{"id":9749,"date":"2022-04-13T20:49:47","date_gmt":"2022-04-13T18:49:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=9749"},"modified":"2022-04-16T21:54:30","modified_gmt":"2022-04-16T19:54:30","slug":"eselei-statt-berichterstattung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.geradezu.de\/?p=9749","title":{"rendered":"Frankreichbild in Schieflage"},"content":{"rendered":"<p>Immer \u00f6fter stehen jene, die andere als Demagogen und Populisten brandmarken, mit genau diesen Unarten nicht vor, sondern hinter Kamera und Mikro, verkleiden sich dabei im Gewand von Journalisten als objektive Berichterstatter. Ein Sachverhalt, der sich aktuell in Sachen Frankreich aufdr\u00e4ngt, ist ein kollektives Versagen der Berichterstattung, weil die Berichterstatter eindimensional unterwegs und dabei wirken, als w\u00e4ren sie Hausangestellte einer politischen Richtung oder Transporteure eines bestellten Weltbildes. \u201eSchreiben, was ist\u201c einst die Devise von Rudolf Augstein und von allen, die f\u00fcr ihn arbeiteten. Heute wird dagegen von Journalisten zu oft geschrieben und gesagt, was sie selber gerne h\u00e4tten. Meinung und Kommentar stehen \u00fcber der Nachricht, leider oftmals auch neben der Realit\u00e4t. So bekommen wir Medien-Konsumenten oft eine Welt ins Haus, die in Wirklichkeit v\u00f6llig anders. Im Zuge der Pr\u00e4sidentenwahl in Frankreich wurde dies auf erschreckende Weise offenkundig und greifbar.<\/p>\n<p>Tucholsky war von den Reportagen seines Kollegen Kisch aus fernen L\u00e4ndern stets begeistert, wof\u00fcr es einen bemerkenswerten Grund gab: <em>\u201eE. E. Kisch hat eine Eigent\u00fcmlichkeit, die ich immer sehr bejaht habe: Er sieht sich in fremden L\u00e4ndern allemal die Gef\u00e4ngnisse an. Denn ma\u00dfgebend f\u00fcr eine Kultur ist nicht ihre Spitzenleistung; ma\u00dfgebend ist die unterste, die letzte Stufe, jene, die dort gerade noch m\u00f6glich ist.\u201c<\/em> So ist es. Nat\u00fcrlich erwarten wir von unseren Frankreich-Berichterstattern nicht den Besuch im Gef\u00e4ngnis. Allerdings sollte man doch davon ausgehen, dass sie dort auftauchen, wo im heutigen Alltagsleben die unterste Stufe zu finden, weil dort n\u00e4mlich Menschen und ihre Schicksale vorzufinden. W\u00fcrden Journalisten dorthin gehen, w\u00fcsten sie anderes zu berichten als billige Klischees und unzutreffende Wahlanalysen. Statt die Franzosen und Ihre Politiker besser kennenzulernen, mussten wir uns mit falschen Erz\u00e4hlungen und einer Menge Eseleien abspeisen lassen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9768\" aria-describedby=\"caption-attachment-9768\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-9768\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/paris-g43e5d4ae4_640.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/paris-g43e5d4ae4_640.jpg 640w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/paris-g43e5d4ae4_640-300x149.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9768\" class=\"wp-caption-text\">Aus Paris kommt viel Bl\u00f6dsinn, so deutsche Medien am Werk. (Foto: Walkerssk auf Pixabay)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Frankreich-Korrespondentin der ehrbaren S\u00fcddeutschen Zeitung, Nadia\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Pantel<\/span>, schreibt den Leuten ein Frankreichbild auf, welches eventuell in ihrem Kopf existiert. Sie trommelt dabei f\u00fcr Macron und gegen Le Pen. Ihr gutes Recht, nur eben kein Journalismus. Es liest sich eher wie die Hofberichterstattung f\u00fcr eine bestimmte politische Richtung nebst festgefahrener\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Gegnerbeobachtung<\/span>. F\u00fcr jeden Otto Normalverbraucher ist diese Haltung absolut okay. Nur f\u00fcr Journalisten eben nicht. Aufschreiben, was ist. Nicht aufschreiben, was dem eigenen Weltbild entspricht und dieses dann unter dem Mantel Journalismus verkaufen. Ob Frau\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Pantel<\/span>\u00a0oder der gleich n\u00e4her betrachte Herr Walde, sie alle zeichnet eine Untugend aus. Sie gehen nicht mehr dahin, wo es stinkt und schmerzt, wo die Menschen nicht edel und geistreich, sondern elend unterwegs, eben nicht mehr Richtung unterste Stufe. Wer sich nicht in die Lage anderer Menschen versetzen kann, der sollte sich allerdings h\u00fcten, von oben herab Werturteile \u00fcber diese Leute zu f\u00e4llen. Solcher Art Werturteile haben inzwischen n\u00e4mlich den objektiven Journalismus v\u00f6llig ersetzt und sind an dessen Stelle getreten.<\/p>\n<p>So jemand in Frankreich Korrespondent und uns von dort schreibend oder redend informiert, sollte es ihm ein Leichtes sein, auch zu den Menschen zu gehen, die hautnah f\u00fcnf Amtsjahre des aktuellen Pr\u00e4sidenten Emmanuel Macron er- und durchlebt haben. Jene, die Sozial-, Arbeitsmarkt- und Wirtschafts- wie Innenpolitik des Macronismus sp\u00fcrten, dessen Folgen und Auswirkungen pers\u00f6nlich tragen mussten. Vorzugsweise findet man diese in der Unter- und Mittelschicht, bei Sch\u00fclern, Studenten und Rentnern, Arbeitslosen und Abh\u00e4ngigen von Sozialleistungen. Man trifft dort Menschen, die ihre Miete nicht mehr bezahlen k\u00f6nnen, denen der Strom abgestellt wird und die ihre Kinder nicht mehr in gute Schulen schicken k\u00f6nnen, ohne Job dastehen, von Zukunfts- und Existenzangst umgeben sind. Diese Menschen haben aus offenkundigen \u00dcberlebensgr\u00fcnden wenig Aufmerksamkeit und Interesse f\u00fcr Europa- und Au\u00dfenpolitik, welche Pr\u00e4sident Macron durchaus respektabel im Sinne Frankreichs \u00fcber die internationale B\u00fchne bringt. Ihre Not ist akut und greifbar in der Amtszeit von Emmanuel Macron entstanden und gewachsen. Dessen neoliberale Politik und sein Versuch, den Sozialstaat im Eiltempo zu demontieren, f\u00fchrte zu den Gelbwesten, die nicht wegen der Au\u00dfen- oder Europapolitik auf die Stra\u00dfe gingen, sondern gegen eine v\u00f6llig verfehlte Wirtschafts- und Sozialpolitik. Diese Menschen, es sind nicht wenige, engagierten sich, um Macron und dessen Politik loszuwerden, aus Sorge um den demokratischen Sozialstaat Frankreich und ihre eigene Existenz.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9796\" aria-describedby=\"caption-attachment-9796\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-9796\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Gelbwesten-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Gelbwesten-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Gelbwesten-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Gelbwesten-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Gelbwesten-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/Gelbwesten.png 1643w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9796\" class=\"wp-caption-text\">Gilets jaunes gegen Macrons Neoliberalismus und f\u00fcr Frankreich. (Foto: Screenshot Euronews)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Jean-Luc M\u00e9lenchon stand f\u00fcr diese Menschen ein und warf Fragen auf. Wie stellen wir sicher, dass es nicht mehr 10 Millionen arme Menschen gibt, von denen 8 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind und wie k\u00e4mpfen wir f\u00fcr 300.000 Obdachlose und Kinder, die f\u00fcr Lebensmittelspenden anstehen? Er gab auch eine Antwort: <em>\u201eUnser Projekt ist es, den Reichtum in diesem Land gerecht und ehrlich zu teilen!\u201c<\/em> Dann erl\u00e4uterte er dezidiert Ma\u00dfnahmen und Finanzierung in seinem Wahlprogramm. F\u00fcr Kernpunkte seines Programmes, die Rente mit 60, die Anhebung des Mindestlohns auf 1400 \u20ac netto, 1063 \u20ac Unterst\u00fctzung f\u00fcr jeden jugendlichen Auszubildenden\/Studenten wurde er von den Neoliberalen gehasst. Er geriet deswegen auch ins Visier von Le Pen und Macron, wurde sogar au\u00dferhalb Frankreichs von reaktion\u00e4ren deutschen Medien\/Journalisten als Linkspopulist abqualifiziert. 22 Prozent der W\u00e4hler folgten ihm jedoch. Diesen 7,7 Millionen Menschen soll M\u00e9lenchon nun explizit vorschreiben, ihr habt, um Le Pen zu verhindern, gef\u00e4lligst Macron zu w\u00e4hlen, sonst seit ihr schlechte, extremistische, verf\u00fchrte, dumme und populistische Franzosen. Anst\u00e4ndig nur, wenn ihr eure Wunden vergesst und genau den w\u00e4hlt, der sie euch geschlagen. So schlicht malt sich die Welt vielleicht im Kopf von deutschen Korrespondenten. Nur das Leben, das Leben ist eben anders und manchmal stinkt es<span style=\"font-size: 12pt;\"> sogar. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 12pt;\">Zwei neoliberale Kandidaten verk\u00f6rpern eine d\u00fcstere Zukunft. Jene Franzosen, die weder Le Pen noch Macron vertrauen, sehen sich zwischen Pest und Cholera. Macron und Le Pen wollen beide partout nicht, was <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span> und seine W\u00e4hler anstrebten. Die Wiederherstellung des Sozialstaates, die Entlastung der Armen, Rente mit 60, keine Studiengeb\u00fchren und Erh\u00f6hung des Mindestlohnes. In der zentralen Fragen der Kaufkraft haben weder Macron noch Le Pen seri\u00f6se L\u00f6sungen anzubieten und spielen auf ein Verschleppen bis nach der Wahl. <span data-offset-key=\"fjon3-0-0\">Beide lehnen besonders die Anhebung des Mindestlohns und das Einfrieren der Preise vehement ab. Zwei zentrale Forderungen von <\/span><span id=\"decorator-ignored-entity-id-140\" data-entity-key=\"140\" data-offset-key=\"fjon3-1-0\"><span data-offset-key=\"fjon3-1-0\">M\u00e9lenchon<\/span><\/span><span data-offset-key=\"fjon3-2-0\">, die von seinen W\u00e4hlern besonders ge<\/span><span id=\"decorator-synonym-entity-id-150\" data-entity-key=\"150\" data-offset-key=\"fjon3-3-0\"><span data-offset-key=\"fjon3-3-0\">w<\/span><\/span><span data-offset-key=\"fjon3-4-0\">ollt und unterst\u00fctzt wurden. Und diese W\u00e4hler sollen jetzt gef\u00e4lligst Macron w\u00e4hlen, Neoliberalismus und eigenes Elend hin oder her, weil Macron besser f\u00fcr Europa, die Welt, die Deutschen, die Ukraine <\/span><span id=\"decorator-corrected-entity-id-149\" data-entity-key=\"149\" data-offset-key=\"fjon3-5-0\"><span data-offset-key=\"fjon3-5-0\">und \u00fcberhaupt<\/span><\/span><span data-offset-key=\"fjon3-6-0\">. Wenn es doch so einfach w\u00e4re.<\/span><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_9805\" aria-describedby=\"caption-attachment-9805\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-9805\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/FPbVc4nX0BIdDej-1024x861.jpg\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"538\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/FPbVc4nX0BIdDej-1024x861.jpg 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/FPbVc4nX0BIdDej-300x252.jpg 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/FPbVc4nX0BIdDej-768x646.jpg 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/FPbVc4nX0BIdDej.jpg 1142w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9805\" class=\"wp-caption-text\">M\u00e9lenchon-Wahlkampf Toulouse. Wunsch nach linker Politik. Diese Menschen wollten weder Le Pen noch Macron. (Foto: Twitter FranceInsoumise)<\/figcaption><\/figure>\n<div class=\"\" data-block=\"true\" data-editor=\"75lh7\" data-offset-key=\"6punt-0-0\">\n<div data-offset-key=\"6punt-0-0\"><\/div>\n<div class=\"public-DraftStyleDefault-block public-DraftStyleDefault-ltr\" data-offset-key=\"6punt-0-0\">Schauen wir nun auf etwas eher L\u00e4ppisches, was bei n\u00e4herer Betrachtung Zeugnis \u00fcber die Wirrnis einer bestimmten Art von Berichterstattung ablegt. Es sind immer die kleinen Dinge, die entlarven. Ein Deutscher von einiger Flachheit, der sich \u00fcber das Wahl-Dilemma vieler Franzosen lustig macht und denen per billiger Verh\u00f6hnung Belehrungen erteilen will, ist ein gutes Beispiel daf\u00fcr. Mit diesem nachfolgenden Tweet macht sich jener selbst zum Dummkopf. Jeder blamiert sich eben, wie er kann. Die Rede ist vom Studioleiter des ZDF in Paris, Herrn Thomas Walde. Dieser Studioleiter twitterte wie folgt: <em>\u201eAlle Dialoge mit\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon-Vertretern<\/span>\u00a0heute in franz\u00f6sischem TV\u201c:<\/em><\/div>\n<\/div>\n<p><em>&#8211; Wen w\u00e4hlen Sie im zweiten Wahlgang?<\/em><br \/>\n<em>&#8211; &#8222;nicht Le Pen&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8211; w\u00e4hlen Sie Macron?<\/em><br \/>\n<em>&#8211; &#8222;nicht Le Pen&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8211; enthalten Sie sich?<\/em><br \/>\n<em>&#8211; &#8222;nicht Le Pen&#8220;<\/em><br \/>\n<em>&#8211;\u00a0 wie wird das Wetter?<\/em><br \/>\n<em>&#8211; &#8222;nicht Le Pen&#8220;<\/em><br \/>\n<em>(letzte Frage habe ich mir ausgedacht)<\/em><\/p>\n<p><span data-offset-key=\"do4tq-2-0\"> Ausgedacht ist ein gutes Stichwort. Offenbar fantasiert er sich sein gesamtes Frankreichbild zusammen, welches er den geneigten Abnehmern in der Heimat dann als Weltsicht und Insiderblick verkauft. Journalistisches Handwerk, damit einhergehend eine gewisse Sorgfalt, scheint ihm v\u00f6llig abzugehen. Seine Draufsicht hat nichts mit der franz\u00f6sischen Realit\u00e4t zu tun. W\u00fcrden\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span> und die f\u00fchrenden K\u00f6pfe der einzig verbliebenen linken Sammlungsbewegung L<span class=\"hiddenGrammarError\">&#8218;<\/span>Union\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">populaire<\/span> n\u00e4mlich ihren W\u00e4hlern einfach per Zuruf die Wahl Macrons empfehlen oder\/und anraten, w\u00e4re dies eine Katastrophe in den eigenen Reihen und w\u00fcrde diese linke Bewegung zerfressen. (Was nat\u00fcrlich im Interesse einer bestimmten Politik- und <span class=\"hiddenSpellError\">Medienkamarilla<\/span>.) Es w\u00e4re in Hinblick auf die kommenden Wahlen zur Nationalversammlung f\u00fcr die Erfolgsaussichten der L<span class=\"hiddenGrammarError\">&#8218;<\/span>Union\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">populaire <\/span>ein fataler Fehler. Jeder Korrespondent in Paris muss dieses wissen und gef\u00e4lligst vermitteln, bevor er dumme <span class=\"hiddenSpellError\">Witzchen<\/span> twittert. Dieses eindeutige NEIN zu Le Pen muss doch selbst Walde verstanden haben. Aber er will unbedingt den Macron-Knicks der Linken haben und vermelden.<\/span><\/p>\n<p><span data-offset-key=\"do4tq-2-0\">Man kann es leider nicht oft genug wiederholen. Nicht Le Pen hat die letzten f\u00fcnf Jahre regiert. Die Gelbwesten sind wegen Macron und gegen dessen \u201eReform\u201c-Agenda entstanden. Frankreich zu einem Staat nach Muster eines US-Kapitalismus in der exzessiven Variante von <span class=\"hiddenSpellError\">Milton<\/span> Friedman zu machen, ist ebenfalls keine Le Pen Blaupause, sondern Macron-Politik. Mit dem verlogenen Begriff \u201eReformen\u201c die Renten angreifen, l\u00e4ngere Arbeitszeiten f\u00fcr weniger Geld anstreben, \u00fcber Studiengeb\u00fchren eine Klassengesellschaft schaffen und die Sozialleistungen k\u00fcrzen, ist Macrons Politik und neoliberale Handschrift. Die Handschrift Le Pens s\u00e4he nicht wesentlich anders aus, vielleicht noch schlimmer. Pest oder Cholera. Allerdings ist die radikale Komponente von Le Pen, latent gegen andere ethnische Gruppen und Religionen zu Felde zu ziehen, dieser dumpfe Nationalismus, nie Politik von Macron gewesen. In diesen Topf geh\u00f6rt der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident nicht, weswegen er f\u00fcr linke W\u00e4hler sicher etwas w\u00e4hlbarer als Le Pen. Sofern diese W\u00e4hler an der zweiten Runde teilnehmen.\u00a0 \u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_9816\" aria-describedby=\"caption-attachment-9816\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-9816\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/TW-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/TW-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/TW-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/TW-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/TW-1536x865.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/TW.png 1551w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9816\" class=\"wp-caption-text\">Ahnungslos in Paris. ZDF-Mann Thomas Walde. (Screenshot Sender Phoenix)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Es ist und bleibt kompliziert. Deshalb wollen wir hier, bevor sich Herr Walde erneut \u00fcber andere erhebt oder lustig macht, nochmals den franz\u00f6sischen Autor\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Didier<\/span>\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Eribon<\/span> zu Wort kommen lassen, mit einer \u00c4u\u00dferung, der wir auf GERADEZU schon am Wahltag Platz einr\u00e4umten. <span class=\"hiddenSpellError\">Eribon<\/span> hat die sozialen Verwerfungen in seinem Land erlebt und ihre Ursachen erkannt, ist dazu wesentlich mehr berufen als ein bestens bezahlter Angestellter einer \u00f6ffentlich-rechtlichen TV-Anstalt aus Deutschland.<em> \u201eAber ich verstehe nicht, warum der Deutsche Macron f\u00fcr einen\u00a0Zentristen\u00a0halten kann: Er ist ein gewaltsam autorit\u00e4rer rechter Politiker. Seine Politik ist die Demontage des \u00f6ffentlichen Sektors und der Abriss des Sozialstaats + schrecklicher Polizeirepression gegen Demonstranten. Wenn Le Pen jetzt so stark ist, liegt das an Macrons neoliberaler Politik, die den Reichen mehr Geld gibt und es den Armen nimmt.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die Formel, die deutsche Journalisten wie ein Gottesurteil verk\u00fcnden, man m\u00fcsse Macron w\u00e4hlen, weil es keine Alternative gibt, z\u00fcndet in Frankreich nicht mehr. Daf\u00fcr hat Macrons Politik gesorgt. Nun braucht man die Hilfe linker W\u00e4hler, um einen neoliberalen Politiker im Amt zu halten. Ausgerechnet deutsche Journalisten fordern dieses jetzt ein. Dazu passt dann ein vorgegaukelter Sinneswandel in deutschen Medien. Bis zum Schlie\u00dfen der Wahllokale diffamierten deutsche Medien\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>\u00a0als Linkspopulisten und stellten auch seine Anh\u00e4nger in ein\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">\u00fcbles<\/span> Licht. Selbst vor einer Gleichsetzung mit Le Pen oder dem Kampfbegriff Linksextremist wurde nicht zur\u00fcckgeschreckt. Als das Wahlergebnis vorlag, las man <span class=\"hiddenGrammarError\">z. B.<\/span> im Spiegel pl\u00f6tzlich vom Linkspolitiker <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span>, der Populist war wie von Zauberhand verschwunden. So geht\u2019s zu.<\/p>\n<p>Noch ein Rat an den ZDF-Studioleiter in Paris, Thomas Walde. Er sollte sich vielleicht einmal mit\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Didier<\/span>\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Eribon<\/span> treffen, dabei etwas \u00fcber Frankreich und seine Menschen lernen und was im Land passierte und passiert. Dieser Wunsch bleibt nat\u00fcrlich ein frommer, also unerf\u00fcllt. Walde kann die Finger nicht von Twitter lassen und begl\u00fcckte uns erneut: <em>\u201eMarine Le Pens\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Aussenpolitik<\/span>\u00a0in einem Bild. Eine\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Frankreichfahne<\/span>. Keine Europafahne. Voil\u00e0.\u201c<\/em> Da haben wir sie erneut, die Welt im Kopf dieses\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Frankreichkenners<\/span>, der von Frankreich<span class=\"hiddenGrammarError\">\u00a0&#8211;\u00a0<\/span>mit t\u00e4glicher Beweisf\u00fchrung seinerseits<span class=\"hiddenGrammarError\">\u00a0&#8211;\u00a0<\/span>so viel Ahnung hat wie die Kartoffel von der Kniescheibe. Holzschnittartiger Journalismus, abzielend auf ein von eigener Hand normiertes Publikum<span class=\"hiddenGrammarError\">\u00a0um<\/span> der dumpfen Effekthascherei willen und des billigen Applauses <span class=\"hiddenGrammarError\">wegen<\/span>. Eisern nach der Methode\u00a0<span class=\"hiddenGrammarError\">\u201e<\/span>darf\u2019s ein Scheibchen mehr sein<span class=\"hiddenGrammarError\">&#8222;<\/span>. Deutschlands f\u00e4higster Journalist Hermann L. <span class=\"hiddenSpellError\">Gremliza<\/span>\u00a0fand daf\u00fcr einst die Worte Reklamejargon und\u00a0<span class=\"hiddenSpellError\">Gesinnungslumperei<\/span>.<\/p>\n<figure id=\"attachment_9818\" aria-describedby=\"caption-attachment-9818\" style=\"width: 640px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-9818\" src=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DE-1024x576.png\" alt=\"\" width=\"640\" height=\"360\" srcset=\"https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DE-1024x576.png 1024w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DE-300x169.png 300w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DE-768x432.png 768w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DE-1536x864.png 1536w, https:\/\/www.geradezu.de\/wp-content\/uploads\/2022\/04\/DE.png 1633w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-9818\" class=\"wp-caption-text\">Macron durchschaut. Kennt seine Landsleute und die Arbeiterklasse. Autor und Soziologe Didier Eribon. (Screenshot: Skripta TV)<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mich\u00e8le B., eine W\u00e4hlerin von M\u00e9lenchon soll hier das Schlusswort bekommen. Gesprochen am Wahlabend bei einer spontanen Publikumsbefragung auf\u00a0 France TV2: <em>\u201eIch bin angewidert, all diese alten Leute um mich herum zu sehen, die Macron w\u00e4hlen. Das ist gl\u00fccklicherweise nicht mein Fall. Ich hatte 9 Jahre lang nicht gew\u00e4hlt und bin dazu \u00fcbergegangen, M\u00e9lenchon zu w\u00e4hlen. Ich habe ihn w\u00e4hrend seiner Reden entdeckt, und mir wurde klar, was ich so viele Jahre vermisst hatte. Es war dieser Humanismus. Ich habe sogar eine Tr\u00e4ne vergossen, als ich die Kampagne verfolgt habe. Ich habe mein ganzes Leben lang gek\u00e4mpft. Ich bin 75 Jahre alt und habe mit Energie und Kraft an der Kampagne von Jean Luc M\u00e9lenchon teilgenommen. Heute bin ich sehr traurig, aber ich gebe nicht auf und werde weiter f\u00fcr unsere Jugend k\u00e4mpfen, f\u00fcr unseren Planeten, dem es sehr schlecht geht.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Aktuell ist gerade geschehen, was Jean-Luc M\u00e9lenchon seinen W\u00e4hlern vor der Wahl zugesagt hatte und nun von ihm eingehalten wird. S\u00e4mtliche seiner Unterst\u00fctzer, die ihn 2021 schriftlich gebeten haben, erneut f\u00fcr das Amt des Pr\u00e4sidenten zu kandidieren und sich daf\u00fcr vor dem 10. April 2022 (erster Wahlgang) registrieren lie\u00dfen, im Falle <span class=\"hiddenSpellError\">M\u00e9lenchon<\/span> 310.000 Menschen, k\u00f6nnen ab sofort bis zum 16. April 2022 die M\u00f6glichkeit nutzen, sich auf einer speziell daf\u00fcr eingerichteten Plattform (Website) zu \u00e4u\u00dfern und Meinungen auszutauschen, wie sie sich pers\u00f6nlich zum zweiten Wahlgang positionieren. Gelebte Demokratie und B\u00fcrgerbeteiligung. Weil die pers\u00f6nliche Stellungnahme von Jean-Luc M\u00e9lenchon zu diesem Diskussionsportal sehr aussagekr\u00e4ftig die politische Situation in Frankreich beschreibt, dabei das Dilemma f\u00fcr seine W\u00e4hlerschaft in Sachen des zweiten Wahlganges nicht verschweigt, werden wir von GERADEZU seine \u00c4u\u00dferungen im vollen Wortlaut ver\u00f6ffentlichen. Daf\u00fcr gibt es einen gesonderten Beitrag unter dem Titel: \u201eJean-Luc M\u00e9lenchon in Sachen zweiter Wahlgang&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;\"><em>*Titelbild: John Hain auf Pixabay<\/em><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer \u00f6fter stehen jene, die andere als Demagogen und Populisten brandmarken, mit genau diesen Unarten nicht vor, sondern hinter Kamera und Mikro, verkleiden sich dabei im Gewand von Journalisten als objektive Berichterstatter. Ein<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":9750,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[3493,3483,3485,925,1137,551,680,3503,255,3502,213,553,134,798,211,679,31,3494,1092,454,3495,1127,184,1873,3015,1180],"class_list":["post-9749","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-gesellschaft","tag-berichterstattung","tag-eribon","tag-eselei","tag-folgen","tag-fragen","tag-frankreich","tag-kamera","tag-kaufkraft","tag-kisch","tag-korrespondent","tag-leuten","tag-macron","tag-medien","tag-melenchon","tag-menschen","tag-mikro","tag-millionen","tag-nachricht","tag-paris","tag-politiker","tag-schicksale","tag-stufe","tag-tucholsky","tag-weise","tag-weltbild","tag-zeitung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9749","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=9749"}],"version-history":[{"count":101,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9749\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":9892,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/9749\/revisions\/9892"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/9750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=9749"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=9749"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.geradezu.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=9749"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}