{"id":9413,"date":"2022-04-07T19:53:33","date_gmt":"2022-04-07T17:53:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=9413"},"modified":"2022-04-10T09:47:31","modified_gmt":"2022-04-10T07:47:31","slug":"in-zeiten-von-kriegsverbrechen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=9413","title":{"rendered":"In Zeiten von Kriegsverbrechen"},"content":{"rendered":"<p>Welche Morde, Hinrichtungen und Verbrechen an Zivilisten auch immer in Butscha ver\u00fcbt wurden. Es ist zu hoffen, die Wahrheit dar\u00fcber gelangt irgendwann vollst\u00e4ndig ans Licht und Schuldige werden bestraft und zur Verantwortung gezogen. Doch Kriegsverbrecher, ob nun die kleinen Erf\u00fcllungsgehilfen mit Bajonetten und Patronen oder die gro\u00dfen Schreibtischt\u00e4ter mit edlen F\u00fcllfederhaltern, kommen leider seit ewigen Zeiten oftmals davon. Pol Pot und <span class=\"hiddenSpellError\">Idi<\/span> Amin starben unbehelligt in ihren eigenen Betten. Nat\u00fcrlich gab es N\u00fcrnberg und gibt es Den Haag. Immerhin. Vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Holland landeten allerdings weder George Walker Bush noch Sir Anthony Charles Lynton Blair wegen eines v\u00f6lkerrechtswidrigen Krieges, noch wird Wladimir Wladimirowitsch Putin vor selbigen Schranken stehen und sich f\u00fcr Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten m\u00fcssen. Anderes zu glauben oder zu hoffen, w\u00e4re arg naiv. Wir in Deutschland sollten dar\u00fcber nicht die Nase r\u00fcmpfen. Nach dem 2. Weltkrieg haben in unserem Land viele Kriegsverbrecher und Massenm\u00f6rder nicht nur ihr Auskommen gefunden, sondern sind hochbetagt und berentet friedlich in ihren Betten verblichen. Diese Schande klebt an uns. Wie Brecht sagte, besudelt sitzen wir unter den V\u00f6lkern. Was die Verbrechen anderer nicht relativiert oder besser macht. Die Gr\u00e4ueltaten von Butscha werden in unseren Medien und Landen in einiger Deutlichkeit und umf\u00e4nglich im Minutentakt beschrieben und erg\u00e4nzt. Sie sind sehr gegenw\u00e4rtig. Wo dabei die Wahrheit liegt oder wir der einen oder anderen Propaganda aufsitzen, l\u00e4sst sich zum jetzigen Zeitpunkt einfach nicht sagen.<\/p>\n<p>Hier soll Platz sein f\u00fcr eine Schilderung der New York Times und von deren investigativen Reporter Evan Hill, der einst einen Pulitzer-Preis f\u00fcr seine Berichterstattung \u00fcber Russlands Bombardierung von Krankenh\u00e4usern in Syrien bekam. (Man k\u00f6nnte jetzt fragen, ob es auch Pulitzer-Preise f\u00fcr die Berichterstattung \u00fcber zivile Opfer durch US-Drohnen im gesamten Nahen Osten gibt, was aber vielleicht zynisch r\u00fcberkommen k\u00f6nnte. Die ARD-Tagesschau vom 19.12.2021 formulierte es so: <em>\u201eBei Drohnenangriffen im Nahen Osten nehmen US-Streitkr\u00e4fte offenbar verheerende Folgen f\u00fcr Zivilisten fahrl\u00e4ssig in Kauf.\u201c<\/em>) Evan Hill jedenfalls ist ein international anerkannter Reporter mit ausgezeichnetem Recherchegesp\u00fcr. Es sei bitte noch deutlich gesagt. Der Blick auf die mutma\u00dflichen Kriegsverbrechen aller Konfliktparteien soll nicht irgendetwas relativieren oder gar vergleichen, wer besser, schlimmer und grausamer als der jeweilige Feind. Solche Kategorien verbieten sich aus Respekt vor allen Opfern des Krieges. Hier geht es um die grunds\u00e4tzlichen Gr\u00e4uel des Krieges anhand eines Kapitels, welches in unserer Medienlandschaft nicht sonderlich breiten Raum fand. \u00c4hnlich wie im Fall Butscha ist es hierbei ebenfalls f\u00fcr Normalverbraucher und gew\u00f6hnliche Erdenb\u00fcrger nahezu unm\u00f6glich, den Wahrheitsgehalt zu erkennen. In Sachen Kriegsberichterstattung ist man diversen Interessengruppen ausgeliefert sowie vielf\u00e4ltigen Quellen von sehr unterschiedlicher Qualit\u00e4t. Deswegen ist es nicht verwerflich, in allen F\u00e4llen seine Zweifel zu behalten und keine vorschnellen Urteile zu f\u00e4llen, bevor unumst\u00f6\u00dfliche Beweislagen die T\u00e4ter eindeutig entlarven. Was zugegebenerma\u00dfen in einem Krieg nicht vollst\u00e4ndig m\u00f6glich oder zumindest au\u00dferordentlich schwer. Nun geht das Wort jedenfalls an die New York Times und deren Reporter Evan Hill mit einem Bericht vom 6. April 2022:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-large wp-image-9416\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/new-york-times-logo-large-e1439227085840-1024x305.jpeg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"191\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/new-york-times-logo-large-e1439227085840-1024x305.jpeg 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/new-york-times-logo-large-e1439227085840-300x89.jpeg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/new-york-times-logo-large-e1439227085840-768x228.jpeg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/new-york-times-logo-large-e1439227085840.jpeg 1200w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/p>\n<p><em>Ein am Montag online gestelltes und von der New York Times best\u00e4tigtes Video scheint eine Gruppe ukrainischer Soldaten zu zeigen, die gefangene russische Soldaten au\u00dferhalb eines Dorfes westlich von Kiew t\u00f6ten. &#8222;Er lebt noch. Filmen Sie diese Pl\u00fcnderer. Schau, er lebt noch. Er schnappt nach Luft\u201c, sagt ein Mann, als ein offensichtlich verwundeter russischer Soldat mit einer Jacke \u00fcber dem Kopf noch atmet. Ein Soldat schie\u00dft dann zweimal auf den Mann. Nachdem der Mann sich weiter bewegt hat, schie\u00dft der Soldat erneut auf ihn und er bleibt stehen. Mindestens drei weitere offensichtliche russische Soldaten, darunter einer mit einer offensichtlichen Kopfwunde, dem die H\u00e4nde auf dem R\u00fccken gefesselt sind, sind tot in der N\u00e4he des Opfers zu sehen. Alle tragen Tarnanz\u00fcge, und drei haben wei\u00dfe Armb\u00e4nder, die \u00fcblicherweise von russischen Truppen getragen werden. Ausr\u00fcstung ist um sie herum verstreut und es gibt Blutflecken in der N\u00e4he des Kopfes jedes Mannes. Die Soldaten liegen auf der Stra\u00dfe, nur wenige Meter von einem BMD-2 entfernt, einem Sch\u00fctzenpanzer, der von russischen Luftlandeeinheiten eingesetzt wird. Einigen wurden offenbar Jacken, Schuhe oder Helme ausgezogen. Weiter die Stra\u00dfe hinauf sind weitere zerst\u00f6rte Fahrzeuge zu sehen. <\/em><\/p>\n<p><em>Das Video wurde auf einer Stra\u00dfe n\u00f6rdlich des Dorfes Dmytrivka gedreht, etwa 11 km s\u00fcdwestlich von Butscha, wo die Entdeckung von Hunderten von Leichen von Menschen in Zivilkleidung in den letzten Tagen zu Anschuldigungen gef\u00fchrt hat, dass russische Truppen Zivilisten auf ihrem R\u00fcckzug get\u00f6tet haben. <\/em><em>Die Morde scheinen das Ergebnis eines ukrainischen Hinterhalts einer russischen Kolonne gewesen zu sein, der am oder um den 30. M\u00e4rz stattfand, als sich russische Truppen aus kleinen St\u00e4dten westlich von Kiew zur\u00fcckzogen, die wochenlang Schauplatz heftiger K\u00e4mpfe waren. <\/em><\/p>\n<p><em>Oz Katerji, ein freiberuflicher Journalist, postete am 2. April Videos und Bilder der zerst\u00f6rten Kolonne auf Twitter und schrieb, Soldaten h\u00e4tten ihm gesagt, die Russen seien 48 Stunden zuvor \u00fcberfallen worden. Auch das ukrainische Verteidigungsministerium twitterte \u00fcber die Zerst\u00f6rung des russischen Konvois und nannte es \u201ePr\u00e4zisionsarbeit\u201c der ukrainischen Streitkr\u00e4fte. \u201eDas sind nicht einmal Menschen\u201c, sagt ein ukrainischer Soldat in dem Video, w\u00e4hrend er zwischen den zerst\u00f6rten Fahrzeugen umhergeht, und f\u00fcgt hinzu, dass zwei russische Leutnants gefangen genommen wurden. Die ukrainischen Soldaten sind an ihren Hoheitsabzeichen und blauen Armbinden zu erkennen und wiederholen mehrfach \u201eRuhm der Ukraine\u201c. Ihre Einheit ist unklar, aber in dem Video des Mordgeschehens bezeichnet einer der M\u00e4nner einige von ihnen als \u201e<span class=\"hiddenSpellError\">Belgravia-Jungs<\/span>\u201c, was sich wahrscheinlich auf eine Wohnsiedlung namens\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Belgravia<\/span>\u00a0bezieht, die sich einige hundert Meter von dem Vorfall entfernt befindet. Eine ukrainische Nachrichtenagentur, die am 30. M\u00e4rz ein Video \u00fcber die Folgen des Hinterhalts ver\u00f6ffentlichte, beschrieb es als die Arbeit der \u201eGeorgischen Legion\u201c, einer paramilit\u00e4rischen Einheit georgischer Freiwilliger, die sich 2014 formierte, um f\u00fcr die Ukraine zu k\u00e4mpfen.<\/em><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\">*Titelbild: Zerst\u00f6rungen in Butscha. (Screenshot: Nachrichtenkanal TV2-Frankreich)<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Morde, Hinrichtungen und Verbrechen an Zivilisten auch immer in Butscha ver\u00fcbt wurden. 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