Gesellschaft

Märchenwelt des Sigmar G.

Wenn man jemand sucht, der den Unterschied zwischen Äpfeln und Birnen nicht kennt und doch darüber palavert, dann wird man mit ziemlicher Sicherheit bei Sigmar Gabriel fündig. Der ehemalige erfolglose SPD-Vorsitzende (2009 – 2017) und gescheiterte Ministerpräsident von Niedersachsen (1999 – 2003) war mehrfacher Bundesminister und auch Vizekanzler. In allem eher mäßig und daher wenig erfolgreich unterwegs. Was selten schadet. Es steht gescheiterten Politikern nie ihr Scheitern im Weg, wenn es gilt, nach der Politik in lukrative Jobs und hohe Einkommen zu gleiten. Darauf ist Verlass. Heute ist Sigmar Gabriel Aufsichtsratsvorsitzender von ThyssenKrupp Steel Europe und seit Sommer 2019 Vorsitzender der „Atlantik-Brücke“. Diese hat sich nach offizieller Lesart der Verständigung, dem vielfältigen Gedankenaustausch, der Bildung und noch vielen anderen hehren Ziel verschrieben. In Realität handelt es sich in der Hauptsache um eine ideologische Bastion und ein hocheffizientes wie einflussreiches Netzwerk erster Ordnung bei der Zementierung und positiven Propagierung sämtlicher Politikfelder und Politikinteressen der USA in Deutschland und Europa. Außerdem ist die Atlantikbrücke ein Bollwerk des Neoliberalismus. Ihr steht also der Sozialdemokrat Gabriel vor, der über seinem Twitteraccount #MehrMut prangen hat. Bei Twitter verklappt er gerne seine kruden Ansichten in Tweets, die oftmals vielem dienen, nur selten etwas Gutem. So war unlängst sein Versuch angelegt, das Regime in Katar vor der bevorstehenden Fußball-WM noch ein bisschen reinzuwaschen. Dazu sonderte Sigmar Gabriel wie folgt ab:

Eine krumme und an den meisten Stellen hinkende Argumentation. Wer auf Menschenrechte und Arbeitnehmerrechte pocht, so grobe Verstöße wie im Fall Katar offen liegen, „beleidigt“ damit die Adressaten? Die schlimmen und grausigen Morde in Mexiko, die mit sozialem Ungleichgewicht, Armut und dem latenten Drogenkrieg zu tun, sind schrecklich und nicht klein zureden. Dennoch kann man sie nicht mit staatlich verordnetem Terror gegen Andersdenkende vergleichen, wie dies in Katar der Fall. Was heißt denn bitte „hart ins Gericht gehen“? Die durch Korruption gekaufte WM in Katar findet statt, deutsche Politik muss vor der katarischen Diktatur auf dem Bauch liegen, es gilt irgendwie an Gas und Öl zu kommen. Sind in der Bundesrepublik und der DDR, so viel Kritikwürdiges beide Modelle auf ihr Haupt geladen haben, im Auftrag von Staat und Religion Homosexuelle erhängt und Frauen gesteinigt worden? Beides, der Aufklärung sei Dank, nicht. Die meisten der damaligen „Gastarbeiter“, die wir in der Tat sehr deutsch, also herablassend und mies behandelt haben, preiswert ausbeuteten, blieben mit ihren Familien größtenteils dennoch in der Bundesrepublik, bauten sich hier oftmals sogar ein neues Leben auf. Sie wurden jedenfalls nicht zu Tausenden vom Staat für einen größenwahnsinnigen Traum in einen elenden Baustellentod getrieben.

Doch sich mit jedem fadenscheinigen Argument von Gabriel einzeln auseinandersetzen, führt nur auf seine Leimspur und weg von den wahren Absichten des Tweet-Verfassers Gabriel. Wie der Ex-Fußballer und Wursthersteller Ulrich Hoeneß und der oberste Korrumpel der FIFA, Gianni Infantino, ist Sigmar Gabriel in Sachen Katar völlig moralfrei und ohne Anstand. Wenn man den Grund für die plötzlich heißblütig ausgefüllte Verteidigerrolle Gabriels in Sachen der Öldiktatur Katar suchen will, muss man sich nochmals den Artikel des Nachrichtenmagazins Spiegel vom 24.01.2020 unter dem Titel „Von Katars Gnaden“ zu Gemüte führen. Dann wird es hinter all dem Gesülze von Gabriel hell und einleuchtend. In dem Beitrag geht es um die Rolle Katars bei der Bestallung von Sigmar Gabriel zu einem der Aufsichtsräte der Deutschen Bank. Daraus sei hier zitiert:

An seiner Erfahrung in der Finanzwelt lag es kaum, dass Sigmar Gabriel Aufseher bei der Deutschen Bank wird. Wichtiger sind die Kontakte des Ex-Politikers – und der große Einfluss des Emirats Katar auf den Konzern. (…) Vor einigen Monaten hatte Gabriel, der in seiner Zeit als Ministerpräsident von Niedersachsen qua Amt VW-Aufsichtsrat war, noch den Präsidenten-Posten beim Verband der Automobilindustrie (VDA) abgelehnt – „nach reiflicher Überlegung und aufgrund anderer Aufgaben“, wie es damals hieß. Ob er schon damals mit der Deutschen Bank und ihrem mächtigstem Aktionär aus Katar verhandelt hat, ist unklar. Die Katarer sind an VW ebenso substanziell beteiligt wie an der Deutschen Bank, wo sie acht Prozent der Aktien halten und damit mehr als jeder andere Investor. Gegen ihren Willen läuft nichts bei den Frankfurtern. (…) Mit Sigmar Gabriel schicken die Katarer nach Zeltner nun erneut einen Vertreter in den Aufsichtsrat, um Sewing auf die Finger zu schauen. (…) Als Vertreter des größten Aktionärs ist die Chance freilich gering, dass Gabriel im Aufsichtsrat der Deutschen Bank plötzlich sein Herz für die Arbeitnehmer wiederentdeckt. Wer die Katarer kennt, der weiß, dass sie Gefolgschaft verlangen. Gabriel wird sie ab sofort liefern müssen.

Eine Schlussbemerkung sei bitte gestattet. Die Blindheit von Sigmar Gabriel gegenüber der Realität, sein bornierter Oberlehrerton, die hohe Warte einer ständigen Besserwisserei und seine von Tatsachen ablenkenden Nebelkerzen in fast jeder öffentlichen Diskussion sind „zum Ko...“! Mehr ist zu dieser Sorte Lobbyist nicht zu sagen.

 

*Titelbild: Wanderarbeiter auf einer WM-Baustelle in Katar. (Screenshot: BBC Doku)

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