{"id":9029,"date":"2022-04-04T11:19:00","date_gmt":"2022-04-04T09:19:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=9029"},"modified":"2022-04-10T15:16:02","modified_gmt":"2022-04-10T13:16:02","slug":"kassenschock-und-goldrausch","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=9029","title":{"rendered":"Kassenschock und Goldrausch"},"content":{"rendered":"<p>Wer eher klassisch unterwegs, seine Eink\u00e4ufe nicht im Netz erledigt und sich an die T\u00fcr bringen l\u00e4sst, der kann den Schock noch sehr direkt erleben. So man mit eint\u00f6niger Mattigkeit die Drogerie-, Super- oder Getr\u00e4nkem\u00e4rkte durchstreift und den \u00fcblichen 08\/15 Krempel in den Korb wirft, knallen einem die Preisspr\u00fcnge wie Gewehrkugeln um die Ohren. Was sich immer mit 1,99 \u20ac erwerben lie\u00df, bietet sich pl\u00f6tzlich mit 2,29 \u20ac an oder kommt nicht mehr f\u00fcr 9,95 \u20ac aus dem Regal, sondern nur noch f\u00fcr 10,95 \u20ac und so weiter und so fort. Jede Ware, die in den Korb wandert, steht unter der Parole der Stunde. Deren Devise hei\u00dft plump und schlicht alles wird teurer. So man nicht schon an der Zapfs\u00e4ule vom Schlag getroffen wurde, gibt\u2019s die erhellende Backpfeife eben an einem profanen Kassenband. Geht oder f\u00e4hrt man dann mit diesem Kassenschock Richtung seiner vier W\u00e4nde, k\u00f6nnte einem, weil die Brieftasche wesentlich leerer als geplant und erwartet, das gro\u00dfe Gr\u00fcbeln zur Besch\u00e4ftigung werden. Mit dem Preiswucher in der Einkaufst\u00fcte steigt der Gedanke an k\u00fcnftige Energie-, Heiz- und Nebenkostenabrechnungen sowie deutlich h\u00f6here Lebenshaltungskosten und verdirbt den Rest des Tages.<\/p>\n<p>Niemand muss an der Supermarktkasse zum Philosophen werden, den ganzen Marx kennen oder John Maynard Keynes gelesen haben, um sich an eine schlichte und hinl\u00e4nglich bekannte Erkenntnis zu erinnern. Vor unserer aller Augen geschieht einfach, was uns umgibt, purer und real existierender Kapitalismus. F\u00fcr dessen neoliberale Ausformung war und ist selbst Krieg ein blendendes Gesch\u00e4ft. Die Zauberformel lautet Gewinnmaximierung. Dieser Neoliberalismus macht gerade sehr viele Menschen aktuell und in naher Zukunft wesentlich \u00e4rmer. Das Leben der Unterschicht bis in die Mittelschicht hinein beginnt sich zu verdunkeln. In der Folge wird eine kleine Gruppe erneut sehr viel reicher. Unversch\u00e4mt reicher. Verarmung hier, Krisen- und Kriegsgewinnler dort. Das alte Lied der siegreichen Oberschicht klingt wieder lauter. Die sich darin tummelnden Multis sind in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis immer erst Milliard\u00e4re und Multimillion\u00e4re, nachrangig\u00a0 Menschen von unserem Schlag. Diese Eliten nur Oberschicht nennen, w\u00e4re arg untertrieben. Ihnen scheint die Sonne der Geldvermehrung gerade heller als je zuvor. Paradiesische Zust\u00e4nde allenthalben. Verderben und Krieg hatten zu allen Zeiten ihre Verlierer und Gewinner. In einer Gegenwart aus Pandemie (\u201eMaskendeals\u201c) und Krieg (R\u00fcstungsindustrie) hat sich daran nichts ge\u00e4ndert. Im Gegenteil. Die einen im Elend, die anderen mit \u00fcberquellender Kasse. Beispiel gef\u00e4llig? Aber gern. Dabei soll eine Studie der Hilfs- und Entwicklungsorganisationen Oxfam aus dem Januar 2022 helfen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9039\" aria-describedby=\"caption-attachment-9039\" style=\"width: 910px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9039\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/012_oxfamshop_hamburg-hoheluft_2015_10geburtstag_berndwilleke_0.jpg\" alt=\"\" width=\"910\" height=\"512\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/012_oxfamshop_hamburg-hoheluft_2015_10geburtstag_berndwilleke_0.jpg 910w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/012_oxfamshop_hamburg-hoheluft_2015_10geburtstag_berndwilleke_0-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/012_oxfamshop_hamburg-hoheluft_2015_10geburtstag_berndwilleke_0-768x432.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 910px) 100vw, 910px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9039\" class=\"wp-caption-text\">Oxfam: Die Armen nicht vergessen und den Reichen auf die Finger schauen. (Oxfam-Logo)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aus der Oxfam-Studie geht hervor, dass sich das Verm\u00f6gen der zehn reichsten Milliard\u00e4re in Zeiten der Pandemie zwischen M\u00e4rz 2020 und November 2021 verdoppelt hat, w\u00e4hrend zeitgleich mehr als 160 Millionen Menschen zus\u00e4tzlich in die Armut gerutscht sind. (Kleine Anmerkung: Mehr als 760 Millionen Menschen leben weltweit in bitterer Armut. Sie k\u00e4mpfen jeden Tag nur noch ums blanke \u00dcberleben. Jedes dritte Kind auf dieser Erde ist von sogenannter multidimensionaler Armut betroffen, also einem eklatanten Mangel an Nahrung, Wasser und Bildung.) Klingt nach glei\u00dfendem Elend und hat f\u00fcr viele nichts mit unseren Wohlstandssorgen zu tun. Weit gefehlt. Unsere Zahlen kommen gleich. L\u00e4ngst werden die beh\u00e4bigen B\u00fcrger Europas verbal und nicht nur an der Supermarktkasse auf Notzeiten eingestimmt. Eliten, Medien, Wirtschaftslenker und Politiker beschw\u00f6ren dabei formelhaft die Gemeinschaft. Eine Gemeinschaft, die l\u00e4ngst in Licht und Schatten geteilt. Ihr da oben &#8211; wir da unten. Schauen wir uns auf dem Platz an der Sonne die kraftstrotzenden zehn reichsten Milliard\u00e4re in unserem Land an. Hier wirkt das verlogene Wir-Gerede vom G\u00fcrtel, den wir doch bitte in kommender Not alle enger schnallen m\u00fcssen, besonders l\u00e4cherlich und deplatziert. Zum propagierten Wir-Gef\u00fchl sp\u00e4ter mehr. Jetzt erst weiter mit der umf\u00e4nglichen Oxfam-Analyse, den Milliard\u00e4ren und uns. Diese Studie besch\u00e4ftigte sich nat\u00fcrlich sehr dezidiert auch mit Deutschland und stellte dabei fest: <span data-offset-key=\"dhe95-2-0\"><em>\u201eIn Deutschland nehme die sehr starke Konzentration der Verm\u00f6gen ebenfalls weiter zu. Die zehn reichsten Personen h\u00e4tten ihr Verm\u00f6gen seit Beginn der Pandemie von umgerechnet rund 125 Milliarden Euro auf etwa 223 Milliarden Euro gesteigert. Somit um rund 78 Prozent. Dieser Gewinn entspreche ann\u00e4hernd dem Gesamtverm\u00f6gen der \u00e4rmsten 40 Prozent, also von 33 Millionen Deutschen. Die Armutsquote in Deutschland erreiche derweil mit etwa 16 Prozent und mehr als 13 Millionen Menschen einen H\u00f6chststand.\u201c<\/em> Wieder ein wunderbares Beispiel f\u00fcr eine Gemeinschaft und deren Wir-Gef\u00fchl.<\/span><\/p>\n<p><span data-offset-key=\"dhe95-2-0\">Ein Sprecher von Oxfam Deutschland brachte es bei Vorstellung der Studie auf den Punkt:\u00a0<em><span class=\"hiddenGrammarError\">\u201e<\/span>F\u00fcr Milliard\u00e4re gleicht die Pandemie einem Goldrausch. Regierungen haben Milliarden in die Wirtschaft gepumpt, doch ein Gro\u00dfteil ist bei Menschen h\u00e4ngen geblieben, die von steigenden Aktienkursen besonders profitieren. W\u00e4hrend ihr Verm\u00f6gen so schnell w\u00e4chst wie nie zuvor und einige von ihnen Ausfl\u00fcge ins All unternehmen, hat die weltweite Armut drastisch zugenommen.<span class=\"hiddenGrammarError\">&#8220; <\/span><\/em><span class=\"hiddenGrammarError\">Der auf den GERADEZU-Seiten regelm\u00e4\u00dfig erinnerte Glaubenssatz des Multimilliard\u00e4rs Warren Buffett von den Reichen, die Krieg gegen die Armen f\u00fchren und diesen Krieg auch gewinnen, wird Tag um Tag, Stunde um Stunde immer wieder auf das Schrecklichste best\u00e4tigt. S\u00e4mtliche Zeiten \u00fcberdauernde Worte und Wahrheiten sprachen einst nicht Milliard\u00e4re, sondern denkende Freigeister. Im Fr\u00fchjahr 1834 prangerte der famose Georg B\u00fcchner, Dichter von \u201eDantons Tod\u201c, in einer Flugschrift die Verschwendungssucht der Reichen und M\u00e4chtigen an und formulierte darin einen der gro\u00dfen S\u00e4tze der Menschheit: <\/span><span class=\"hiddenGrammarError\">\u201eFriede den H\u00fctten! Krieg den Pal\u00e4sten!\u201c <\/span><\/span><span data-offset-key=\"dhe95-2-0\"><span class=\"hiddenGrammarError\">Bewusst oder unbewusst ist B\u00fcchner damit nah am Neuen Testament und Lukas <span id=\"decorator-corrected-entity-id-31\" data-entity-key=\"31\" data-offset-key=\"dhe95-1-0\">12(49), worin<\/span> Jesus in Betrachtung der Verh\u00e4ltnisse von Herr und Knecht fast revolution\u00e4rer Zorn zugeschrieben wird: <em>\u201eIch bin gekommen, Feuer auf die Erde zu werfen; was wollte ich lieber, als dass es schon brennte!&#8220; <\/em>Ernst Bloch wies darauf 1967 in seiner Friedenspreisrede in der Frankfurter Paulskirche eindrucksvoll und wortgewaltig auf diesen zornigen Jesus hin.<\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_9060\" aria-describedby=\"caption-attachment-9060\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9060\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/boat-g6fb8382cc_640.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/boat-g6fb8382cc_640.jpg 640w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/boat-g6fb8382cc_640-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/boat-g6fb8382cc_640-600x400.jpg 600w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9060\" class=\"wp-caption-text\">Edelyacht. Accessoire der Superreichen. Keine Not durch Nebenkosten. (Foto: Peter H auf Pixabay)<\/figcaption><\/figure>\n<p><span data-offset-key=\"e37ka-6-0\"> Die globale Pandemie hat Milliard\u00e4re reicher gemacht, als sie es je waren. Nun ist zus\u00e4tzlich ein Krieg im Gange, der f\u00fcr diese Kaste der Superreichen nach dem Goldrausch noch den Kriegsgewinn bringt. Wer daran zweifelt, muss sich nur die B\u00f6rse anschauen. Dort schie\u00dfen die Aktienkurse s\u00e4mtlicher R\u00fcstungskonzerne in die H\u00f6he, die Profite der Multis gehen durch die Decke. Glaubt ernsthaft jemand, dass Handels- und Versorgungsriesen, die ihre Kunden gerade schr\u00f6pfen, \u00e4rmer werden und am Ende Geld verlieren, gar der Gemeinschaft dienen? Sie werden tun, was sie immer tun, sich in der Krise dumm und d\u00e4mlich verdienen. Auch die \u00d6lmultis werden an ihren Tankstellen nicht verarmen, sondern sagenhafte Profite einstreichen. Der gro\u00dfe Rest, also die Art Gemeinschaft, welche keine Wahl hat gegen diese Vereinnahmung, das Millionenheer normaler Menschen, bekommt derweil keine Profite, sondern Erkl\u00e4rungen, warum der G\u00fcrtel k\u00fcnftig enger zu schnallen ist. Diese Worte helfen nicht und f\u00fcllen keinen sich schneller leerenden Geldbeutel, aber sie klingen sch\u00f6n und staatstragend, sogar leicht patriotisch. Wer es meisterhaft versteht, den Eindruck einer Gemeinschaft zu erwecken, die sich in Gesamtheit nun warm anziehen und auf Einschr\u00e4nkungen einstellen muss, ist unser Klima- und Wirtschaftsminister Robert Habeck. Er wei\u00df Worte trefflich zu setzen, was sich dann wie folgt anh\u00f6rt: <em>\u201eWir werden dadurch \u00e4rmer werden, die Gesellschaft wird es tragen m\u00fcssen. Die Frage ist, wie wir das gerecht verteilen, aber dass es ohne Kosten f\u00fcr die Gesellschaft ausgeht, ist nicht denkbar! Der Preis ist aber im Vergleich zur Ukraine klein genug!\u201c <\/em>Da ist es wieder: WIR!<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_9058\" aria-describedby=\"caption-attachment-9058\" style=\"width: 1024px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9058\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/sendungsbild-921363__v-gross20x9.jpg\" alt=\"\" width=\"1024\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/sendungsbild-921363__v-gross20x9.jpg 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/sendungsbild-921363__v-gross20x9-300x135.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/sendungsbild-921363__v-gross20x9-768x345.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9058\" class=\"wp-caption-text\">Robert Habeck: Wen der Minister beim tragen von Kosten und Lasten mit \u201ewir\u201c meint, darf geraten werden. (Screenshot: ARD-Tagesthemen)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Wir werden \u00e4rmer, da prognostiziert er richtig. Wir merken es schon. Zum \u201ewir\u201c geh\u00f6ren die unteren Schichten und l\u00e4ngst die Mittelschicht. Wer in seinen Ausf\u00fchrungen mit dem \u201ewir\u201c nichts anfangen muss, uninteressiert wegh\u00f6rt, weil nicht betroffen, erkl\u00e4rt Minister Habeck nat\u00fcrlich nicht. Wir ahnen es l\u00e4ngst. Multimilliard\u00e4re, Multimillion\u00e4re, \u00d6lgiganten, Handelsriesen, R\u00fcstungsprofiteure, um einige aus der Oberschicht zu benennen, werden nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht \u00e4rmer, sie werden extrem reicher. Diese elit\u00e4re Oberschicht in eine Gesellschaft (Gemeinschaft) hineinreden, die aktuell und k\u00fcnftig Kosten tr\u00e4gt, w\u00e4re eine schwere Verh\u00f6hnung derjenigen, denen Lasten allein aufgeb\u00fcrdet werden, die sie t\u00e4glich l\u00e4ngst auf ihren Schultern sp\u00fcren und tragen m\u00fcssen. Es geh\u00f6rt zur Redlichkeit und k\u00f6nnte Habeck ehren, wenn er diese Wahrheit ausspricht und offen anerkennt, dass die Superreichen wie immer nichts beitragen werden. An dieser Stelle m\u00fcsste man Habeck nochmals vehement auf Oxfam und die oben erw\u00e4hnte Verm\u00f6genssteigerung um 78 Prozent bei den zehn reichsten Deutschen hinweisen. Sicher liegt die Studie in seinem Haus vor. Bevor er erneut die Worte wir und Gesellschaft \u00f6ffentlich einbringt, sollte ihm ein Blick in diese Abhandlung durchaus Aufkl\u00e4rung bieten. Dann w\u00fcrde er vielleicht schonungslos ehrlich von den kleinen Leuten reden, die k\u00fcnftige Lasten und Kosten allein zu tragen haben, deren Leben schlechter wird. Zugleich die Multimilliard\u00e4re und Multimillion\u00e4re benennen, die davon v\u00f6llig unber\u00fchrt weiter dem rapiden Anwachsen ihres Verm\u00f6gens beiwohnen und sich um Worte wie Gesellschaft und Gemeinschaft einen Dreck scheren.<\/p>\n<blockquote><p>Armut besch\u00e4mt nicht die betroffenen Menschen, Armut besch\u00e4mt die Gesellschaft. (Ruth Dreifuss, ehemalige Schweizer Bundespr\u00e4sidentin)<\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich soll den Multimilliard\u00e4ren und Multimillion\u00e4ren in ihrem schweren Leben aus Saus und Braus auch Gerechtigkeit widerfahren. Diesen Versuch hat das Springerblatt \u201eWelt\u201c schon vor drei Jahren huldvoll in Angriff genommen. Hier ein Auszug, bei dem es sich tats\u00e4chlich nicht um Satire handelt: <em>\u201eIn den USA oder bei den Briten genie\u00dfen wohlhabende Leute ein hohes Ansehen. Und bei uns? Da wird das Reichsein mit Eigenschaften wie egoistisch, gierig und r\u00fccksichtslos verkn\u00fcpft. Auch weil der gemeine Deutsche keine Million\u00e4re kennt. Die Mehrheit der Deutschen hat ein \u00fcberaus negatives Bild von den Reichen. Wer zu Geld gekommen ist, gilt hierzulande gemeinhin als egoistisch, materialistisch und r\u00fccksichtslos. H\u00e4ufiger als andere Nationen werden in Deutschland die Superreichen \u00fcberdies f\u00fcr viele Probleme der Welt wie Finanzkrisen und humanit\u00e4re Katastrophen verantwortlich gemacht.&#8220;<\/em> Hier schnappt der gemeine Deutsche nach Luft. Sobald er diese wiedergefunden hat, kommt ihm eine Idee. Man k\u00f6nnte doch einen Spendenfonds f\u00fcr Superreiche auflegen, woraus diese f\u00fcr die Herzlosigkeit entsch\u00e4digt werden, die ihnen das gemeine Volk so entgegenbringt. Wem Springers \u201eWelt\u201c noch nicht genug Kabarett bereitet, der kann gern noch in eine Ausgabe (2019) des Manager-Magazins schauen. Dort finden sich leidende Geschwister. Arm dran, auch sie. Susanne Klatten (Verm\u00f6gen: 25,6 Milliarden US-Dollar) und der \u00e4rmere Bruder Stefan Quandt (Verm\u00f6gen: 21,8 Milliarden US-Dollar) mit wunderbaren S\u00e4tzen f\u00fcr jedes Poesiealbum: <em>\u201eViele Menschen denken, das Geld fliegt einem irgendwie zu.\u201c<\/em> (Wenn es den Quandts doch nur zugeflogen w\u00e4re. L\u00e4ngst kennt man eben die ganze Geschichte und daher auch den ekelhaft braunen Teil.) Der sch\u00f6nste Satz im Gestr\u00fcpp des gro\u00dfen Leidens dieser Multimilliard\u00e4re, ein echtes Sahneh\u00e4ubchen: <em>\u201eWer w\u00fcrde denn mit uns tauschen wollen?\u201c<\/em> Glaubt Minister Habeck wirklich allen Ernstes, solche verdrehten Leute werden irgendwann mit der Gemeinschaft Opfer bringen, \u00e4rmer werden, ein Teil von seinem WIR werden? Die Frage darf sich jeder selbst beantworten. An dieser Stelle verlassen wir die armen und bedauernswerten Reichen, bevor uns Mitleid und Tr\u00e4nen \u00fcbermannen und springen nochmals in die Unw\u00e4gbarkeiten der aktuellen Gesellschafts- und Weltlage.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9057\" aria-describedby=\"caption-attachment-9057\" style=\"width: 752px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9057\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNy7c7_XMAAWMxE.jpg\" alt=\"\" width=\"752\" height=\"1000\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNy7c7_XMAAWMxE.jpg 752w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/FNy7c7_XMAAWMxE-226x300.jpg 226w\" sizes=\"auto, (max-width: 752px) 100vw, 752px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9057\" class=\"wp-caption-text\">Das bedauernswerte Elend der Reichen im Hochglanzformat.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Kleiner Mann, was nun? Keine Ahnung. Die Zukunft wird hart, weil teuer. Irgendwie ist immer noch Pandemie, so man den daf\u00fcr erhobenen Daten glaubt und sehenden Auges durch den Alltag streift. Begriffe wie Hotspot (Hamburg wurde gerade zu einem erhoben.) und Inzidenzen geistern weiter berechtigt durch unser Leben. Es bleibt weiterhin klug sich im \u00f6ffentlichen Raum mit Maske zu bewegen, wobei Klugheit nicht nur in dem Feld rapide abnimmt. Wie diese Pandemie sind der Klimawandel und die latente Zerst\u00f6rung der globalen Lebensgrundlagen nur noch Randthemen. Kriegsgrauen, Kiew, die Ukraine und vielerlei Putin-Deutung haben l\u00e4ngst thematisches Oberwasser. Der Krieg frisst nicht nur den Frieden. Der gesellschaftlich und politisch \u00e4u\u00dferst engagierte Fu\u00dfballer <span class=\"hiddenSpellError\">H\u00e9ctor<\/span>\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Beller\u00edn<\/span><span class=\"hiddenSpellError\">\u00a0(Arsenal London\/Betis Sevilla), in seinem Berufsumfeld damit eine gro\u00dfe Ausnahme, <\/span>fragte dieser Tage \u00f6ffentlich, <em>\u201ewarum Russlands j\u00fcngster Einmarsch in die Ukraine im Vergleich zu Konflikten in anderen Teilen der Welt gr\u00f6\u00dfere Aufmerksamkeit in den Medien erhalten hat\u201c<\/em> und nannte den Krieg im Jemen als Beispiel. Man k\u00f6nnte ihm zurufen, Medien haben eben ihre Priorit\u00e4ten, Interessen und Geldgeber. Ihm noch den freundlichen Hinweis geben, dass er sich mit solchen Fragen momentan keine Freunde macht. Dieser politisch sehr wachsame <span class=\"hiddenSpellError\">H\u00e9ctor<\/span>\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Beller\u00edn <\/span>wird durchaus vernehmen, wie sich die Granden der Kommunistischen Partei Chinas und die weltweite Kaste der Multimilliard\u00e4re zeitgleich die H\u00e4nde reiben und ihre H\u00f6henfl\u00fcge kaum fassen k\u00f6nnen. Beide, China und Milliard\u00e4re, ohne jede Frage schon jetzt die ganz gro\u00dfen Gewinner des Ukrainekonflikts. Diese v\u00f6llige Absurdit\u00e4t von Gemeinsamkeit in Gang gesetzt zu haben, kann sich Wladimir Putin auf die Fahne schreiben, was das ganze Ausma\u00df seiner Fehleinsch\u00e4tzung offenlegt. Er war unfreiwillig, was den Sieg Chinas und den Profit der Multimilliard\u00e4re anbelangt, ein willkommener Diener dieser zweier Herren und darin erfolgreicher als mit seinem verfehlten Feldzug und der von ihm betriebenen und desorientiert wirkenden Politik. Am ehesten f\u00e4llt einem in der Angelegenheit von Strategie und Taktik russischer Politiker und Milit\u00e4rs das Wort Chaos ein. Den Superreichen rund um den Erdball hat Russlands Vorgehen jedenfalls umf\u00e4nglich in die H\u00e4nde gespielt, wie diese es sich in ihren k\u00fchnsten Tr\u00e4umen nicht erhoffen konnten. Sie sind, wo sie immer sind und Putin so gerne w\u00e4re, auf der Siegerstra\u00dfe der Geschichte.<\/p>\n<blockquote><p>Die Welt hat genug f\u00fcr jedermanns Bed\u00fcrfnisse, aber nicht f\u00fcr jedermanns Gier. (Mahatma Gandhi)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p><\/blockquote>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>*Titelbild: Steve Buissinne auf Pixabay<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer eher klassisch unterwegs, seine Eink\u00e4ufe nicht im Netz erledigt und sich an die T\u00fcr bringen l\u00e4sst, der kann den Schock noch sehr direkt erleben. 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