-rueckzug","tag-sonnenblume","tag-systemfrage","tag-tage","tag-tanz","tag-themenlage","tag-trost","tag-ukraine","tag-umwelt","tag-universum","tag-vorlagen","tag-wanderarbeiter"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8722","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=8722"}],"version-history":[{"count":104,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8722\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":8837,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/8722\/revisions\/8837"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2960"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=8722"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=8722"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=8722"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}